Initiavtive

Sei ein Mensch!

Gründer Moshe Kaplan mit Meisterköchin Nof Atamna-Ismaeel und Nobelpreisträger Dan Shechtman (v.l.) Foto: BeAMensch

Israelis sind bekannt für ihre Offenheit, Gastfreundschaft und Lebenslust. Oft jedoch leider auch für ihre Streitlust und ihren Mangel an Manieren. Genau das will Moshe Kaplan ändern. Wenn es nach dem Immunologen und Geschäftsmann geht, soll Israel schon bald zu einem der »nettesten Länder« der Welt werden. Mit seiner Initiative »Be a Mensch« (Sei ein Mensch) will er den Israelis zu mehr Freundlichkeit verhelfen.

Ein »Mensch« zu sein, ist im Jiddischen mehr als die bloße Tatsache, als solcher geboren zu werden. Das Wort beschreibt eine liebevolle und sensible Person, die mit Integrität und Toleranz handelt. Attribute, die in Israels gemischter Gesellschaft nicht immer zu finden sind. »Und in dieser schweren Zeit der Tragödien brauchen wir die Einheit ganz besonders«, betont Kaplan im Rückblick auf die kriegerische Auseinandersetzung mit der Hamas.

Kaplan, Arzt und Buchautor aus Kalifornien, der vor fast 30 Jahren Alija machte, glaubt, das Patentrezept für dauerhaftes Wohlbefinden gefunden zu haben. »Ein Mensch zu sein, fügt dem Leben Jahre hinzu und jedem Tag Freude«, heißt es auf der Website der Initiative. »Es ist der Schlüssel zum Erfolg in Beziehungen, Liebe und Gesundheit, bei der Arbeit und zu Hause. Menschen sind glücklich, zufrieden, erfolgreich und werden von anderen gemocht. Und das Beste: Es ist ansteckend.«

Der Gründer ist nicht allein mit seinem Wunsch nach einem besseren Miteinander. Kaplan hat prominente Israelis auf seiner Seite, unter anderem die Nobelpreisträger Dan Shechtman, Robert Aumann und Aaron Ciechanover. Der Sänger Yehoram Gaon setzt sich genauso ein wie Basketball-Legende Tal Brody, Jewish-Agency-Chef Na- tan Sharansky, Ex-Justizminister Yaakov Neeman sowie der ehemalige israelische Botschafter in den USA, Michael Oren.

Überlebensmodus Kaplan hat auch eine Theorie, warum es im Gelobten Land bei der Verständigung hakt. Es sei der viel zitierte Schmelztiegel der Kulturen, der den Mangel an Zusammengehörigkeitsgefühl potenziere. Außerdem befänden sich die Israelis noch immer im Überlebensmodus. Und auch die ständige Kritik der ganzen Welt spiele eine Rolle. »Man kann nicht selbstbewusst und entspannt sein, wenn alle einem sagen, man sei nichts wert«, ist Kaplan überzeugt.

Kaplan hat ein Buch geschrieben mit dem Titel »Be a Mensch: Why Good Character is the Key to a Life of Happiness, Health, Wealth, and Love, das jetzt auch auf Hebräisch erschienen ist. Israelis aus Bereichen wie Physik, Psychologie, Medizin und Sport teilen darin ihre Gedanken zum Menschsein mit. Ihren Erfolg schreiben sie alle der Tatsache zu, ein Mensch zu sein.

«Be a Mensch» legt Wert darauf, keiner Religion, Partei oder sonstigen Gruppierung anzugehören. Es geht um die Verständigung zwischen allen. «Wir wollen den Riss in der israelischen Gesellschaft heilen. Ein Mensch nach dem anderen.» Bereits seit Jahren organisiert Kaplan dafür Treffen zwischen Gruppen, die einander spinnefeind sind. So etwa zwischen jungen Leuten der säkularen Hashomer-Hatzair-Bewegung und aus ultraorthodoxen Gemeinden.

Kulturkampf
«Egal, welchen Hintergrund jemand hat», ist der Mediziner überzeugt, «die Menschen haben dieselben grundlegenden Werte.» Über die will er sie unterrichten und sie zusammenbringen. Sie sollen sich kennenlernen, Vorurteile überwinden und miteinander reden. Dass das sogar bei Härtefällen möglich ist, zeigt er an einem Beispiel: der Stadt Beit Schemesch. Seit Jahren tobt hier ein regelrechter Kulturkampf zwischen extrem frommen Charedim und dem Rest der Bevölkerung. «Und dennoch treffen sich die Verfeindeten und erkennen, dass die Person gegenüber ja auch ein Mensch ist, obwohl sie andere Kleidung trägt und andere spirituelle Einstellungen hat.»

Mit Gesprächen ist längst nicht Schluss für Kaplan. Eine Fernsehshow für Verständigung soll es geben, Auszeichnungen für den «Mensch des Monats» und vieles andere. Der idealistische Arzt sucht Sponsoren, die ihm den finanziellen Rahmen für seine Pläne liefern. Derzeit arbeitet die Gruppe an einem Internetprogramm, mit dem Religiöse und Säkulare, Aschkenasen und Sefarden miteinander kommunizieren und Brücken bauen können. Auch ist ein Quiz geplant, das den Anfang in WIZO-Schulen machen soll. Mit 13 Fragen kann man testen, ob man ein Mensch ist oder noch an seinen Charakterzügen feilen muss.

Chuzpe Von einem ist Moshe Kaplan überzeugt: dem Wert der Chuzpe. Das jiddische Wort kann mit Dreistigkeit oder auch Unerschrockenheit übersetzt werden. «Chuzpe haben wir Israelis alle. Sie kann für den eigenen Vorteil eingesetzt werden oder um Gutes zu tun. Mein Ziel ist es, Chuzpe für das Gute zu nutzen und Israel dadurch zu einer stärkeren Nation zu machen.»

Für die Gewinnerin der jüngsten Staffel der TV-Kochshow Masterchef, Nof Atamna-Ismaeel, ist es selbstverständlich, bei «Be a Mensch» mitzumachen. Die israelische Araberin hat den Riss in der Gesellschaft am eigenen Leib zu spüren bekommen, erzählte sie auf der Pressekonferenz der Initiative. Als Kind habe sie mit ihren außergewöhnlich guten Noten zwar Zugang zu einer prestigeträchtigen jüdischen Schule gehabt. Dennoch sei sie Außenseiterin geblieben. «Das ist etwas, was man sein ganzes Leben mit sich herumträgt», sagte die promovierte Mikrobiologin.

Ihre Leidenschaft fürs Kochen will sie nun auch für die Verständigung einsetzen – in einer bilingualen arabisch-jüdischen Kochschule. Für die Initiative backt sie Kekse für die Charakterbildung. In jedem Gebäck steckt eine kleine Botschaft, die sagt, wie man ein besserer Mensch werden kann. «Ich bin mir sicher, dass wir etwas in der Realität verändern können», so Atamna-Ismaeel, «in den Köpfen und in den Herzen.»

www.beamensch.com

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