Knesset

Umstrittenes Gesetz verabschiedet

Sitzung der Knesset am 11. Juli Foto: Flash 90

Es ist im Ausland wie im Inland selbst höchst umstritten. Das sogenannte NGO-Gesetz hat am späten Montagabend die zweite und dritte Lesung in der Knesset durchlaufen und ist mit 57 zu 48 Stimmen angenommen worden. Es besagt unter anderem, dass israelische Non-Profit-Organisationen ihre ausländischen Geldgeber öffentlich machen und im Umgang mit Regierungsvertretern angeben müssen.

Der Vorschlag, eingebracht von Justizministerin Ayelet Shaked (Jüdisches Haus) und anderer rechtsgerichteter Koalitionsmitglieder, war wegen massiver Kritik aus dem Ausland für ein halbes Jahr auf Eis gelegt worden.

Doch nach einer sechsstündigen Parlamentsdebatte am Montag wurde das Gesetz in der Knesset angenommen. Regierungschef Benjamin Netanjahu steht hinter der Entscheidung: »So wird eine absurde Situation verhindert, in der ausländische Staaten in israelischen Angelegenheiten intervenieren, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon erfährt.«

Opposition Die jetzige Version ist zwar wesentlich abgeschwächter als die ursprüngliche, dennoch wird sie vor allem von der Opposition und dem Democracy Institute, einem Thinktank in Washington, scharf kritisiert, weil das Gesetz fast ausschließlich linksgerichtete Vereinigungen betrifft. Nach Angaben des Justizministeriums erhalten nur 27 Organisationen mehr als die Hälfte ihrer Gelder aus dem Ausland, 25 von ihnen gelten als Menschenrechtsgruppen.

Der Chef der Arbeitspartei, Isaac Herzog, sagte am Dienstagmorgen: »Das Gesetz steht für den zunehmenden Faschismus, der in der israelischen Gesellschaft wächst. Es macht eine Farce aus dem Versammlungsrecht, dem grundsätzlichen Prinzip einer jeden Demokratie.«

Seine Kollegin der Zionistischen Union, Zipi Livni, warnte vor den internationalen Auswirkungen, die Israel durch dieses Gesetz erleiden werde. »Es zeigt, dass wir viel schlimmer sind als NGOs, die vom Ausland gefördert werden.« Dov Kheinin (Vereinte Liste) merkte an, dass die Menschenrechtsorganisationen bereits völlig transparent seien, denn alle Geldeingänge müssten ohnehin angegeben werden. »Wo die Transparenz aber fehlt, ist bei den extremen rechtsgerichteten Gruppen, die Millionen von privaten Spenden aus dem Ausland erhalten. Das hält die Regierung aber lieber geheim.«

Demokratie Vor allem europäische Staaten hatten sich zuvor besorgt geäußert und gewarnt, dass das Gesetz die Beziehung mit Israel belasten könne. Auch die deutsche Regierung meldete sich zu Wort.

Der Abgeordnete Volker Beck (Die Grünen) und Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe im Bundestag, sagte in einem Interview mit der »Times of Israel«, dass Israel durch dieses Gesetz nichts erreichen werde, außer, dass der Ruf des jüdischen und demokratischen Staates geschädigt wird. »Es ist falsch und fühlt sich an, als ob es vom Kreml inspiriert wurde.« Die Regelung habe definitiv nichts mit Transparenz zu tun, denn sonst würden öffentliche und private Gelder gleichgesetzt: »Das wäre echte Transparenz.«

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Safed

Festgenommene Hisbollah-Terroristen in zivilem Krankenhaus in Nordisrael behandelt

Im Ziv Medical Center in Safed waren die libanesischen Patienten einem Zeitungsbericht zufolge gefesselt und wurden rund um die Uhr von Soldaten bewacht

 19.06.2026

Fußball

»Ich weiß, wer Weltmeister wird«

Uri Geller über die Weltmeisterschaft, den Gewinner des Turniers und seinen fatalen Einfluss auf einen verschossenen Elfmeter bei der EM 1996

von Detlef David Kauschke  19.06.2026

Jerusalem

Ehemalige Geisel berichtet von sexuellem Missbrauch durch Hamas-Terroristen

In einem Gespräch mit Israels First Lady Michal Herzog schildert der junge Israeli mehrere Übergriffe

 19.06.2026

Umfrage

Mehrheit der Israelis misstraut Trump bei Iran-Abkommen

Was denken Bürger über die Wahrung der Interessen des jüdischen Staates durch den amerikanischen Präsidenten? Wie sehen sie Ministerpräsident Netanjahus Rolle in Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt?

 19.06.2026

Berlin

Merz lehnt Apartheid-Vergleich entschieden ab

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat Israel mit einem Apartheid-System verglichen. Merz widerspricht sehr deutlich

 18.06.2026

Washington

US-Vize Vance verbittet sich israelische Kritik an Trump

Aus der israelischen Regierung wird Kritik laut – nicht nur am Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran, sondern auch an Präsident Trump. Dessen Vize kann mit damit allerdings gar nichts anfangen

 18.06.2026

Nachrichten

Quallen, Rauchen, Gesetz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  18.06.2026

BDS

Boykottversuch gegen israelische Stadtbahn gescheitert

Eine spanische Gewerkschaft fordert von der Firma CAF, die Arbeiten an den Tel Aviver Wagen einzustellen. Doch die weigert sich standhaft

von Sabine Brandes  18.06.2026