Israel

Stühlerücken im Kabinett

Regierungschef Benjamin Netanjahu (M.) mit Mosche Yaalon (l.) und Avigdor Lieberman Foto: Flash 90

Der israelische Verteidigungsminister Mosche Yaalon ist am Freitagmorgen aus mangelndem Vertrauen in den Premierminister von seinem Amt zurückgetreten. Das twitterte der Politiker. Außerdem wolle er eine Auszeit vom politischen Leben nehmen.

Am Mittag gab Yaalon eine Pressekonferenz, auf der er sagte: »Ich habe schwierige politische Diskussionen mit dem Premierminister über grundsätzliche Werte geführt.« Der Likud sei nicht mehr die Partei, der er einst beigetreten war. »Ich habe mit all meiner Kraft gegen die Phänomene des Extremismus, der Gewalt und des Rassismus in der israelischen Gesellschaft, die unsere Macht bedrohen und bereits die IDF durchzogen haben, gekämpft.«

Am Sonntag wird Mosche Yaalon offiziell aus seinem Amt verabschiedet werden.

Lieberman Im Gegenzug für den erwarteten Eintritt des Rechtsaußen-Politikers Avigdor Lieberman als neuer Verteidigungsminister ins israelische Kabinett wollte Regierungschef Benjamin Netanjahu den bisherigen Amtsinhaber Mosche Yaalon offenbar mit dem Posten des Außenministers »entschädigen«. Yaalon aber kam ihm mit seinem Rücktritt nun zuvor.

Wie das Netanjahu-nahe Blatt »Israel Hayom« berichtete, wollten sich der Regierungschef und Yaalon deswegen am Donnerstag treffen. Die »Times of Israel« meldete, dass es für diesen Bericht aber bisher keine Bestätigung vonseiten des Büros des Regierungschefs gab.

koalition Avigdor Lieberman will mit seiner sechsköpfigen Fraktion Israel Beiteinu ins israelische Kabinett eintreten. Damit würde er Netanjahu, dessen Koalition aus überwiegend rechtsgerichteten und religiösen Parteien sich bisher nur auf 61 von insgesamt 120 Knessetabgeordnete stützt, eine Mehrheit von 67 Parlamentariern, also eine breitere Handlungsgrundlage, verschaffen. Die israelische Arbeitspartei von Isaac Herzog, von deren möglichem Einzug ins Kabinett bis zuletzt die Rede war, schließt sich Netanjahus Regierung dagegen nicht an.

Der bisherige Verteidigungsminister und ehemalige Generalstabschef Yaalon genießt in der israelischen Öffentlichkeit als Sicherheitsexperte hohes Ansehen. Lieberman hingegen, der in seiner moldawischen Heimatstadt Kischinew als Türsteher arbeitete und es in Netanjahus Likud-Partei zum Generaldirektor brachte, bevor er seine eigene Partei Israel Beiteinu gründete, gilt als politischer Hardliner.

absetzung Laut »Times of Israel« bezeichnete Meir Ramon, ein enger Freund Yaalons, dessen Absetzung durch Netanjahu als »Mega-Terrorattacke«. Der Likud-Abgeordnete Benny Begin nannte den Schritt laut einem Rundfunkbericht »wahnsinnig«. Mit Lieberman als Verteidigungsminister stünden die Chancen auf eine friedliche Lösung des Konflikts mit den Palästinensern schlechter als zuvor. Die israelische Tageszeitung Haaretz sprach in einer Überschrift ihrer englischsprachigen Online-Ausgabe von einem »Putsch«.

Yaalon selbst sagte laut Medienberichten vom Donnerstag, er sei nicht überrascht von dem Schritt Netanjahus. »Haaretz« meldete, Yaalon habe jedoch den »Verlust des moralischen Kompasses in grundlegenden Fragen« innerhalb der israelischen Gesellschaft kritisiert. »Wir müssen das Land entsprechend unserem Gewissen steuern, und nicht danach, woher gerade der Wind weht«, sagte der Politiker laut dem Bericht bei einem Seminar einer israelischen Jugendbewegung in Tel Aviv.

Social Media

Mit dem Direktflug von Teheran nach Tel Aviv

Mit einem KI-erstellten Video träumt die Metropole am Mittelmeer von einem friedlichen Morgen für Israelis und Iraner

von Sabine Brandes  26.03.2026

Krieg

Israel schickt weitere Soldaten in den Libanon

Israels Armee geht eigenen Angaben zufolge auch am Boden gegen die libanesische Terror-Miliz im Süden des Nachbarlandes vor. Nun sendet das Militär Verstärkung

 26.03.2026

Israel

Die Kosten des Krieges

Von Toten und Verletzten über Lohnausfall bis zum Konsum: Der Waffengang gegen den Iran ist in allen Lebensbereichen spürbar

von Sabine Brandes  26.03.2026

Nahost

Wie geht der Krieg gegen den Iran weiter?

US-Präsident Donald Trump droht dem Regime mit weiteren Angriffen. Teheran soll derweil seine Antwort auf den 15-Punkte-Plan übermittelt haben

 26.03.2026

Iran-Krieg

Israel meldet Tötung von IRGC-Marineführung

Die Tötung von Admiral Ali Reza Tangsiri stellt laut IDF »einen bedeutenden Schlag gegen die Führungsstrukturen der IRGC und ihre Fähigkeit dar, Terroraktivitäten im maritimen Bereich zu orchestrieren«

 26.03.2026

Interview

»Das Land braucht Veränderung«

Jenny Havemann und Susanne Glass haben gemeinsam ein Buch geschrieben. Im Gespräch erzählen sie über »ihr« Israel, das es nicht mehr gibt, Freundschaft und die Möglichkeit eines Neubeginns

 26.03.2026

Sicherheit

Wegen des Krieges: Israel schließt Parks und Strände vor Pessach

Während der Feiertage zieht es für gewöhnlich Millionen Israelis in die Natur und an die Küste

 26.03.2026

Jerusalem

Herzog wirft Europa Unentschlossenheit im Umgang mit Iran vor

»Was seid ihr so naiv?«, fragt der israelische Präsident europäische Regierungen. »Lest ihre Schriften, lest ihre Ideologie, und versteht: Ihr seid die Nächsten.«

 26.03.2026

Nahost

Israel stoppt UNO-Hilfslieferung mit Schmuggelware für Gaza

Waren, die der Terrororganisation Hamas helfen könnten, dürfen weiterhin nicht in den Gazastreifen gebracht werden

 26.03.2026