Beziehungen

Rückkehr nach Antalya

Am Gate der Turkish‐Airlines‐Maschine nach Tel Aviv auf dem Istanbuler Flughafen ist es gerappelt voll. Der Flieger ist ausgebucht. Einer der Fluggäste ist Mosche P. Drei Tage war er in der Stadt am Bosporus unterwegs. »Geschäfte«, sagt er knapp. Während der gesamten diplomatischen Krise zwischen Israel und der Türkei hielt der Tel Aviver seine Beziehungen zu seinen Partnern in der Türkei aufrecht. Kein leichtes Unterfangen, wie er einräumt. Nach der politischen Wiederannäherung der beiden Länder erhofft P. sich nun eine wirkliche Normalisierung der Handelsverbindungen.

Angeschlagen war das Verhältnis zwischen Ankara und Jerusalem bereits seit einer Weile, vornehmlich wegen der zunehmend anti‐israelischen Aussagen des türkischen Premierministers Recep Tayyip Erdogan. Auch missfiel den Türken die Gaza‐Offensive Israels vom Januar 2009. Das endgültige Tief aber war nach dem Vorfall bei der Gaza‐Flottille vor drei Jahren erreicht, als es auf dem Schiff Mavi Marmara zu einer Auseinandersetzung mit israelischen Soldaten kam und neun Türken starben.

Misstrauen Es war der Besuch von US‐Präsident Barack Obama in Israel, der für den letzten Anstoß zum Tauwetter gesorgt hatte. Noch in den letzten Minuten von Obamas Visite hatte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu seinen türkischen Kollegen angerufen und damit eine neue Richtung eingeleitet. In einer offiziellen Mitteilung verkündete Netanjahus Büro den Wortlaut des Gespräches: »Während der israelischen Untersuchung des Vorfalls kamen einige operative Fehler zutage. Israel entschuldigt sich beim türkischen Volk für diese Fehler, die zum Verlust von Menschenleben oder zu Verletzungen geführt haben.«

Geschäftsmann Mosche P. will gern an das Wiederaufleben der guten Verbindungen glauben, schließlich habe er jahrelang dafür gearbeitet. Allerdings ist er noch skeptisch. Das ist ein Grund, warum er seinen vollen Namen nicht nennen möchte. »Wir bewegen uns auf dünnem Eis, müssen hin und her überlegen, um keine Grenze zu überschreiten, immer abwägen, was wir sagen. Die Handelnden auf beiden Seiten wollen natürlich sofort, dass alles wieder normal ist. Doch ich glaube, es braucht seine Zeit. Leider sitzt das Misstrauen mittlerweile ziemlich tief. Auf beiden Seiten.«

einigung Immerhin einigten sich Jerusalem und Ankara offenbar in sämtlichen Punkten. Kompensationszahlungen aus Israel für die Opfer auf der Mavi Marmara sollen an einen humanitären Fonds überwiesen werden, die Türkei wird im Gegenzug wahrscheinlich juristische Maßnahmen gegen die beteiligten Soldaten der IDF einstellen. Auch werden die jeweiligen Diplomaten wieder auf ihre Posten entsandt.

Ankaras Forderung, die Blockade von Gaza aufzuheben, wird Israel allerdings nicht umgehend erfüllen. Stattdessen »will man die Bedingungen in den palästinensischen Gebieten erleichtern, wenn es die Lage erlaubt«. In einer offiziellen Erklärung unterstrich Erdogan die Bedeutung der Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen der türkischen und der jüdischen Nation.

Neben Obamas Einfluss mag eine weitere Erwägung eine Rolle gespielt haben: das israelische Erdgas. Seit einigen Wochen wird aus einem ersten Feld vor der Küste Israels gefördert. Die Verbesserung der Beziehung könnte den Export in die Türkei oder den Transport durch das Land ermöglichen. Der türkische Energieminister Taner Yildiz sagte dazu in einer der größten Tageszeitungen seines Landes: »Der Grund für die Entschuldigung sind keine gemeinsamen Gasprojekte, aber die Entschuldigung kann zu gemeinsamen Gasprojekten führen.«

tourismus Ebenso hoffen Tourismusveranstalter auf beiden Seiten auf das Wiedererblühen der Geschäfte. Vor der diplomatischen Verstimmung waren türkische Ziele jahrelang die Nummer eins der israelischen Feriengäste. Das Interesse an Antalya und Co. habe sich in den vergangenen Wochen vervierfacht, bestätigte Zion Madmon, Sprecher des Reiseveranstalters Travelist. Von Platz zwölf auf der Interessenliste der Touristen sprang Antalya auf den zweiten Rang. »Allerdings halten sich die meisten bei den Buchungen noch zurück. Es ist wohl einfach noch zu früh.«

Während der Pessachferien bereits war die Zahl der israelischen Türkeiurlauber merklich angestiegen. Neben muslimischen fuhren auch zunehmend jüdische Reisende in die typischen Fünf‐Sterne‐Hotelburgen an der türkischen Küste. Allerdings blieben die Zahlen im Hunderterbereich. Die Tourismusexperten sind sich einig: »Es braucht seine Zeit, bis das Vertrauen wieder da ist.« Madmon meint, dass vielleicht bereits der kommende Sommer zeigen werde, wie sehr die Türkei als Reiseziel von den Israelis wieder angenommen wird.

»Israelis müssen zu 100 Prozent sicher sein, dass sie nichts zu befürchten haben, wenn sie in die Türkei reisen«, beschreibt Daniel Zimet, Vizepräsident der israelisch‐türkischen Handelskammer, die Zurückhaltung seiner Landsleute. »Es ist noch ein langer Weg, bis zwischen unseren beiden Nationen alles wieder in Ordnung ist.«

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