Tod von drei Soldaten

Systematische Fehler an Grenze zu Ägypten

Familie und Freunde bei der Beerdigung von Ohad Dahan. Foto: Flash 90

Die israelische Armee hat die Ergebnisse ihrer internen Untersuchung in den Vorfall vom 3. Juni präsentiert, bei dem eine Soldatin und zwei Soldaten getötet worden waren. Lia Ben-Nun, Uri Itzhak Ilouz und Ohad Dahan hatten die Grenze zu Ägypten bewacht, als sie von einem abtrünnigen ägyptischen Polizisten erschossen wurden.

TRAGÖDIE Stabschef Herzl Halevi und der Kommandeur der südlichen Einheiten der Streitkräfte (IDF, Israel Defense Forces), Eliezer Toledano, fassten die Ergebnisse zusammen. Die vom Südkommando durchgeführten Untersuchungen brachten demnach eine Reihe schwerwiegender Fehltritte zutage, die in der Tragödie endeten. Dabei habe es sich nicht um einen einzigen Fehler oder Pech seitens der Soldaten gehandelt, sondern um systematische Versäumnisse bei der Verteidigung einer langen und relativ ruhigen Grenze.

Drei hochrangige Kommandeure wurden mit Rügen und Versetzungen bestraft. Ihre Beförderungswege sind nun für fünf Jahre eingefroren.

Halevi lobte zugleich die in den Bataillonen dienenden Soldatinnen und Soldaten. Die Kampftruppen haben etwa 7000 weibliche Mitglieder. Ohne sie wären die IDF nicht in der Lage, alle Aufgaben zu erfüllen, führte Halevi aus.

»Die Lücke im Grenzzaun und die Tatsache, dass sie vor fast allen unteren Ebenen der IDF geheim gehalten wurde, war ein konzeptioneller Fehler.«

lEITER IDF-Südkommando Eliezer Toledano

Die beiden zentralen Fehler, die laut der Untersuchung zum Tod der Soldaten geführt hätten, sei erstens ein Durchgang im Sicherheitszaun zwischen Israel und Ägypten gewesen – und zweitens eine mangelhafte Vorbereitung der entsprechenden IDF-Einheiten auf Terrorsituationen im Vergleich zu kriminellen Schmuggelsituationen, die häufiger vorkommen.

GRENZZAUN Die Lücke im Grenzzaun werde für besondere Gegebenheiten im Grenzverkehr genutzt, die geheim seien, so der Bericht. Da »die sehr kleine Lücke für das bloße Auge verborgen war«, sei man davon ausgegangen, dass der Übergang sicher sei. Die Wache haltenden Soldaten hätten nichts davon gewusst. Toledano gab allerdings zu, dass diese Lücke und die Tatsache, dass sie vor fast allen unteren Ebenen der IDF geheim gehalten wurde, ein erheblicher konzeptioneller Fehler war.

Vermutungen gehen davon aus, dass der ägyptische Polizist im Laufe seiner Patrouillen herausgefunden hatte, dass es eine Lücke gab, obwohl die Grenzpolizei Ägyptens eigentlich nichts davon gewusst haben sollte. Der Durchgang werde jetzt verschlossen, so die IDF.

Außerdem seien die zwölf-Stunden-Schichten, die die Grenzschutzsoldaten über mehrere Monate hinweg geleistet hätten, zu lang. Sie könnten ihre Einsatzbereitschaft beeinträchtigen. Zudem sei es eigentlich verboten, nur zwei Soldaten für Wachen einzuteilen, wie bei Ben-Nun und Ilouz geschehen. Es sollen ab sofort immer vier Soldaten abgestellt werden, sodass jeder Posten eine 360-Grad-Abdeckung hat.

Dahan hatte keinen Helm getragen – und wurde durch eine Kugel in den Kopf getötet.

»Dennoch ist es die korrekte Strategie, dass die Aufteilung der Kräfte in relativ kleine Einheiten entlang der Grenze passierte«, erläuterte Toledano. Das sei nötig, um das riesige Gebiet abzudecken, das sich über mehrere Dutzend Kilometer erstrecke.

VERMUTUNGEN Ohad Dahan wurde Stunden später bei einem Feuergefecht mit dem ägyptischen Terroristen getötet, bei dem auch ein weiterer Soldat verletzt wurde. Dahan hatte keinen Helm getragen – und wurde durch eine Kugel in den Kopf getötet. Darüber hinaus habe es mehrere Fälle gegeben, in denen Soldaten Schüsse gehört hatten oder Vermutungen äußerten, dass etwas nicht stimme. Dem sei jedoch nicht nachgegangen worden.

Der Chef des Südkommandos erklärte, dass der Nachbar Ägypten »sehr beschämt« über den Grenzpolizisten sei, der sich als Terrorist entpuppte, und hob hervor: »Die Beziehung zu Ägypten ist von strategischer Bedeutung, und wir schätzen die regelmäßige Zusammenarbeit.«

USA-Besuch

Netanjahu reist zu Gesprächen mit Trump nach Washington – Abflug verzögert sich

Der israelische Regierungschef soll gegenüber seinen Ministern erklärt haben, die US-Regierung wolle einen Abzug Israels Truppen aus dem Libanon, Syrien und Gaza. »Ich werde Nein sagen«, so der Ministerpräsident

 27.07.2026

Aufruf

Zwei Moscheen im Westjordanland angezündet – Siedler sprühen Parolen auf Moschee

In der Westbank ist es zu einer Serie mutmaßlicher Angriffe radikaler Siedler gekommen. Unterdessen forderten zahlreiche frühere Vertreter von Armee und Geheimdiensten Trump auf, gegenüber Netanjahu das Thema anzusprechen

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  26.07.2026

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

Tel Aviv

Deutschlands neuer Botschafter in Israel stellt sich auf Instagram vor

Alexander Graf Lambsdorff übernimmt die deutsche Vertretung in Israel. In einer Videobotschaft betont der frühere Moskau-Botschafter die enge Zusammenarbeit beider Nationen

 24.07.2026

Wissenschaft

Israelische Forscher entdecken einzigartiges Immunsystem bei Seeanemonen

Die beteiligten Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse langfristig zum Schutz von Korallenriffen beitragen könnten

 24.07.2026

Jerusalem

Likud-Abgeordneter verärgert Netanjahu mit behauptetem Angriff auf Iran

Das Likud-Mitglied Moshe Saada sagte in einem Interview: »Jeder weiß, dass wir kurz vor einem Angriff auf den Iran stehen – vielleicht sogar schon an diesem Wochenende.«

 24.07.2026

Meinung

Wenn der »Spiegel« mit der Hamas kuschelt

Die Hamas verkündet, einen Nachfolger für Yahya Sinwar gefunden zu haben. Für das große deutsche Nachrichtenmagazin Grund, eine Runde Sympathie und Mitgefühl zu spendieren

von Sophie Albers Ben Chamo  23.07.2026