Israel

Rücktritt wegen Arbeit am Schabbat

Zurückgetreten: Gesundheitsminister Yaakov Litzman Foto: Flash 90

Viele meinten, bis zu diesem Schritt sei es nur eine Frage der Zeit gewesen: Am Sonntag hat Gesundheitsminister Yaakov Litzman seinen Rücktritt eingereicht. Der ultraorthodoxe Parlamentarier hatte schon zuvor mehrfach damit gedroht. Er könne die »staatlich geförderte Entweihung des Schabbats nicht unterstützen«. Sein Protest richtet sich gegen Arbeiten an der israelischen Bahn, die am Schabbat durchgeführt wurden.

Bereits am Samstag hatte der Vorsitzende der Partei Vereinigtes Tora-Judentum seine Entscheidung angekündigt, sollte tatsächlich gearbeitet werden. Verkehrs- und Geheimdienstminister Yisrael Katz ordnete gemeinsam mit Sozial- und Arbeitsminister Haim Katz die Instandhaltung dennoch an, weil »sonst Leben gefährdet würden«.

Generation Daraufhin machte Litzman ernst. Er nannte als Begründung das Drängen seines religiösen Oberhauptes, des Gurer Rabbiners. »Wir sind bekannt dafür, dass wir den Schabbat seit Generationen einhalten. Es ist unser Bund zwischen dem jüdischen Volk und Gott. Leider hat die israelische Bahn aus dem Schabbat einen nationalen Instandhaltungstag gemacht. Die Arbeiten sind unnütz«, wetterte Litzman. »Die Tatsache, dass es in jedem anderen Land Züge gibt und sie die Wartungen schaffen, ist Beweis, dass es geht.«

Die Regierung sei, so erklärte der israelische Premier Benjamin Netanjahu, durch den Rücktritt Litzmans nicht bedroht. Die sechsköpfige Fraktion des Vereinigten Tora-Judentums werde laut Netanjahu im Parlament bleiben. Der Politiker versicherte zudem, dass er selbst den Schabbat ehre. »Wir werden alles uns Mögliche tun, um eine Lösung für diese Krise zu finden.« Netanjahu hat nun zusätzlich das Portfolio des Gesundheitsministers übernommen.

Stadtverwaltung
Das ministeriale Komitee für Gesetzgebung weigerte sich zudem am Sonntag, zwei Vorschläge zu diskutieren. Beim ersten soll die Macht des Arbeitsministers in Sachen Schabbat-Arbeit stark eingeschränkt werden, mit dem zweiten würde dem Innenminister die Verantwortung übertragen, Umgehungsgesetze der Stadtverwaltung auszusetzen.

Genauer gesagt, geht es dabei um samstags geöffnete Supermärkte in Tel Aviv. Vertreter der Regierungspartei Likud jedoch weigerten sich, diese Vorschläge zu diskutieren. Es heißt, sie wollen keine Voraussetzungen für Gesetze zugunsten der Charedim schaffen.

Mehrere Oppositionspolitiker äußerten ihren Unmut über die Krise. Avi Gabbay, Parteivorsitzender von Awoda, meinte: »In einer modernen Gesellschaft muss man Wartungsarbeiten am Wochenende durchführen, wenn man möchte, dass die Züge täglich fahren. Litzmans Rücktritt zeigt nur, dass die Regierung am Ende ist.«

Jerusalem

Wahlsieger ohne Mehrheit

Das endgültige Wahlergebnis liegt vor. Benjamin Netanjahus Likud hat mehr Sitze als alle anderen Parteien. Nützt ihm das etwas?

 30.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will Wehrpflichtgesetz und Untersuchung zum 7. Oktober vorantreiben

Der Vorsitzende der zentristischen Partei Yashar erklärt, er arbeite bereits an entsprechenden Gesetzesvorlagen. Ob er wirklich eine Regierung bilden kann, bleibt aber unklar

 30.10.2026

Umfrage

Mehrheit der Oppositionswähler befürwortet Regierungskoalition mit arabischer Partei

Befragt wurden Anhänger von Yashar, B’Yachad, der Demokraten sowie Yisrael Beitenu. Was denken diese Wähler?

 30.10.2026

Natur

Gefährliche Ameise

Die invasive Afrikanische Großkopfameise breitet sich schnell aus und kann Ökosysteme sowie die Landwirtschaft schädigen – jetzt wurde sie in Haifa gefunden

 29.10.2026

Jerusalem

Wahl in Israel: Behörden sehen keine Beweise für Betrug

Den Vorwurf der ausländischen Einflussnahme auf die Knesset-Wahl nimmt die Wahlkommission aber ernst

 29.10.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  29.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlkommission fordert Untersuchung möglicher ausländischer Einflussnahme

»Es wurden ernsthafte Verdachtsmomente an mich herangetragen«, sagt der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Noam Sohlberg

 29.10.2026

Jerusalem

Herzog will Neuwahlen vermeiden

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse appelliert der israelische Präsident an die politischen Lager, sich bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen kompromissbereit zu zeigen

 29.10.2026

Jerusalem

Auszählung der »Sonderstimmen« in Israel hat begonnen

Die Stimmen von Soldaten, medizinischem Personal, Patienten sowie israelischen Diplomaten im Ausland könnten die Sitzverteilung in der Knesset noch verändern

 29.10.2026