Anschlag

Terror im Westjordanland

Anteilnahme: Hunderte Menschen nahmen an der Beerdigung der Israelin Kim Levengrond-Yehezkel aus Rosch Ha’Aijn teil. Foto: Flash 90

Zwei Israelis sind am Sonntag bei einem Terroranschlag im Westjordanland ermordet worden. Der mutmaßliche Täter, ein 23-jähriger Palästinenser, ist nach Angaben der Sicherheitskräfte noch auf der Flucht.

Der Mann wurde von Sicherheitskameras aufgenommen, als er bewaffnet durch das Gebäude lief. Die Tat ereignete sich im Industriepark Barkan, in dem sowohl die Ermordeten als auch der Terrorist angestellt waren.

Familie Die getötete Israelin Kim Levengrond-Yehezkel aus Rosch Ha’Aijn war Mutter eines 18 Monate alten Kleinkindes und arbeitete als Assistentin des Geschäftsführers bei der Alon-Gruppe, während sie Jura studierte. Der Mörder fesselte sie mit Plastikbändern und erschoss sie aus nächster Nähe. Genauso tötete er auch den 35-jährigen Ziv Hajbi, Vater von drei Kindern.

Der Barkan-Industriepark in der Nähe der jüdischen Siedlung Ariel gilt als gelebte Koexistenz im Westjordanland. Von den etwa 8000 Beschäftigten sind rund die Hälfte Juden und die andere Hälfte Palästinenser. Angestellte äußerten nach den Morden in den Medien, dass dieser Anschlag »die einzigartige Atmosphäre der Verständigung zunichtemachen kann«.

Ähnlich drückte sich auch Präsident Reuven Rivlin aus: »Ich bin schockiert und traurig über diesen schrecklichen Terroranschlag. Unsere Herzen sind mit den Familien der Opfer. Dies war nicht nur eine Attacke auf Menschen, die ihren Alltag leben, sondern eine Attacke auf die Möglichkeit, dass Israelis und Palästinenser friedlich zusammenleben. Ich rufe die Palästinensische Autonomiebehörde auf, diesen Anschlag zu verurteilen.«

beerdigung »Der Himmel ist über uns zusammengebrochen«, beklagte die Tante der 29-jährigen Levengrond-Yehezkel, nachdem sie von dem Attentat gehört hatte. »Sie war so süß und liebenswert. Es ergibt keinen Sinn, dass Väter und Mütter ihre Kinder beerdigen müssen.« Noch am selben Tag strömten Familienangehörige und Freunde in ihr Elternhaus, um ihr Beileid auszudrücken. Am späten Abend des Sonntags ist die junge Frau in ihrer Heimatstadt beigesetzt worden. Hunderte Menschen nahmen an der Beerdigung teil.

Der Verdächtige Aschraf Naloach war ebenfalls bei der Alon-Gruppe als Elektriker angestellt. Er sei in den vergangenen Tagen nicht mehr zur Arbeit erschienen, hieß es. Am Sonntag jedoch kam er nach Angaben des Armeesprechers Jonathan Conricus morgens in der Fabrik an, ausgerüstet mit einer Maschinenpistole, die in der Region hergestellt worden war, fesselte und erschoss die beiden Opfer und verletzte ein drittes mittelschwer durch einen Bauchschuss.

Andere Angestellte wurden Zeuge der Tat und der Flucht des Täters. Die Armee geht davon aus, dass der Mann noch immer gefährlich ist, unter anderem, weil er noch bewaffnet sein soll. Naloach war nach Geheimdienstangaben kein Mitglied einer Terrororganisation und hat wahrscheinlich als Einzeltäter, als sogenannter »Lone Wolf«, gehandelt. Er soll einem Mitarbeiter eine Botschaft übermittelt haben, indem er seine Absicht, Selbstmord zu begehen, beschrieb und den früheren Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat lobte.

Nachahmer Armee, Geheimdienst sowie Spezialeinheiten der Polizei haben die Suche nach dem Täter aufgenommen und bereits das Haus des vermeintlichen Täters durchsucht und zum Abriss bestimmt. Außerdem sollen durch eine verstärkte Präsenz der Armee in dem Gebiet Attacken von Nachahmern verhindert werden. Derzeit werden Familienangehörige verhört. Premierminister Benjamin Netanjahu versicherte der Bevölkerung: »Wir werden den verabscheuungswürdigen Mörder finden. Und zwar bald.«

In der kommenden Woche hätte Ziv Hajbi seinen 36. Geburtstag gefeiert. Beide Familien haben sich dazu bereit erklärt, die Organe der Verstorbenen zu spenden.

Die israelische Armee sorgt sich nun darum, wie eine weitere Eskalation verhindert werden kann. Denn seit Monaten bereits versucht die Hamas, die Palästinenser im Westjordanland mit in die Gewalt hineinzuziehen, die immer wieder entlang der Grenze des Gazastreifens auf Palästinensergebiet ausbricht. Bislang mit wenig Erfolg. Das sei vor allem der Sicherheitskooperation zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde zu verdanken, betonen die Militärs.

Arbeitserlaubnisse Allerdings befürchtet die Armee, dass eine kollektive Bestrafung der Palästinenser in der betreffenden Region im Westjordanland, etwa der Entzug von Arbeitserlaubnissen oder eine Abriegelung entsprechender Gebiete durch die Regierung, die erfolgreiche Deeskalationsstrategie zunichtemachen könnte.

Am vergangenen Wochenende waren die Demonstrationen am Grenzzaun zwischen Gaza und Israel wieder eskaliert. Tausende Palästinenser suchten bewaffnet den Grenzzaun auf und drohten, die Grenze zu durchbrechen. Die Armee reagierte mit Tränengas und scharfer Munition.

Das Gesundheitsministerium in Gaza erklärte, durch israelische Schüsse seien drei Menschen auf palästinensischer Seite getötet worden, darunter ein zwölfjähriger Junge.

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