Nahost

Syrische Drusen wollen Annexion durch Israel

Die Grenze zwischen Israel und Syrien Foto: Flash90

Die Ungewissheit wiegt schwer. In Syrien ist nach dem Zusammenbruch des Regimes des ehemaligen syrischen Präsidenten Bashar al-Assad vieles in Aufruhr, und niemand weiß, was die Zukunft bringen mag. Vor allem sorgen sich Minderheiten in dem nahöstlichen Land, dass die islamistischen Rebellen ihnen nicht wohlgesonnen sein könnten. So auch die Drusen, die im syrischen Teil der Golanhöhen leben. Einige von ihnen fordern jetzt, von Israel annektiert zu werden.

In dem Dorf Hader im Süden Syriens nahe der Grenze zu Israel debattierten am Wochenende Dorfälteste über ihre Zukunft. »Was ist unser Schicksal?«, fragte ein Sprecher in einem Video, das in den sozialen Medien viral ging. Die Menge antwortete: »Israel.«

Lesen Sie auch

Weiter sagte er vor Dutzenden Menschen: »Im Namen des gesamten Volkes von Hader, wenn jemand Einwände hat, soll er es jetzt vorbringen…« Dann fuhr er fort: »Wenn wir wählen müssen, wählen wir das kleinere Übel – die Annexion der Golanhöhen!« Er erläuterte, dass Israel für sie »das kleinere Übel« sei, und warnte, dass »das andere Übel, das auf uns zukommt«, also die islamistischen Rebellen, »unsere Frauen, unsere Töchter, unsere Häuser nehmen« würde.

Der Dorfälteste hatte nichts dagegen, gefilmt zu werden

Dann bat er darum, »an Israel angegliedert zu werden«. Es mache ihm nichts aus, wenn jemand Fotos mache oder filmt, machte er klar. »Wir möchten darum bitten, uns unseren Verwandten auf dem Golan anzuschließen, um frei von Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu sein«, worauf die Anwesenden auf der Versammlung riefen: »Wir sind einverstanden, wir sind einverstanden!«

Als Israel und Syrien 1974 einem Waffenstillstand und der Schaffung einer »Pufferzone« zwischen den beiden Ländern zustimmten, fanden sich viele drusische Familien zwischen zwei verfeindeten Ländern aufgeteilt wieder – einige Mitglieder lebten plötzlich auf israelischer Seite der Grenze, andere auf der syrischen.

»Wir mischen uns nicht in die Geschehnisse in Syrien ein und haben auch nicht die Absicht, das Land zu regieren.«

Obwohl sich der drusische Glaube aus dem Ismailismus, einem Zweig des schiitischen Islams, entwickelt hat, identifizieren sich die Drusen nicht als Muslime. Ihre Religion wird größtenteils geheim gehalten. Sie bewahren die arabische Sprache und Kultur als integralen Bestandteil ihrer Identität.

Lesen Sie auch

Die drusischen Gemeinden auf den israelischen Golanhöhen unterscheiden sich von denen in Galiläa. Während letztere vollständig loyal zum israelischen Staat sind, Pflichtdienst in der IDF absolvieren und sich als »Brüder der Juden« bezeichnen, sind die Drusen auf dem Golan oft zwiegespalten, auch weil sie zum Teil noch Angehörige auf syrischer Seite haben. Allerdings beantragen auch sie zunehmend die israelische Staatsbürgerschaft.

Es ist Tradition bei den Drusen, sich loyal gegenüber der Regierung des Landes, in dem sie leben, zu verhalten. So hatten sich viele Drusen in Syrien bis zuletzt für das Assad-Regime ausgesprochen. Dafür, sorgen sich viele, könnten die Rebellen sie nun bestrafen.

