Tabgha/Nazareth

Urteil nach Anschlag auf Kirche

»Falsche Götzenbilder müssen zerschlagen werden«: Graffito an der Brotvermehrungskirche am 18. Juni 2015 Foto: Flash 90

Mehr als zwei Jahre nach dem Brandanschlag auf die Brotvermehrungskirche in Tabgha am See Genezareth ist einer der Angeklagten von einem Gericht schuldig gesprochen worden. Das Bezirksgericht Nazareth legte dem 22 Jahre alten Israeli am Montag unter anderem schwere Brandstiftung und eine kriminelle Verschwörung zur Last.

Die israelische Tageszeitung »Haaretz« berichtete, der verurteilte Täter habe früher in Baladim im Westjordanland gelebt – ein Außenposten der jüdischen Siedlung Kochav Haschachar. Die Zeitung zitierte zudem Quellen aus dem Geheimdienst Schin Bet, die behaupteten, der Mann habe auch geplant, von Baladim aus Moscheen anzuzünden.

berufung
Ein weiterer 21 Jahre alter Angeklagter wurde von allen Vorwürfen freigesprochen. Der Anwalt des verurteilten 22-Jährigen, Itamar Ben Gvir, kündigte gegen das Urteil Berufung an. Staatsanwalt Avi Pasternak bezeichnete das Urteil als wichtige Stellungnahme des Gerichts gegen jüdischen Terrorismus.

Bei dem Anschlag am 18. Juni 2015 war die Kirche, die zu einem Benediktinerkloster gehört, nicht beschädigt worden. Zwei an die Kirche angrenzende Räume wurden aber zerstört. Die Brotvermehrungskirche musste geschlossen werden und wurde nach den Reparaturarbeiten im Februar dieses Jahres wieder geöffnet. Der Schaden betrug fast eine Million Euro, davon übernahm der Staat Israel mehr als ein Drittel.

Alejnu-Gebet Auf eine Wand war zudem bei dem Anschlag ein Zitat auf Hebräisch aus dem täglichen Alejnu-Gebet geschmiert worden: »Falsche Götzenbilder müssen zerschlagen werden«. Zwei Menschen mussten wegen Rauchvergiftung behandelt werden. Der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie die Orthodoxe und die Allgemeine Rabbinerkonferenz hatten den Anschlag scharf verurteilt.

Die Brotvermehrungskirche in Tabgha erinnert nach christlicher Tradition an ein biblisches Wunder: Laut dem Neuen Testament soll Jesus an dieser Stelle 5000 Menschen mit zwei Fischen und einem Brot satt gemacht haben.

Drei Israelis waren ursprünglich angeklagt, den Brandanschlag begangen zu haben. Ursprünglich waren 16 Jugendliche aus dem Westjordanland festgenommen worden. Mehrere von ihnen sollen zur sogenannten Hügeljugend jüdischer Siedler gehören, teilweise in Siedlungs-Außenposten gelebt und eine eigene extremistische Gruppe gebildet haben.

Justiz

Meinungsfreiheit ist kein Freibrief: Zur Leugnung des Existenzrechts Israels

Eine Klarstellung von Nathan Gelbart

von Nathan Gelbart  01.09.2026

Kommentar

Intifada-Party bei der Linken

Für Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl, kommt der jüngste Antisemitismus-Skandal ihrer Partei zur Unzeit. Doch ihre Empörung wirkt unglaubwürdig

von Ralf Balke  01.09.2026

Ausstellung

Eintauchen ins Farbenmeer

Bei der Expo Tel Aviv werden drei Millionen Blumen zu Erlebniswelten arrangiert

von Sabine Brandes  01.09.2026

Die Meerwasserentsalzungsanlage Sorek

Umwelt

Algen aus dem Nil bedrohen Israels Wasserversorgung

Fünf Entsalzungsanlagen wurden wegen stark getrübten Meerwassers abgeschaltet. Die Bevölkerung wurde zum Sparen aufgerufen

von Sabine Brandes  01.09.2026

Tel Aviv

Israelische Chemie-Nobelpreisträgerin Ada Jonath gestorben

Die Wissenschaftlerin hat mit ihrer Forschung am Ribosom entscheidend zum Verständnis der Wirkung von Antibiotika beigetragen. Die Nobelpreisträgerin wurde 87 Jahre alt

 01.09.2026

Tel Aviv

Millionen Kinder und Jugendliche starten ins neue Schuljahr – Lehrermangel belastet Israels Bildungssystem

Viele Schüler im Süden kehren erstmals seit dem Angriff vom 7. Oktober 2023 wieder in Schulen ihrer Heimatorte zurück

 01.09.2026

Jerusalem

Historische Allianz: Yoav Segalovitz tritt für arabische Ra’am-Partei an

Für die Partei ist der Schritt ein Novum. Sie hat bislang keinen jüdischen Abgeordneten auf ihrer Liste geführt

 01.09.2026

Jerusalem

Sara Netanjahu erhebt unbelegte Vorwürfe gegen Yair Golan

Der linke Politiker habe angeblich bereits vor Beginn des Massakers vom 7. Oktober von dem bevorstehenden Angriff gewusst, deutet die Gattin des Ministerpräsidenten in einem Interview an

 01.09.2026 Aktualisiert

Knesset-Wahlen

Ein Wegweiser durch den Dschungel der israelischen Politik

Am 27. Oktober wählt Israel. Sie wollen mitreden, aber können die Parteien nicht auseinanderhalten? Willkommen im Klub. Die Israelis können es auch nicht

von Guy Katz  31.08.2026