Tu Bischwat

Von der Ori bis zur Sweetie

Limette, Mandarine, Zitrone – Die Pomelit ist eine Kreuzung aus Grapefruit und Pomelo. Foto: Colourbox

Wer kennt sie nicht, die pralle Jaffa-Orange? In den 70er- und 80er-Jahren war sie der Exportschlager aus dem Heiligen Land. Überall in der Welt genossen die Menschen die saftige Süße der orangefarbenen Frucht, die bereits Anfang des 19. Jahrhunderts in Jaffa entdeckt worden war. Mittlerweile hat sich viel getan bei der Entwicklung von Apfelsine, Mandarine und Co. An diesem Tu Bischwat, dem Festtag der Bäume, zelebrieren die Israelis auch ihre Zitruspflanzen und deren Früchte – die beliebtesten überhaupt.

»Lange Jahre war Israel mit der Jaffa-Orange, die auch Scharmouti genannt wird, als Zitrusnation bekannt«, weiß Nir Carmi, Wissenschaftler am Volcani Center, dem landwirtschaftlichen Forschungsinstitut. Doch dann habe es »die große Krise« gegeben. Begonnen hatte die mit der Wasserknappheit, die einen großen Teil der Obstplantagen im Land verdursten ließ.

Hinzugekommen sei die große Konkurrenz aus anderen Ländern, verstärkt durch schwankende Wechselkurse, die schlecht für den Export waren. »Doch der größte Bruch war die Veränderung der Vorlieben«, so Carmi. »Die Europäer zogen auf einmal Mandarinen den Orangen vor, und die israelischen Zitrusfrüchte verschwanden fast vollständig vom europäischen Markt.«

Bewässerung In den 90er-Jahren habe dann mit der Einführung von Entsalzungsanlagen in Israel ein Wandel stattgefunden. »Das entsalzte Wasser aus dem Mittelmeer und das recycelte Wasser aus den Haushalten, das für die Bewässerung der Plantagen eingesetzt wurde, brachten großen Aufschwung in den Anbau von Obst und Gemüse«, erläutert der Experte. »Wir waren auf einmal nicht mehr auf Regen angewiesen.« Israel ist weltweit führend auf dem Gebiet der Bewässerungstechnologie. »Und all das kommt natürlich der Landwirtschaft zugute.«

»Doch der wirkliche Durchbruch im Bereich der Zitrusfrüchte geschah mit der Entwicklung der Mandarine Ori«, fügt Carmi nicht ohne Stolz hinzu. Bereits in den 80er-Jahren habe das Volcani Center mit der Forschung an der neuen Sorte begonnen. In den späten 90er-Jahren sei die Mandarine praktisch fertig gewesen und im Jahr 2000 bereit für den massenhaften Export. »Heute ist die leicht zu schälende kernlose Frucht die führende Mandarine in der Welt.«

Die Entwicklung einer neuen Frucht ist ein komplexer Prozess und dauert mindestens 15 arbeitsintensive Jahre. Denn jedes Jahr steigen die weltweiten Standards für Obst und Gemüse an, während gleichzeitig die Konkurrenz wächst.

Schädling Doch der gesamte Zitrusbestand weltweit ist in Gefahr. Ein Schädling, der seinen Ursprung in China hat, bringt die bakterielle Krankheit HLB mit, gegen die bislang noch kein Kraut gewachsen ist, wie Carmi erklärt. »Ist eine Pflanze befallen, gibt es keine Heilung.« Illegale Importe brachten sie bis nach Florida, wo HLB fast den gesamten Anbau zerstörte. »Mittlerweile sind viele Länder in regelrechter Panik, und auch in Israel geht die Angst um. Doch wir haben extreme Überwachungsmethoden und hoffen, dass die Forschung in den USA bald Erfolg zeitigt.«

80 Prozent aller Israelis essen fast täglich frisches Obst und Gemüse und sind sich der Vorzüge für die Gesundheit bewusst. Das fand das Volcani Center jüngst bei einer Umfrage heraus. Die Zitrusfrüchte sind beim Obst mit 41,4 Prozent eindeutig Spitzenreiter auf den Tischen der Israelis, gefolgt von der Wassermelone mit 35,1 und Weintrauben mit 11,6 Prozent. Derzeit sind 19.400 Hektar Fläche in Israel mit Zitrusbäumen bepflanzt, die meisten in der Küstenregion. Sie bringen den Bauern einen Ertrag von jährlich 550.000 Tonnen. Rund ein Drittel davon wird exportiert, 85 Prozent auf den europäischen Markt.

Doch es sind schon lange nicht mehr ausschließlich die dicken Orangen, die sich die Menschen schmecken lassen können. Mittlerweile ist die Vielfalt an Zitrusfrüchten so groß, dass selbst die Israelis kaum mehr überblicken können, wie viele Sorten es gibt.

Pomelit Eine Züchtung ist beispielsweise die Pomelit, eine Mischung aus Pomelo und Grapefruit. Sie stammt aus dem Labor Ben Dor Fruits & Nurseries. Als Exportprodukt ist sie besser als »Sweetie« bekannt. Sie ist weniger bitter als die Grapefruit und leichter zu schälen als die Pomelo. Die Pomelit ist bekannt dafür, den Cholesteringehalt im Blut zu senken. Eine andere Neuzüchtung ist die pinkfarbene Grapefruit mit Namen »Sunrise«. Die schmeckt süß statt bitter und hat einen leicht sauren Beigeschmack.

Volcani hat noch einige Neulinge in der Warteschleife, wie Carmi erzählt. »Da gibt es die Grapefruit ohne die so charakteristischen Bitterstoffe, die derzeit in unseren experimentellen Obstgärten wächst. Diese Frucht wird keine Wechselwirkungen mehr mit Medikamenten verursachen, die manche Menschen einnehmen müssen.

In einigen Jahren wird sie auf den Markt gebracht.« Und noch ein Hybrid wird kommen: die Mandarine, die gleichzeitig über die roten Pigmente der Blutorange verfügt. Carmi ist schon jetzt begeistert: »Die wird alles haben: leicht zu schälen, kernlos und vollgepackt mit den Antioxidantien der Blutorange – ein wahrer Alleskönner.«

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