Medizintourismus

Urlaub im Krankenbett

Fett absaugen, Bypass legen oder In-vitro-Behandlung: Israelische Mediziner sind weltweit für ihren guten Ruf und ihre Qualität bekannt. Foto: Flash 90

Die meisten wollen einmal die Kotel sehen, viele lassen sich auf dem Toten Meer treiben, und mindestens ebenso viele frönen unter der Sonne von Tel Aviv dem Hedonismus. Andere verbringen ihren Urlaub im Krankenhausbett. Ganz freiwillig. Denn während es für die Mehrheit der Touristen noch das Heilige Land ist, so ist es für immer mehr auch das Land der Heilung. Der medizinische Tourismus nach Israel boomt. In der vergangenen Woche erließ die Knesset ein Gesetz, das die Branche regulieren soll.

Denn während der Trend die Kassen von Krankenhäusern und Ärzten klingeln lässt, wurde in der Vergangenheit oft kritisiertet, dass die Gäste aus dem Ausland auf Kosten der Israelis vorrangig behandelt werden. Auch wurden einige Mediziner verdächtigt, die internationalen Patienten »abzuzocken«. Vor zwei Jahren wurden verschiedene Ärzte angeklagt, Ausländer betrogen und höhere Beträge für bestimmte medizinische Eingriffe gefordert zu haben, als die Krankenhäuser berechnet hätten. Nun hat die Knesset Klarheit in mehreren Punkten geschaffen. Das »Gesetz zum Medizintourismus« ist vom ministerialen Komitee für Gesetzgebung bestätigt worden.

Ranking Gesundheitsminister Yaakov Litzman sagte: »Es wird Ordnung in das weite Feld des medizinischen Tourismus bringen und beide Sektoren stärken: das Gesundheitssystem und den Tourismus«. Denn Israel wolle beides, so der Minister weiter: »Wir wünschen uns einen medizinischen Tourismus, der eine korrekte und professionelle Behandlung von Gästen bietet und gleichermaßen sicherstellt, dass dieser Bereich nicht auf Kosten der israelischen Patienten geht.« Außerdem sollen die Einnahmen ab sofort dazu beitragen, das Gesundheitssystem im Land zu stärken.

Viele kommen zur Behandlung, um Geld zu sparen, aber auch, weil die israelische Medizin in der ganzen Welt einen außergewöhnlich guten Ruf genießt. Die Ärzte sind hervorragend ausgebildet, die Einrichtungen auf dem neuesten Stand, reich an Innovationen und ausgestattet mit Hightech-Geräten. Im medizinischen Tourismusindex des International Healthcare Research Center (IHRC) steht Israel in der Bewertung Dutzender Länder an dritter Stelle (nach Kanada und Großbritannien). Im Bereich »Einrichtungen und Service« verweist der kleine Nahoststaat sogar alle anderen auf die Plätze.

experten Doch exakte Zahlen der Branche gibt es nicht. Allerdings schätzen Experten, dass es im Jahr 2013 bereits mehr als 50.000 Menschen waren, die ausschließlich wegen einer medizinischen Behandlung nach Israel reisten. Die Zahlen hätten sich mittlerweile nahezu verdoppelt.

Rund die Hälfte der Patienten soll aus Russland und osteuropäischen Nationen stammen. 65 Prozent kommen jährlich für medizinische Eingriffe, von Krebsbehandlungen über Herz-Bypass- und Gewichtsreduktions-OPs bis hin zu Knochenmarkstransplantationen. Der Rest legt sich vor allem aus kosmetischen Gründen unters Messer.

Auch In-vitro-Fertilisations-Behandlungen (IVF) sind bei Menschen aus dem Ausland begehrt. Zum einen ist Israel führend auf diesem Gebiet, die Erfolgschancen, durch IVF schwanger zu werden, sind so groß wie in keinem anderen Land. Zudem kostet die künstliche Befruchtung nur einen Bruchteil – etwa 3500 US-Dollar – dessen, was Paare in den USA zahlen müssten. Auch beim Herz-Bypass können vor allem amerikanische Patienten jede Menge sparen. Statt etwa 100.000 bis 120.000 Dollar müssten sie in Israel lediglich ein Fünftel bis ein Viertel davon aufbringen.

Ethik Das Gesetz, eine gemeinschaftliche Einbringung der beiden beteiligten Ministerien Gesundheit und Tourismus, basiert auf drei Prinzipien. Es formuliert, dass das Land in erster Linie ethisch verpflichtet ist, seinen eigenen Einwohnern medizinischen Service zu bieten. Daher müssen Israelis den internationalen Touristen vorgezogen werden. Zweitens muss das öffentliche Gesundheitssystem finanziell mit den Mitteln aus dem ankommenden Tourismus gestärkt werden. Drittens müssen Professionalität, Ethik und Fairness bei der Behandlung auch für die Gäste aus allen Ländern der Welt gelten.

Durchgesetzt werden soll das Gesetz anhand verschiedener Aktionspunkte: Zunächst geht es um Transparenz. Dafür soll ein Register der Veranstalter für medizinische Reisen erstellt werden, die ihre Dienste bislang kaum reguliert anbieten konnten. Jetzt aber muss sich jeder, der in diesem Bereich tätig sein will, zunächst bewerben und entsprechende Regeln einhalten. Verschiedene Kriterien sind definiert, die das »faire, ethische und professionelle Prozedere« bezeichnen, zum Beispiel, dass alle Vereinbarungen der schriftlichen Form bedürfen, dass den Patienten vorab ein genauer Kostenvoranschlag gegeben werden muss, und vieles andere.

Auch Tourismusminister Yariv Levin begrüßt das neue Gesetz. »Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, um diesen Bereich zu regulieren. In den vergangenen Jahren ist aus dem medizinischen Tourismus ein weit verbreiteter Industriezweig geworden, der große Summen an ausländischer Währung ins Land bringt. Die Einnahmen sind eine Quelle für Steuern, Arbeitsmöglichkeiten und hervorragend für den Gesundheitssektor.« Das Gesetz solle, so der Minister, dazu beitragen, dass die Zahl der Touristen steigt und Israel sein Image pflegt, indem es seine schönen und fortschrittlichen Seiten präsentiert.

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