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Streit um Konversionen

Will die religiösen Belange des Staates reformieren: Minister Matan Kahana Foto: Flash 90

»Mobben Sie einen anderen!« Matan Kahana weiß, wie man mit Rüpeln umgeht. Dabei braucht der israelische Minister für religiöse Angelegenheiten von der Rechtspartei Jamina nicht einmal seine Stimme zu erheben. Als ehemaliger Pilot von F-16-Kampfjets und Mitglied der Kommando-Eliteeinheit der Armee, Sayeret Matkal, kennt er sich mit brenzligen Situationen aus. Für sein Vorhaben, die religiösen Belange des Staates zu reformieren, könnte der politische Gegenwind kaum heftiger wüten. Doch Kahana scheint standhaft zu bleiben.

Er selbst ist orthodoxer Jude. Aufgrund von Morddrohungen, die er wegen seiner Reformpläne erhält, ist ihm zusätzlicher Personenschutz zugeteilt worden. Einschüchterung funktioniert bei ihm nicht – schon gar nicht die durch politische Kontrahenten.

An diesem Mittwoch stellte Kahana seinen Reformplan für die Konversion zum Judentum in Israel vor und nannte ihn »eine historische Gelegenheit, die wir nicht verpassen dürfen«. In Israel, sagte der Minister, lebten 450.000 Menschen mit jüdischen Vorfahren, die laut der Halacha nicht als jüdisch betrachtet würden – die meisten von ihnen Einwanderer aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Der von ihm vorgestellte Entwurf für ein Konversionsgesetz sei »die einzige Möglichkeit, mit dieser Herausforderung umzugehen«.

ernennung Als Mosche Gafni, Vorsitzender der charedischen Partei Vereinigtes Tora-Judentum, einige Tage zuvor die Ernennung von Rabbiner Benayahu Brunner zum neuen Leiter der Behörde für Konversionen als »Platzierung eines Götzen im Tempel« bezeichnete, antwortete Kahana auf Twitter: »Guten Morgen, Abgeordneter Gafni. Hier sind Neuigkeiten: Wir haben aufgehört, für Sie zu arbeiten. Suchen Sie nach anderen Kindern, die Sie schikanieren können. Rabbi Brunner ist ein Dajan und ein wichtiger Toragelehrter.«

Und weiter: »Ich habe die Empfehlungen für seine Ernennung von den größten Rabbinern des religiösen Zionismus erhalten, darunter Rabbi (Chaim) Druckman und Rabbi (Yaaqov) Medan. Sie sind die letzte Person, von der ich eine Einverständniserklärung brauche.«

Er habe keinerlei Absicht, seine Entscheidung zur Einsetzung Brunners rückgängig zu machen, ließ er wissen. Brunner ist mit der Organisation Tzohar verbunden, einer Gruppe liberalerer orthodoxer Rabbiner, was bei vielen Charedim für großen Unmut sorgt.

Alternativen Tzohar ist eine religiös-zionistische Organisation, die die Kluft zwischen säkularen und religiösen Israelis überbrücken will, indem sie Alternativen zum Oberrabbinat in Angelegenheiten wie Eheschließung, Gottesdienste und Kaschrut anbietet.

Konvertiten zum Judentum, deren Übertritt vom Oberrabbinat nicht anerkannt wird, können in Israel beispielsweise nicht heiraten, da das Oberrabbinat die Eheschließung kontrolliert. Unter der Autorität von konservativen und Reform-Rabbinern erfolgte Übertritte werden seit langer Zeit nicht mehr anerkannt.

Die Ernennung Brunners erfolgte, nachdem Kahana dem bislang amtierenden Leiter der Konversionsbehörde, Moshe Veller, das Kündigungsschreiben auf den Tisch gelegt hatte. Veller ist ein enger Vertrauter des aschkenasischen Oberrabbiners David Lau.

Das neue Gesetz würde Konversionen außerhalb der Schirmherrschaft des Oberrabbinats zulassen.

Und der nahm diesen Schritt alles andere als positiv auf. Der Oberrabbiner informierte Premierminister Naftali Bennett darüber, dass er keine zukünftigen Konversionen zum Judentum genehmigen werde, solange die Regierung »den Plan zur Erleichterung des Prozesses und zur Verwässerung der Kontrolle des Oberrabbinats weiter vorantreibt«.

einwanderer Laus Genehmigung ist derzeit für alle Übertritte im Land erforderlich. Der Stopp des Prozesses wird sich vor allem auf zwei Bevölkerungsgruppen auswirken: Einwanderer aus Äthiopien und aus der ehemaligen Sowjetunion. Viele Mitglieder dieser beiden Gruppen fordern, dass die orthodoxe – und nicht ausschließlich die ultraorthodoxe – Konversion zum Judentum in Israel anerkannt wird.

Nach Laus Ankündigung riefen viele nach dessen Entlassung, so auch Finanzminister Avigdor Lieberman, der seit Jahren eine Reform wie die jetzt geplante fordert. Lau versuche, potenzielle Konvertiten zu »Geiseln des ultraorthodoxen Establishments zu machen, das die Kontrolle über das Oberrabbinat übernommen hat«, hieß es in einer Erklärung von Liebermans Partei Israel Beiteinu.

Kahana erklärte, dass ihn Laus Entscheidung »schmerze«, und warnte, dass dies Auswirkungen auf äthiopische Einwanderer, Soldaten, die einen Konversionsprozess durchlaufen, und Tausende anderer, die übertreten möchten, haben würde. Die Regierung plane Gesetze, »die darauf abzielen, einen möglichst breiten Konsens in der Konversionsfrage zu erreichen«. In einem Interview sagte der Minister, dass er sich in einem »fortlaufenden Dialog« mit Lau befinde.

beschützer Verteidiger des Oberrabbiners sehen diesen als eine Art »Beschützer des wahren Judentums«. So auch Gafni, der sagte, dass die entschlossene Haltung Laus »den Stammbaum des jüdischen Volkes schütze und eine Verletzung der Reinheit verhindere«.

Kahanas Gesetzesvorschlag würde Konversionen außerhalb der Schirmherrschaft des Oberrabbinats zulassen, wodurch Gemeinderabbiner ermächtigt würden, den Prozess zu überwachen. Brunner ist derzeit Leiter der Konversionsabteilung in den rabbinischen Gerichten von Safed und Haifa und gilt als bedeutender religiöser Richter auf dem Gebiet der Konversion. In einer Stellungnahme lobte Kahana Brunner für diese Expertise und seine Managementfähigkeiten.

»Ich freue mich, dass Rabbi Brunner meine Bitte angenommen hat, als kommissarischer Leiter des neuen Konversionssystems zu fungieren. Der Rabbi hat sich die meiste Zeit seines Lebens mit der Tora und der akademischen Forschung in allem beschäftigt, was mit dem Übertritt zum Judentum zu tun hat.«

Auch die Organisation Tzohar begrüßte die Ernennung mit den Worten: »Brunners große Expertise in diesem Bereich garantiert, dass Konvertiten in guten Händen sind.«

Avi Gil (in Uniform), links von Benjamin Netanjahu

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