Qualität

Schöner baden mit »Blue Flag«

Qualitätsprüfung bestanden: der Küstenstreifen in Herzliya Foto: Flash 90

Für Mosche Levi beginnt in dieser Woche die schönste Zeit des Jahres. Die Sommersaison ist da – und der Bademeister am Tel Aviver Strand nimmt nach einer langen Pause wieder in seinem Häuschen Platz. An vielen Küstenstreifen sind an sieben Tagen in der Woche Menschen wie Levi im Dienst, um für die Sicherheit der Badegäste zu sorgen. Dies und andere Kriterien brachten neun Stränden von der nördlichen Mittelmeerküste bis nach Eilat am Roten Meer nun zum ersten Mal die internationale Auszeichnung »Blue Flag« ein.

Levi wacht mit Argusaugen darüber, dass den Badenden kein Unglück geschieht. Er stellt schwarze Flaggen auf, wenn die Strömung zu stark und das Baden im Meer nicht gestattet ist, gibt grünes Licht, wenn die See ruhig ist. »Es ist eine wichtige Aufgabe und eine Ehre, mich darum zu kümmern. Schließlich rette ich in meinem Job praktisch jeden Tag Menschenleben.«

Umwelt Die neun israelischen Küstenabschnitte gehören jetzt zu den rund 4000 Stränden und Hafenpromenaden in fast 50 Ländern, die die begehrte Auszeichnung tragen. Das Programm »Blue Flag« der französischen Organisation FEE kümmert sich nach strikten Kriterien nicht nur um die Qualität von Badegebieten, sondern gleichermaßen um Umweltschutz und den Erhalt der Küstengebiete. In diesem Jahr erhielten 538 spanische Strände, 375 in Griechenland und mehr als 300 in Frankreich und der Türkei die Flagge.

Nun kann sich auch die Stadtverwaltung von Netanya freuen, wo die Strände Haonot, Sironit und Poleg ausgezeichnet wurden; Aschdod ist mit Lido und Jud Alef dabei, Tel Aviv mit Metzizim und dem Jerusalem-Strand. In Haifa entspricht der Dado den internationalen Standards, am Roten Meer in Eilat Haschchafim. Außerdem dürfen die Häfen von Herzliya und Tel Aviv ab sofort die blaue Fahne wehen lassen.

Kriterien für die Auszeichnung sind neben der Sauberkeit des Wassers und des Sandes viele andere. Die Wasserqualität muss von den Behörden mindestens fünf Mal während der Saison getestet werden, ferner müssen Informationen und Bildungsveranstaltungen rund um den Schutz der Meere und der Küsten angeboten werden. Klare Verhaltensregeln für die Besucher müssen deutlich sichtbar sein. Um den Abstecher an den Strand so angenehm wie möglich zu machen, müssen die Mülleimer regelmäßig geleert werden und Recyclingbehälter zugänglich sein.

Notfallplan Die Strände haben zudem behindertengerecht zu sein, Trinkwasser muss zur Verfügung stehen, Toiletten frei zugänglich sein. Außerdem dürfen keine Fahrzeuge durch den Sand düsen, und Tiere haben keinen Zutritt. Neben den Bademeistern muss es einen Notfallplan geben, etwa für einen Unfall mit umweltschädlichen Materialien wie Rohöl. Die israelische Umweltorganisation EcoOcean ist als Vertreterin der Mutterorganisation der Blue Flag, FEE, auserwählt worden. Zum ersten Mal hat die FEE damit eine Filiale in Israel.

Am Sironit-Strand von Netanya weht die blaue Fahne bereits im warmen Sommerwind. Daneben erklärt ein Schild, was es mit der Auszeichnung auf sich hat. Der Küstenstreifen hier ist breit und aufgeräumt, das Wasser schimmert blaugrün und lädt zum Schwimmen ein. Behinderte Gäste können bequem per Fahrstuhl von der höher gelegenen Spazierpromenade zu den Badefreuden im Meer gelangen.

Durchdacht Am Jerusalem-Strand der Mittelmeermetropole Tel Aviv tummeln sich am Wochenende Besucher aus der ganzen Welt. Trotz der Menschenmassen wirkt die Gegend sauber und ordentlich. Wenn Bademeister Levi nicht gerade seine Sicherheitsparolen durch die Lautsprecher brüllt, berieselt angenehme Musik die Badenden, es gibt Strandstühle en masse, die Toiletten sind geputzt.

Schai Misrachi wohnt in Tel Aviv und kennt die Strände ganz genau. Er kann die Vergabe der Auszeichnung für Jerusalem und Metzizim nachvollziehen. »Es sind wirklich die schönsten Abschnitte – vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich hier um einen Stadtstrand handelt.«

Steve Clark aus New Jersey beendet seine zweiwöchige Rundreise durch das Heilige Land mit drei Tagen Chillen in Tel Aviv. Mit einem großen Bier und viel Sonnenmilch genießt er das Ausklingen seiner »Traumreise«, wie er sagt. Der 35-jährige Bankangestellte ist durchweg begeistert vom Baden vor der Großstadt. Er findet die Strände angenehm und gut durchdacht. »Am Schönsten aber ist, dass sich das ganze coole Ambiente von Tel Aviv widerspiegelt. Ich bin zum ersten Mal in diesem Land – aber eins weiß ich genau: Ich komme bald wieder.«

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