Herr Rabinowitz, das neue Jahr hat begonnen. Viele Menschen haben gute Vorsätze und wollen mehr für die Gesundheit tun. Was kann Ihr »Wellness Research Lab« dazu beitragen?
Es geht dabei hauptsächlich um die drei Bereiche Trinken, Schlafen und Bewegung, über die wir aufklären wollen. Wir haben beispielsweise eine halbe Million Patientenakten ausgewertet und festgestellt, dass mehr als 40 Prozent der Erwachsenen in Israel nicht genug Flüssigkeit zu sich nehmen. Mit der Arbeit unseres Forschungslabors wollen wir kleine Änderungen in den Alltag integrieren, die oft große Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Ich persönlich trinke zwei Gläser Wasser vor dem ersten Kaffee.
Seit Langem ist immer wieder von der »magischen Schrittzahl« die Rede, die uns richtig fit machen soll. Kennen Sie diese?
7000 soll eine gute Zahl sein. Das hat die jüngste Forschung gezeigt. Doch vor allem muss man wissen, dass jeder zusätzliche Schritt unser Wohlbefinden weiter steigert. Es geht darum, wie man Laufen in den Tag integriert, damit es zur Routine wird. Denn das größte Problem ist doch oft das Durchhalten.
Wie kann man denn am gesunden Lebensstil dranbleiben?
Wir schlagen vor, den Weg zur Arbeit mit dem Laufen zu verbinden. Etwa, indem man eine Station später in die Straßenbahn einsteigt und eine früher wieder aus – und dabei die Zeit des Arbeitsweges nicht wesentlich verlängert. In den Apps für den öffentlichen Nahverkehr kann man aber nur eine möglichst geringe Schrittzahl eingeben. Wir wollen jedoch die maximale, ohne dabei mehr Zeit aufzuwenden. Also haben wir Anleitungen ausgearbeitet, um die Apps zu »hacken«.
Sind die gesundheitlichen Vorteile der Schritte wirklich so groß?
Absolut. Ein straffer 20-Minuten-Spaziergang pro Tag soll das Risiko eines frühen Todes um 25 Prozent verringern.
Wo kommt bei Ihrer Arbeit der Schlaf ins Spiel?
Während Bewegung in aller Munde ist, schlafen zu viele Menschen zu wenig. Ausreichender Schlaf wird oft nicht als bedeutend angesehen. Doch das ist ein Irrglaube. Schlaf ist eine der Säulen unserer Gesundheit. Die Schlussfolgerung ist klar: Durch kleine Anpassungen in unserem Tagesablauf können wir riesengroße gesundheitliche Vorteile erzielen.
Und woher kommt Ihre Motivation, dabei zu helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden?
Ich komme aus den USA und habe vor 35 Jahren Alija gemacht. Die Israelis gesünder und stärker zu machen, ist mein ganz persönlicher Zionismus.
Mit dem Professor der Fakultät für Sozialarbeit der Bar-Ilan-Universität sprach Sabine Brandes.