Israel

Überlebende des Nova-Festivals verklagen IDF und Schin Bet

Bilder erinnern an die Opfer der Terrorattacke auf das Nova-Festival. Foto: Copyright (c) Flash 90 2023

Überlebende der Terrorattacke auf das Nova-Festival im Süden Israels vom 7. Oktober haben eine Klage gegen den Staat eingereicht. Sie verlangen Schadenersatz in Höhe von 200 Millionen Schekel (ca. 50 Millionen Euro), wie israelische Medien berichten.

In der von den Anwälten Anat Ginzburg und Gilad Ginzburg beim Amtsgericht Tel Aviv angestrengten Klage wird mehreren Behörden Nachlässigkeit vorgeworfen. Erwähnt werden die Streitkräfte (IDF) sowie das Verteidigungsministerium, die Polizei und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet. Beteiligt sind 42 Überlebende.

»Ein einziger Anruf von IDF-Vertretern beim für das Festival verantwortlichen Kommandeur, um ihn zu einer sofortigen Auflösung der Veranstaltung zu bewegen - angesichts des zu erwartenden Risikos -, hätte Leben gerettet und die körperlichen und geistigen Verletzungen von Hunderten von Teilnehmern verhindert«, heißt es in der Klage.

»Schwerwiegender Sicherheitsvorfall«

Die Klageschrift enthält auch medizinische Atteste der Kläger, die den gesundheitlichen Zustand der Kläger beschreiben und belegen. Den Beklagten wird vorgeworfen, nicht oder zu spät gehandelt zu haben, obwohl Stunden vor dem Massaker eine Warnung vor einem »schwerwiegenden Sicherheitsvorfall« eingegangen sei.

Aus den eingereichten Dokumenten geht hervor, dass es bereits Wochen vor dem 7. Oktober Bedenken gab, die offenbar ignoriert wurden. Ein Antrag für die Erlaubnis für eine Party mit dem Titel »Unity«, die am 5. Oktober auf demselben Gelände stattfand, wurde demnach im Juli genehmigt. Im letzten Moment folgte ein weiterer Antrag für die Erlaubnis, das Nova-Festival durchzuführen, das am 6. Oktober begann.

Trotz von Sicherheitsbeamten geäußerten Bedenken wurden beide Anträge abgesegnet. Die Verantwortlichen sahen ein »unnötiges Sicherheitsrisiko«, aufgrund des Ortes der Veranstaltung - in Sichtweite des Gaza-Streifens. Auch das Simchat Torah-Fest war ein Faktor, der den Sicherheitsleuten Sorgen bereitete. Viele Soldaten befanden sich nicht im Dienst, da sie die Feiertage mit ihren Familien verbringen wollten.

Einschätzung der Lage

Auch wurde in der Nacht zum 7. Oktober - nur Stunden vor dem Angriff der Hamas - eine »situationsbedingte Einschätzung« der Situation durch die IDF vorgenommen, da ein »ungewöhnlicher Vorfall« an der Grenze zum Gaza-Streifen gemeldet worden war. Anstatt das Festival zu beenden, beschlossen die für die Sicherheit verantwortlichen IDF-Vertreter demnach, am frühen Morgen eine weitere Einschätzung vorzunehmen. Die Streitkräfte befürchteten offenbar Spannungen oder Kämpfe an der Grenze.

Auch andere Stellen waren alarmiert: Der Schin Bet-Geheimdienst schickte der Klageschrift zufolge am frühen Morgen des 7. Oktober ein Team zur Grenze. Dies geschah in Kooperation mit der Anti-Terror-Einheit der israelischen Grenzpolizei. Die Kläger gehen auch deshalb davon aus, dass ein Eindringen von palästinensischen Terroristen nach Israel befürchtet wurde. Sie kritisieren, dass die Veranstalter des Festivals trotz allem nicht informiert wurden.

Am frühen Morgen des 7. Oktober waren arabische Terroristen auf dem Festivalgelände aufgetaucht - in Fahrzeugen und Kleinflugzeugen. Sie ermordeten 364 Festivalbesucher und nahmen 40 Menschen als Geiseln. Viele Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt und teilweise während dieser Verbrechen erschossen. Insgesamt waren 3500 Menschen vor Ort.

Das Desaster hätte leicht verhindert werden können, sagen die Kläger. Wann die Gerichtsverhandlung beginnt oder wie lange sie andauern wird, ist nicht bekannt.

Generell will Israel die Ereignisse des 7. Oktobers und die gemachten Fehler aufarbeiten, wenn der Krieg gegen die Terrororganisation Hamas beendet ist.

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« reagiert auf Rüge des Deutschen Presserats

19 Rügen verteilt der Presserat an die deutsche Medienlandschaft. Eine davon geht an die »Jüdische Allgemeine« - wegen angeblicher gravierender Ehrverletzung eines in Gaza getöteten Journalisten

 23.03.2026

Iran

Krieg ohne Ende?

Nach drei Wochen intensiver Kämpfe wird die Frage nach einer Exitstrategie lauter

von Sabine Brandes  23.03.2026

Krieg gegen Iran

Netanjahu frustriert über Aufstand-Versprechen des Mossad

Der Geheimdienst hatte Szenarien entwickelt, mit denen das Regime in Teheran gestürzt werden sollte. Doch der Erfolg ist bisher ausgeblieben

 23.03.2026

Luftfahrt

Flugverkehr in Israel: Drastische Einschränkung der Passagierzahlen

Kurz vor Pessach steigt üblicherweise die Nachfrage nach Flügen deutlich an. Die Sicherheitslage verhindert die meisten Pläne für internationale Reisen

 23.03.2026

Nahost

Iran weitet Angriffe aus: Luftalarm im Norden Israels

Die Lage im Überblick

 23.03.2026

Washington D.C./Jerusalem

Bericht: Trump erwägt Reise nach Israel zur Verleihung des Israel-Preises

»Ja, es sieht so aus« soll der amerikanische Präsident auf die Frage geantwortet haben, ob er tatsächlich anreisen werde

 23.03.2026

Jerusalem/Tel Aviv

Sa’ar kritisiert Seibert: »Besessenheit mit Juden, die in Judäa und Samaria leben«

Auslöser des Streits zwischen dem israelischen Außenminister und dem deutschen Botschafter in Israel ist ein Beitrag Seiberts auf der Plattform X

 23.03.2026

Krieg

Bibi im Iran - Wenn KI (fast) zur Realität wird

Im Schatten der Raketen und Drohnen werden digitale Schlachten um die Narrative geführt

von Sabine Brandes  22.03.2026

Krieg

Das sagt der Iran zum Trump-Ultimatum

Der US-Präsident hatte das Regime in Teheran aufgefordert, die Blockade der Straße von Hormus innerhalb von 48 Stunden zu beenden

 22.03.2026