Jerusalem

Urteil über Amt des Knessetsprechers

Der Knessetsprecher Yuli Edelstein Foto: Flash90

Das Oberste Gericht in Israel hat entschieden: Knessetsprecher Yuli Edelstein muss bis Mittwoch einer Neuwahl seiner Position im Parlament zustimmen. Die Zentrumsunion Blau-Weiß hatte die Petition eingereicht.

Edelstein hatte sich bislang gegen alle Versuche gewehrt, sein Amt neu besetzen zu lassen. Die Zentrumsunion Blau-Weiß will ihren eigenen Kandidaten aufstellen.

Im Anschluss an die Wahl könnte eine Komission gebildet werden, die die parlamentarische Arbeit ermöglicht, bis eine neue Regierung gebildet ist. Benny Gantz von Blau-Weiß hatte von Präsident Reuven Rivlin das Mandat zur Regierungsbildung erhalten.

Flaggen In der vergangenen Woche hatte Edelstein die Sitzungen vertagt und die Knesset abgeriegelt. Hunderte von Israelis demonstrierten daraufhin. Sie schwenkten schwarze Flaggen und trugen Schilder »Nein zur Diktatur«. Am Montag nahmen mehr als 2000 Israelis an einem Protest vor der Knesset teil.

Einen Tag zuvor hatten sich mehr als 600.000 Menschen in einer virtuellen Demonstration zugeschaltet, die sich gegen die »Gefährdung der Demokratie« wandte.

Im Februar waren die Israelis zum dritten Mal in einem Jahr zur Wahl gegangen. Der Likud von Netanjahu hatte 36 Mandate erhalten, doch der rechtsreligiöse Block hatte es nicht auf die Mehrheit in der Knesset gebracht. Blau-Weiß konnte 33 Sitze auf sich vereinen.

Entscheidung Verschiedene Pro-Netanjahu-Minister forderten Edelstein auf, die Entscheidung des Gerichtshofs zu ignorieren. Der Justizminister der Übergangsregierung, Amir Ohana vom Likud, twitterte ein Foto des Urteils und schrieb dazu: »Wenn ich Knessetsprecher wäre, ich würde Nein sagen«.

Tourismusminister Yariv Levin, ein enger Verbündeter von Netanjahu, schrieb, dass »der Gerichtshof offiziell die Knesset übernommen hat«.

Gilad Erdan: »Wenn der Gerichtshof ein Urteil erlässt, müssen wir es akzeptieren. Sonst geben wir uns der Anarchie hin.«

Gideon Saar, der vor Kurzem gegen Netanjahu bei den Likud-Wahlen angetreten war und verloren hatte, meinte, dass es Edelstein zwar erlaubt sei, für seine Position einzustehen, aber dass Aufrufe, die gerichtliche Entscheidung nicht umzusetzen, »inakzeptabel« seien.

Auch Sicherheitsminister Gilad Erdan kritisierte die Richter, fügte jedoch hinzu: »Wenn der Gerichtshof ein Urteil erlässt, müssen wir es akzeptieren. Sonst geben wir uns der Anarchie hin«.

Institutionen Blau-Weiß äußerte sich knapp: »Demokratie ist Demokratie … Respektiert das Urteil der Mehrheit und hört auf, die Institutionen des Staates zu beschädigen.« Nitzan Horowitz, der Vorsitzende der Linkspartei Meretz, rief den Blau-Weiß-Vorsitzenden Gantz auf, die Möglichkeit einer Einheitsregierung in jedem Fall abzulehnen.

»Mit diesen gefährlichen Leuten gibt es keine Regierung, und es gibt keine Einheit. Zuerst haben sie die Gerichte für den Premierminister unter Anklage geschlossen. Dann haben sie die Knesset abgeriegelt, weil sie die Mehrheit verloren haben. Und jetzt rufen sie auf, das Urteil des Gerichtshofes abzulehnen«, so Horowitz. »Was wir hier mit eigenen Augen sehen – es ist ein Coup.«

Nahost

Israels Armee-Chef Zamir: Irans Raketen könnten Berlin treffen

Israels Militärchef warnt: Nach dem iranischen Angriff auf Diego Garcia sieht er auch europäische Hauptstädte wie Berlin im Radius iranischer Raketen. Der Krieg habe etwa die Halbzeit erreicht

 21.03.2026

Iran-Krieg

Weiterer Angriff auf Atomanlage Natans

Die Anlage Natans gilt als wichtig für das iranische Atomprogramm. Welche Auswirkungen hat ein neuer Angriff? Teheran sorgt mit Raketen gegen einen abgelegenen US-Stützpunkt für Aufsehen

 21.03.2026

Iran

Mysteriöses Schwiegen um Chamenei

Modschtaba Chamenei bleibt unsichtbar. Geheimdienste rätseln, ob er am Leben ist und wirklich das Sagen hat. Was steckt hinter den mysteriösen Taxi-Geschichten aus Teheran?

 21.03.2026

Israel

Mindestens 20 Verletzte nach Raketenangriff in Dimona

Durch das iranische Geschoss wurden unter anderem ein zehnjähriger Junge und eine Frau verletzt

 21.03.2026

Syrien

Israels Armee: Angriffe in Syrien zum Schutz dortiger Drusen

Nach neuer Gewalt im Süden greift Israels Armee Stellungen der syrischen Regierung an. Das israelische Militär will eigenen Angaben zufolge die drusische Minderheit verteidigen

 20.03.2026

Meinung

Siedlergewalt: Eine Schande für Israel

Generalstabschef Zamir und Rabbi Lichtenstein haben recht: Die Exzesse gegen Palästinenser im Westjordanland müssen gestoppt werden, bevor es zu spät ist

von Ayala Goldmann  20.03.2026

Sport

Wegen Fanverhaltens: FIFA bestraft Israel

Der Fußball-Weltverband FIFA hat Israels Verband mit einer Geldstrafe belegt. Zudem muss bei den nächsten Spielen der Nationalmannschaft im Stadion ein Transparent gezeigt werden

 20.03.2026

Jerusalem

Netanjahu: »Wir schützen die ganze Welt«

Am 20. Tag des Krieges gegen den Iran äußerte sich Israels Ministerpräsident auf einer Pressekonferenz ungewöhnlich ausführlich

von Imanuel Marcus  20.03.2026

Gefahr

Israel: Iran kann kein Uran mehr anreichern

Seit 20 Tagen attackieren Israel und die USA den Iran mit schweren Luftangriffen. Dem israelischen Ministerpräsidenten zufolge hat die gemeinsame militärische Operation bereits Ergebnisse gebracht

 19.03.2026