Haifa

Sicherer Hafen

Für viele Juden begann im Hafen von Haifa ein neues Leben in Freiheit. Foto: Ullstein

Ehrlich gesagt, weiß niemand genau, ob es wirklich der Strand von Haifa war – oder nicht doch der von Tel Aviv. Die legendäre Parodie aus dem Jahr 1973 würde allerdings perfekt zu der Hafenstadt passen. In dem Film beobachten zwei Araber, gespielt von Arik Einstein und Uri Zohar, wie zwei russische Einwanderer ankommen. Sie begrüßen die Neuankömmlinge mit reichlich wütendem Gezische.

Nächste Aufnahme: Die beiden Russen stehen neben den Arabern. Gemeinsam sehen und beschimpfen sie polnische Juden, die ans Ufer klettern. Gleiches Spiel bei Jemeniten, die als Nächstes ankommen. Alle zusammen sehen schließlich die deutschen Juden Fritzi und Peppi eintreffen. »Das ist Eretz Israel!«, ruft Fritzi. »Aber hier ist ja nur Sand«, ruft Peppi enttäuscht zurück. Am Ende der Szene meckern und brüllen alle zusammen, dass sie es waren, die hier »alles« aufgebaut hätten. Und die Neuen sollten bloß nicht glauben, dass es jetzt, wo die Arbeit getan sei, etwas umsonst gäbe.

statistik Heute leben in der Hafenstadt Haifa knapp 280.000 Menschen, und es hängt davon ab, welche Statistik man befragt, um sagen zu können, ob es sich nun um die dritt‐ oder viertgrößte Stadt Israels handelt.

Das Carmel‐Gebirge und das Meer, genauer gesagt, die 63 Kilometer lange Bucht mit ihrem natürlichen Schutz vor Wind, Wetter und Angreifern, machen Haifa jedenfalls seit über 3000 Jahren zu einem attraktiven Standort. Den kleinen Anlegeplatz bauten die Briten sukzessive zu einem Industriehafen aus, was Arbeit und Aufschwung mit sich brachte. Und so entstanden neue Geschäfts‐ und Wohnviertel für die arabischen und jüdischen Bewohner.

Von dort aus verließ vor genau 70 Jahren mit Sir Alan Cunningham der letzte britische Hochkommissar an Bord der HMS Euryalus das Land. Sofort wurde Haifa zum Haupteingangstor und sicheren Hafen für die vielen jüdischen Einwanderer, die mit Schiffen aus Zypern und Europa eintrafen, um im gerade erst gegründeten Staat ein neues Leben zu beginnen. Fast jeder von ihnen betrat zum ersten Mal in Haifa sicheren israelischen Boden.

Sprachgewirr Wer im Hafen ankam, hörte erst einmal ein babylonisches Sprachgewirr aus Hebräisch, Jiddisch, Polnisch und Arabisch. Viele fanden hier ihren ersten Job. 1950 arbeiteten auf dem Gelände bis zu 3000 Menschen. Dann revolutionierten zehn Jahre später Container das Transportwesen, was zwar zum Plus bei den Umschlagskapazitäten führte, aber zu einem Minus bei den Arbeitsplätzen. In den 80er‐Jahren waren nur noch 800 Menschen im Hafen beschäftigt. So wichtig dieser mit seinen 700.000 Quadratmetern auch für die Wirtschaft der Stadt ist, schön war er noch nie.

Oder falls doch, dann nur nachts, wenn orange und weiße Lichter die Meeresbucht beleuchten. Überhaupt ist das Adjektiv »schön« keines, das einem bei Haifa spontan einfällt. Dabei gibt es durchaus Beeindruckendes zu sehen, wie die liebevoll restaurierte Templerkolonie mit ihren alten Gebäuden oder das UNESCO‐Weltkulturerbe Bahai‐Gärten.

Das Carmel‐Viertel oben auf dem Berg ist mit seiner Einkaufsstraße dagegen eher praktisch, aber gewiss keine Augenweide. Dafür hat man von dort aus einen fantastischen Blick. Die gesamte Stadt mit ihrer Bucht liegt einem dann quasi zu Füßen.

Zusammenleben Koexistenz ist das Markenzeichen Haifas. Es ist das entspannte Zusammenleben von Juden und Arabern, das die Stadt ausmacht. Natürlich gibt es wie in jeder Stadt Viertel und Straßen, wo das besonders gut klappt. In Haifa ist es beispielsweise die Masada‐Straße. Hebräisch und Arabisch stehen nicht nur auf den Speisekarten des Elika Artbarcafés, des Masada‐Cafés oder des Tea Pool Cafés direkt nebeneinander, auch an der Bar und am Tresen wird zwischen beiden Sprachen hin‐ und hergewechselt.

Musik, Kunst und das legendäre Lafa‐Brot sind eine gute Gelegenheit für Gespräche bei Kaffee am Nachmittag oder bei Bier und Arak am Abend. Der wenige Hundert Meter lange sogenannte Graffiti‐Highway ist vor allem für junge Leute und Hipster zum Melting Pot geworden, der mit »Aravrit« sogar eine eigene Schriftsprache kennt.

Entwickelt hat sie die 32‐jährige Grafikdesignerin Liron Lavi, indem sie hebräische und arabische Buchstaben miteinander verschmolz. Dafür teilte sie diese in der Hälfte und fügte sie neu zusammen. Schnell zu lernen ist »Aravrit« auch für alle, die Arabisch oder Hebräisch lesen können. Neben ihren Ausstellungen sind Merchandise‐Artikel mit Aufdrucken wie Beit für »Haus« oder Maim für »Wasser« inzwischen Accessoires mit Statement‐Charakter. Fakt ist, dass der Erfolg von Liron Lavi in Haifa seinen Anfang nahm. Fakt ist aber auch, dass die Künstlerin am lautesten in Tel Aviv gefeiert wird.

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