Israel

»Samstag ist Opa-Tag«

Es ist der weiche Klang in Elah Barshis Stimme, der ahnen lässt, wie viel der 28-Jährigen ihr Saba bedeutet. »Wenn ein Mann an mir interessiert ist, muss er den Opa-Test bestehen«, erzählt Elah.

Konkret bedeutet das: Wer Elah sehen will, muss nach Karkur fahren, nicht weit entfernt von Caesarea – am Freitagabend, wenn der öffentliche Nahverkehr in Israel beinahe zum Erliegen gekommen ist. Und dann trifft der mögliche Bewerber auf Gavriel Barshi, Elahs Großvater.

Geboren wurde er am 10. April 1930, und er ist ein wahrlich bemerkenswerter Mann. 40 Jahre lang diente Gavriel Barshi in der israelischen Armee, sein Dienstgrad ist Aluf Mischne (Colonel). Bei jedem Einsatz, Urlaub oder Ausflug war er immer mit dabei: sein Fotoapparat, Marke Minolta.

Bei jedem Einsatz, Urlaub oder Ausflug war er immer mit dabei: sein Fotoapparat, Marke Minolta.

wunsch Auf diesem Weg entstanden circa 3000 Fotos, die so besonders und einzigartig sind, dass die Enkelin nur einen Wunsch hat, nämlich der Welt Opas Fotos zu zeigen. »Meine Großeltern wählten eine ganz besondere Art der Übernachtung, wenn sie andere Länder bereisten. Sie schliefen nicht im Hotel, sie machten bei den Einheimischen halt, in deren Wohnungen oder Häusern. Und immer hatten sie umgekehrt bei sich zu Hause offene Türen für Touristen, die Israel besuchten. Sie liebten diesen Weg der Verständigung und des Sich-Kennenlernens.«

Gavriel Barshi hat zweifelslos ein Talent fürs Fotografieren, weswegen seine Enkelin Elah in mühevoller Kleinarbeit die 3000 Dias katalogisierte, beschriftete und digitalisierte. Was beinahe schade ist, denn obwohl Gavriel Barshi trotz seiner stolzen 89 Jahre mitten im Leben steht, haben die Dias, die mithilfe eines Projektors an eine Wand geworfen werden können, den ganz besonderen Charme längst vergangener Zeiten.

Doch auch Elahs Großvater ist längst im digitalen Zeitalter angekommen. Er schreibt ganz selbstverständlich Kurznachrichten an seine Enkelin auf dem Mobiltelefon und hat – Trommelwirbel, Tusch, Applaus – kürzlich seine Doktorarbeit in Philosophie mit Bravour bestanden. Thema der Arbeit: »Die Herausforderung. Neue Vermittlungsansätze zu den individuellen Psalmen«.

doktorarbeit Der 89-Jährige, der eine Doktorarbeit schrieb und verschwand, nämlich nach Kambodscha und Vietnam – so jedenfalls sehen die zeitnahen Reisepläne des unglaublichen Gavriel Barshi aus. Noch heute verrichtet er alle Gartenarbeiten selbst, er klettert auf das Dach seines Hauses, wenn es etwas zu reparieren gibt, er macht selten ein Mittagsschläfchen, löst lieber Sudokus, schreibt hin und wieder Kurzgeschichten und schaut mit großer Regelmäßigkeit die 20-Uhr-Nachrichten im israelischen TV.

»Du musst jeden Tag eine Aufgabe haben, etwas, worauf du dich freust«, beschreibt Gavriel Barshi das Geheimnis eines glücklichen und erfolgreichen Lebens.

Das Geheimnis eines glücklichen und erfolgreichen Lebens, so Elah, beschreibt ihr Saba wie folgt: »Du musst jeden Tag eine Aufgabe haben, etwas, worauf du dich freust.« Deswegen arbeitet Enkeltochter Elah eifrig an der Umsetzung ihres Vorhabens, einer großen Öffentlichkeit die historisch einmaligen Fotografien ihres Opas zu zeigen. »Für mich sind diese Fotografien mehr als nur Fotos. Sie sind Kunst. Und sie sind eines ganz gewiss nicht: kriegerisch.«

Elahs Freund und zukünftiger Ehemann (dreimal Holz) hat den Opa-Test bestanden. Der Mann, der noch heute jede geteerte und asphaltierte Straße Israels bejubelt, weil er dieses Land kennt und liebt seit der Zeit, als es hauptsächlich aus Wüste und Sand bestand, hebt den Daumen für die Enkeltochter und ihre Liebe.

Danke, Dr. Col. Gavriel Barshi. Mögen Sie gesund bleiben. Bis 120!

Jerusalem

Herzog im saudischen Fernsehen: »Mein Traum ist Frieden mit Saudi-Arabien«

Der israelische Präsident äußert sich auch zu den Themen Iran, Syrien, Libanon und Gaza: »Mein Herz schmerzt um jeden unschuldigen palästinensischen Zivilisten, der getötet wird.«

 17.07.2026

Jerusalem

Knesset verabschiedet umstrittene Medienreform – Opposition zieht vor Gericht

Das Gesetz erweitert den Einfluss der Regierung auf den Nachrichtenmarkt erheblich. Nach der Verabschiedung reichten mehrere Organisationen und Oppositionsparteien Klagen beim Obersten Gerichtshof ein

 17.07.2026

Neue Umfrage

Netanjahus Koalition stürzt auf 48 Sitze ab – Opposition kommt auf 62

In Israel zeichnet sich nur gut drei Monate vor der Wahl ein deutlicher Stimmungsumschwung ab

 17.07.2026

Jerusalem

Netanjahu verschiebt USA-Reise wegen Lindsey Grahams Beerdigung

Ursprünglich hatte der israelische Ministerpräsident morgen abfliegen und bis Dienstag in den USA bleiben wollen

 17.07.2026

Essay

Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser muss endlich enden

Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  16.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  16.07.2026 Aktualisiert

Italien

Wenn Anne Frank und Primo Levi mit »Nazis« beschmiert werden

Erneut antisemitischer Vandalismus gegen ein Holocaust-Gedenkgemälde in Mailand

 16.07.2026

Israel

Knesset beschließt Ausweitung geschlechtergetrennter Studiengänge

In Zukunft sollen auch Master- und Promotionsstudiengänge getrennt für Frauen und Männer ermöglicht werden

 16.07.2026

Washington D.C.

Künftige kolumbianische Regierung will Botschaft nach Jerusalem verlegen

Damit gibt es bald neun diplomatische Vertretungen in der israelischen Hauptstadt

 16.07.2026