IDF-Offiziere trafen sich mit syrischen Dorfbewohnern

Israelische Medien berichteten am Wochenbeginn, dass sich IDF-Offiziere offen mit Dorfältesten in Quneitra getroffen hätten, um ihnen zu versichern, dass sie von der israelischen Armee, die sich derzeit in der Pufferzone aufhält, nichts zu befürchten hätten und ihren Alltag weiterleben können. Quneitra ist ein Bezirk, der teilweise innerhalb der Pufferzone zwischen Israel und Syrien liegt.

Der Anführer der syrischen Rebellen, Ahmad al-Sharaa, auch bekannt als Abu Mohammed al-Jolani, wandte sich am Samstag zum ersten Mal an Israel und sprach sich gegen israelisches Engagement in Syrien aus. »Syrien braucht Gesetze und staatliche Institutionen. Wir haben einen Plan, um mit allen Krisen umzugehen. Wir werden keinen Konflikt mit Israel beginnen.«

Der Stabschef der IDF, Herzi Halevi, wies Vorwürfe zurück, Israel würde sich einmischen, und betonte: »Wir mischen uns nicht in die Geschehnisse in Syrien ein und haben auch nicht die Absicht, das Land zu regieren. Die Sicherheit der israelischen Bürger, die in den Gemeinden auf den Golanhöhen leben, ist uns jedoch in jedem Fall wichtig.«

Jerusalem

Merz: Deutschland wird immer an der Seite Israels stehen

Der Bundeskanzler bekräftigt bei seinem Israel-Besuch die enge Partnerschaft - und hofft auf konkrete Fortschritte bei Trumps Gaza-Plan

von Sara Lemel  06.12.2025

Diplomatie

»Dem Terror der Hamas endgültig die Grundlage entziehen«

Es ist eine seiner bisher wichtigsten Auslandsreisen, aber auch eine der schwierigsten. Kanzler Merz ist für zwei Tage im Nahen Osten unterwegs

 06.12.2025

Jerusalem

Merz trifft Netanjahu und besucht Holocaust-Gedenkstätte

Es ist einer der wichtigsten Antrittsbesuche von Kanzler Merz - aber auch einer der schwierigsten. In den Beziehungen zu Israel gab es in den letzten Monaten einige Turbulenzen

von Michael Fischer  06.12.2025

Akaba/Jerusalem

Merz zu Nahost-Reise aufgebrochen: Antrittsbesuch in Israel 

Das Renten-Drama ist überstanden, jetzt geht es für den Kanzler erstmal ins Ausland. Heute und morgen steht ein besonderer Antrittsbesuch auf seinem Programm

 06.12.2025

Israel

Drei Brüder werden an einem Tag Väter - von vier Kindern

Zwillinge inklusive: Drei Brüder und ihre Partnerinnen schenken den Großeltern an einem Tag vier Enkel. Wie es zu diesem seltenen Familienglück kam

von Sara Lemel  05.12.2025

Barcelona

Guinness World Records blockiert Bewerbungen aus Israel

Die israelische NGO Matnat Chaim will im kommenden Monat 2000 Nierenspender zusammenbringen. Dieser Rekord wird nicht registriert, da er im jüdischen Staat umgesetzt werden soll

 05.12.2025

Gaza

Wie die Hamas Hilfsorganisationen gefügig machte

Einer Auswertung von »NGO Monitor« zufolge konnten ausländische Organisationen in Gaza nur Hilsprojekte durchführen, wenn sie sich der Kontrolle durch die Hamas unterwarfen

von Michael Thaidigsmann  05.12.2025

Jerusalem

Netanjahu bezeichnet Korruptionsprozess als »politisch«

»Sie sind nicht an Gerechtigkeit interessiert, sie sind daran interessiert, mich aus dem Amt zu drängen«, so der Ministerpräsident

 05.12.2025

Luftfahrt

EasyJet plant Rückkehr nach Israel

Im Frühling geht es mit zunächst drei Verbindungen zwischen europäischen Städten und dem Ben-Gurion-Flughafen los

 05.12.2025