Gaza

Süden in Flammen

Israelische Feuerwehrleute versuchen, einen Brand auf einem Feld in der Nähe des Gazastreifens zu löschen. Foto: Flash 90

Palästinensische Demonstranten in Gaza schicken Drachen über die Grenze nach Israel. Zunächst mag diese Nachricht nach einem Kinderstreich geklungen haben, nachdem nun fast alle anderen Angriffsmöglichkeiten auf Israel ausgeschöpft sind: Gegen die Tunnel der Hamas und anderer terroristischer Organisationen im Gazastreifen baut Israel derzeit eine Hightech-Mauer, die mehrere Meter unter die Erde reicht, gegen Taucher der Hamas entsteht eine Meeresbarriere, und dem Abfangschirm »Iron Dome« gelingt es mittlerweile, sogar Mörsergranaten auf dem Weg zu den Kibbuzim und Moschawim nahe der Grenze abzufangen. Jetzt also der Einsatz von Kinderspielzeugen.

Schaden Doch längst ist klar, dass es sich bei diesen Terror-Drachen, die mit Molotowcocktails und brennenden Benzindosen ausgestattet sind, um ernst zu nehmende Waffen handelt. Längst ist klar, dass sie eine Bedrohung für Natur und Landwirtschaft, für Tiere und auch für die Menschen an der Grenze zum Gazastreifen sind: Berichten zufolge haben militante Palästinenser mit ihren Drachen in den vergangenen zwei Monaten, seit dem Ausbruch der »Marsch der Rückkehr«-Proteste, 200 bis 300 Brände ausgelöst.

500 Hektar Getreidefelder wurden dabei zerstört, das entspricht rund 700 Fußballfeldern – und einem Schaden von umgerechnet mehr als 1,2 Millionen Euro. Auch Hunderte Hektar von Park- und Naturreservaten sowie KKL-Wälder sind Berichten zufolge abgebrannt.

Für Dienstag hatte die Hamas zunächst zu Massenprotesten aufgerufen, am sogenannten Naksa-Tag, an dem an die Niederlage der arabischen Kämpfer im Sechstagekrieg 1967 erinnert werden sollte. Die Massenproteste wurden nun auf Freitag verschoben – dennoch lösten die Drachen bereits am Dienstag zahlreiche Brände rund um die Kibbuzim und Moschawim im Süden aus: nahe Ein Haschloscha, Kissufim und Nirim sowie nahe Netiv HaAsara und NirAm. Ein Feuer kam dem Sapir College in Sderot kurzzeitig gefährlich nahe, eine Straße musste deshalb gesperrt werden.

Gericht Neben der Feuerwehr und der Armee kämpfen auch Teams des Jüdischen Nationalfonds KKL, die mit Löschfahrzeugen, Ingenieuren und Sicherheitskoordi­natoren im Einsatz sind. Der KKL, der bereits von »Umweltterror« spricht, will nun die Hamas vor Gericht bringen, und auch die Landwirte in der Region haben bereits Pläne, die Hamas für die Brände beim Internationalen Strafgerichtshof anzuklagen. Premierminister Netanjahu hat Berichten zufolge angekündigt, Gelder, die für die Palästinensische Autonomiebehörde bestimmt sind, nicht zu zahlen und dafür die betroffenen Landwirte zu entschädigen.

Präsident Reuven Rivlin rief Palästinenserpräsident Mahmud Abbas dazu auf, diese Angriffe aus der Luft zu verurteilen. »Der Terror aus Gaza ist ein Problem für beide Seiten, und wir sollten Ihre Stimme zu dieser Angelegenheit hören«, so Rivlin.

Unterdessen versucht Israels Armee, die Schäden zu begrenzen. Der Sicherheitsexperte Kobi Michael vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv erklärt, die Armee setze mittlerweile auch speziell programmierte Drohnen ein, die die Drachen bereits in der Luft abfangen. Doch Michael, einst stellvertretender Generaldirektor des Ministeriums für Strategische Angelegenheiten, ist sicher, dass es zukünftig eines besseren Abwehrsystems bedarf. »Sie fordern uns heraus, und wir reagieren mit der Entwicklung hochtechnologischer Lösungen, die später auch anderweitig eingesetzt werden können.«

Grenze Die Tageszeitung Haaretz berichtete am Montag, die Armee werde wohl nicht mehr lange Zurückhaltung üben können und würde die Brände eventuell schon bald vergelten. Am Montag zeigte Brigadegeneral Yossi Bachar hochrangigen Vertretern des US-Militärs bei einer Tour entlang des Gazastreifens die abgebrannten Felder – was als mögliche Vorbereitung für einen Gegenschlag verstanden werden könnte.

Auch Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, bekannt für knackige Ansagen, die so nicht immer in die Tat umgesetzt werden, kündigte bei einer Fraktionssitzung seiner Partei Israel Beiteinu Vergeltungsschläge an: »Wir werden Rechnungen begleichen mit der Hamas, dem Islamischen Dschihad und den restlichen Terroristen im Gazastreifen, die gegen uns agieren.« Der Minister für Innere Sicherheit, Gilad Erdan, plädiert für die gezielte Tötung jener, die die Drachen losfliegen lassen, sowie von Hamas-Kommandeuren.

Nun bereitet sich die Armee auf die für Freitag angekündigten Massenproteste vor, die die Palästinenser als »Marsch der Millionen für Jerusalem« bezeichnen. Weiterhin will die Armee Scharfschützen einsetzten, die Grenzdurchbrüche verhindern sollen. Bislang wurden bei den Protesten mehr als 120 Menschen getötet, darunter zahlreiche Hamas-Mitglieder, aber auch eine Sanitäterin.

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