Trauer

Söhne, Brüder, Väter

Sie waren Söhne, Brüder, beste Freunde, Cousins, Nachbarn, Enkel, Väter. Die 64 gefallenen Soldaten der israelischen Militäroperation »Protective Edge« wurden mitten aus dem Leben gerissen. Viele von ihnen waren nicht einmal 20 Jahre alt. Überall im Land sitzen ihre Angehörigen und Freunde Schiwa für sie. Und die ganze jüdische Nation trauert mit ihnen.

In nur einem Monat wäre er zum zweiten Mal Vater geworden. Doch das Schicksal erlaubte es nicht. Tsafrir Bar-Or war Offizier in der Golani-Einheit. Der 32-Jährige war Vater einer einjährigen Tochter und kurz davor, ein weiteres Baby zu bekommen. Seine Ehefrau Sivan ist im achten Monat schwanger. Einer seiner Freunde sagte bei der Schiwa, dass Tsafrir »die Armee liebte, alle Aufnahmetests mit fliegenden Fahnen bestanden hat und wirklich ein Teil davon sein wollte«. Sein Tod jedoch hinterlasse eine Lücke, die nie mehr gefüllt werden könne.

Kämpfer Ohad Schemesch hatte erst vor fünf Monaten geheiratet. Gemeinsam mit seiner Frau Hadar lebte er im Moschaw Beit Elazari an der Küste Israels. Der 27-Jährige war ein herausragender Soldat der Givati-Brigade, hatte sogar eine lobende Bemerkung von Israels ehemaligem Präsidenten Schimon Peres erhalten. Doch mehr als das: Schemesch – das hebräische Wort für Sonne – war außerdem Aktivist.

Nach dem schrecklichen Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 trat er einer Hilfsorganisation bei und machte sich auf den Weg, den Menschen dort zu helfen. Für seine gemeinnützigen Tätigkeiten wurde er mit dem Ilan-Ramon-Preis ausgezeichnet. Sein bester Freund Eli Surin sagte auf der Beerdigung von Ohad, er wisse gar nicht, wo er anfangen solle: »Er half immer anderen und war ein echter Kämpfer.« Ohad sei auf die Welt gekommen, um Gutes zu tun. »Einmal hat er einen Hund adoptiert. Es war der hässlichste Vierbeiner, den man sich vorstellen kann. Aber Ohad war glücklich darüber, dass er ein Tier aufgenommen hat, das niemand sonst wollte. So war er.«

Dimitri Levitas war 26, als er starb. Er hinterlässt seine Eltern Marina und Alexander sowie zwei Geschwister. Levitas wuchs im Kibbuz Geschur in den Golanhöhen auf. Vor elf Jahren zog er mit seiner Familie nach Jerusalem, hielt jedoch stets engen Kontakt mit seinen Freunden aus dem Kibbuz. Vor Kurzem beendete er das Armee-College. »Er fühlte sich in der Armee wohl und hatte vor, Berufssoldat zu werden«, erzählt ein Bekannter über ihn. Außerdem liebte er die Natur. Vor wenigen Monaten mietete Levitas eine kleine Wohnung in Geschur – er wollte zurück zu den Wurzeln. Der junge Mann ist das erste Mitglied dieses Kibbuz, das in einem der Kriege Israels gefallen ist.

Lächeln Ganz Netivot war dabei, als Baynesain Ksahun zu Grabe getragen wurde. Der beliebte Mann habe immer ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt, beschreiben ihn jene, die ihn kannten. Netivots Bürgermeister Yechiel Zohar sagte bei der Beerdigung: »Die ganze Stadt trauert mit der Familie um den Verlust des Sohnes, des Ehemanns und des Vaters.«

Er kam bei einer Attacke von Hamasterroristen ums Leben, die versucht hatten, nach Israel einzudringen. Auch Ksahun war es nicht vergönnt, sein nächstes Kind im Arm zu halten. Er hinterlässt seine Frau Galaitu, die im neunten Monat schwanger war, als er getötet wurde. Mittlerweile hat sie ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Es heißt Tal-Or. »Um an das Licht ihres Vaters zu erinnern.«

Einwanderer Tausende von Menschen nahmen bei der Beerdigung Abschied von Max Steinberg, dem Soldaten, der das Leben in einem gut betuchten Viertel von Los Angeles mit dem in der israelischen Armee eintauschte. Auch jene, die ihn nicht gekannt hatten, zollten ihm Respekt, wollten ihn ehren.

Der erst 21-Jährige war 2012 eingewandert, nachdem er zuvor an einer Reise durch Israel mit »Taglit Birthright« teilgenommen hatte. Steinberg fiel in einer Nacht, in der insgesamt 13 Soldaten starben. Für seine Familie, die zu seiner Beisetzung aus den USA angereist war und für ihn an der Kotel in Jerusalem betete, ist Max ein Held. Mutter Evie erinnert sich an die letzten Worte ihres Sohnes: »Mama«, sagte er morgens um vier Uhr am Telefon, »ich habe keine Angst um mich. Ich habe nur Angst um dich.«

Roy Peles hinterlässt seine Familie und eine Gruppe, die auf eines setzt: Spaß. »Denn das ist es, was Roy gewollt hätte«, sagen die Hinterbliebenen am Gordon-Strand von Tel Aviv. Hierher kam der 21-jährige Israeli regelmäßig, um mit einer bunt gemischten Truppe Beachvolleyball zu spielen, bevor er im nördlichen Gazastreifen von einer Panzerabwehrgranate getötet wurde. Sie nannten ihn »The Kid« (das Kind).

Der athletische junge Mann liebte es, am Strand zu sein, und hatte immer eine positive Ausstrahlung, sagen seine Freunde über ihn. In diesem Sinne soll es für die anderen Mitspieler weitergehen: »Er ist nicht in Gaza gestorben, damit wir uns unter Decken verstecken und weinen«, sagt Schachaf Levin über seinen Kumpel, »sondern damit wir leben können.« Und während die Sonne über dem Strand von Tel Aviv untergeht, erinnert ein Foto des lachenden Roy, eingerahmt von Kerzen, an bessere Zeiten.

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