Zivilschutz

Schlange stehen für die Sicherheit

In den vergangenen Tagen hat sich die Zahl derer, die auf Nummer sicher gehen wollen, vervierfacht. Foto: Flash 90

Während die Meldungen aus dem Norden nichts Gutes verheißen, stehen die Israelis vor den Postämtern des Landes Schlange. Sie holen sich quadratische Päckchen mit schwarzen Riemen ab: Gasmasken. In den letzten Tagen hat sich die Zahl derer, die auf Nummer sicher gehen wollen, vervierfacht.

Schaul Lande steht vor dem Postamt in Raanana. Angst habe er zwar nicht, meint er und nimmt die Hand seiner Enkelin, die neben ihm steht, »doch ein richtig mulmiges Gefühl«. Der syrischen Regierung sei einfach nicht zu trauen. Schon gar nicht, wenn sie in die Enge getrieben werde, meint der Pensionär. »Was ja jetzt schon geschieht und sich noch verschlimmern kann, wenn der Amerikaner da eingreift.«

Landesdurchschnitt So sehen es wohl viele Israelis. Doch während in den nördlichen Gefilden, wie Kiriat Schmona oder Naharija, durchschnittlich mehr als 70 Prozent über Gasmasken verfügen, sind es in Jerusalem lediglich 29 Prozent. Im Landesdurchschnitt, gab die Leitung des Heimatfrontkommandos »Pikud Haoref« kürzlich an, seien es 60 Prozent. »Wir sind nicht zu 100 Prozent vorbereitet. Denn eine hundertprozentige Verteidigung gibt es ohnehin nicht«, hieß es. »Dennoch sollte jede einzelne Person ausgerüstet sein.«

Wie das zu machen sein soll, ist indes fraglich. Denn momentan stehen überhaupt nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung, jedem Bewohner Israels ein Sicherheitspaket auszuhändigen. Noch im Mai hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zwar eine neue Initiative in Höhe von 350 Millionen Dollar verkündet, um alle Bürger auszustatten, doch mittlerweile heißt es, dass »es diesbezüglich Fragen im Haushalt gäbe«. Trotzdem sei Israel »so vorbereitet wie noch nie«, erklärte Pikud Haoref weiter. »Wir können mit jedem möglichen Szenario umgehen.«

In der vergangenen Woche hatten sich die Berichte überschlagen, dass die Assad-Regierung des Nachbarlandes ihre eigene Bevölkerung mit Chemiewaffen angreift. Israel und auch die USA haben kaum noch Zweifel, dass Noch-Präsident Baschar al-Assad tatsächlich C-Waffen benutzt hat. Besondere Sorge herrscht daher derzeit in Jerusalem, dass Syrien im Falle einer amerikanischen Offensive mit Vergeltungsangriffen gegen Israel reagieren könnte.

Gadi Eisenkot spricht an einem Rednerpult vor einer israelischen Flagge

Israel

Eisenkot will Israel aus der Krise führen

Nach dem Auftrag zur Regierungsbildung ruft der frühere Generalstabschef zu einer Notstandsregierung auf und streckt allen Parteien die Hand aus

 08.11.2026

Kuscheltiere und Puppen auf dem Rabin-Platz, eine Puppe ist mit einem Seil gefesselt

Ariel

Kinderkrippe des Grauens

Drei Betreuerinnen wird systematische Gewalt an Babys und Kleinkindern vorgeworfen. Die Polizei spricht von einem der schwerwiegendsten Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre

von Sabine Brandes  08.11.2026

Krieg gegen den Iran

Die Mullahs schossen Raketen – Bat Yam schickt die Rechnung

Die israelische Stadt will Schadensersatz in Millionenhöhe von Teheran. Für die Zustellung der Klage musste der Bürgermeister einen iranischen Vertreter durch die Straßen von Manhattan verfolgen

von Sabine Brandes  08.11.2026

Israels Präsident Izchak Herzog

Nach der Parlamentswahl

Israels Präsident beauftragt Eisenkot mit Regierungsbildung

Dem Oppositionspolitiker Eisenkot fehlen 13 Mandate für eine eigene Regierungsmehrheit. Arabische oder ultraorthodoxe Parteien könnten ihm helfen. Doch beide Optionen bergen großes Konfliktpotenzial

 08.11.2026 Aktualisiert

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Berlin

Merz fordert Ausreise bei Judenhass unter Muslimen

Bei einem Empfang jüdischer Sportler äußert sich der Kanzler deutlich zum Antisemitismus unter muslimischen Einwanderern

 07.11.2026

Nach den Wahlen

Streit um Regierungsbildung in Israel eskaliert

Israels amtierender Ministerpräsident Netanjahu fordert eine breite Koalition unter Einschluss der Rechtsextremisten. Oppositionspolitiker Eisenkot weist das Angebot umgehend als PR-Manöver zurück

 07.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  07.11.2026

Jerusalem

Israels Präsident vergibt Auftrag zur Regierungsbildung

In Israel beginnt der Countdown zur Regierungsbildung. Präsident Herzog vergibt den Auftrag wahrscheinlich an den Oppositionspolitiker Eisenkot

 07.11.2026