Covid-19

Rückkehr gestattet

Fluggäste aus Frankfurt mit elektronischen Tracking-Armbändern am 1. März Foto: Flash 90

Israel öffnet weiter. Nach dem Ende des dritten landesweiten Lockdowns steigen die Corona-Infektionszahlen zwar wieder leicht an, doch das sei zu erwarten gewesen, sind sich viele Gesundheitsexperten im Land einig. Nach starker Kritik an der Regierung entschied das Kabinett, dass der Flughafen ab 7. März für israelische Staatsangehörige wieder geöffnet wird.

Purim liegt hinter den Israelis und Pessach vor ihnen. Was erwarten die 9,2 Millionen Einwohner des kleinen Nahoststaates, von denen mittlerweile 4,8 Millionen geimpft sind, für die nächsten Wochen und Monate? 52 Prozent der Bevölkerung haben die erste Spritze erhalten, 38 Prozent bereits die zweite.

shoppingtour Yotam Levin aus Jerusalem freut sich auf einer Shoppingtour, dass die Läden wieder geöffnet sind und etwas Leben im Zentrum seiner Stadt herrscht. Im Einkaufszentrum an der Jaffa-Straße gehen er und seine Frau auf Schnäppchenjagd. »Es war höchste Zeit, vor allem für die Händler. Man sieht ja, dass an vielen Läden das Schild ›Geschlossen‹ hängt. Das ist sehr traurig.«

Auch geimpfte Einreisende müssen sich weiterhin testen lassen.

Seine Ehefrau Irit pflichtet ihm bei. »Wir haben uns vorgenommen, dass wir mithelfen, die Wirtschaft anzukurbeln. Fast ein Jahr lang haben wir so gut wie nichts ausgegeben.« Zwar habe sie ihren Job in der Pandemie verloren, doch bekomme sie noch immer Arbeitslosengeld. »Außerdem ist alles jetzt reduziert. Wegen dem Ende des Winters und Corona.«

FEST Auch Geschenke für Pessach stehen auf dem Einkaufszettel. Denn die Levins wünschen sich, dass sie Pessach wieder mit der Familie verbringen können. Das Frühlingsfest fällt in diesem Jahr auf Ende März. »Wir sind alle durchgeimpft«, hebt Yotam Levin hervor.

»Großeltern, Onkels und Tanten, es gibt keinen, der die Spritzen noch nicht bekommen hat. Bis auf die Kinder natürlich. Wir waren enttäuscht von der Regierung, dass sie Purim alles so strikt gehandhabt hat und niemand das Haus eines anderen besuchen durfte. Wieso mussten alle, die geimpft sind, bestraft werden? Das ist nicht in Ordnung. Hoffentlich wird es zu Pessach anders.«

Die Regierung äußerte sich bislang zum aufkommenden Fest noch nicht. Davor, am 23. März, müssen die Israelis erst noch an die Wahlurnen – und dieses Thema dürfte die Politiker derzeit mehr beschäftigen als Familienzusammenkünfte am Sedertisch.

umfragen Derzeit liegt der regierende rechtskonservative Likud in Umfragen vorn. Gefolgt wird er von der Zentrumspartei Jesch Atid, der der ehemalige Journalist Yair Lapid vorsitzt. Es gibt weder Brief- noch Fernwahlen in Israel, mit Ausnahme für Diplomaten. Wer sein demokratisches Recht nutzen will, muss persönlich anwesend sein.

Doch das können viele nicht, auch wenn sie es wollen. Mehrere, hauptsächlich säkulare, Israelis hatten in israelischen Medien berichtet, dass ihre Gesuche, ins Land zu gelangen, abgelehnt wurden. Tausende von israelischen Staatsangehörigen sitzen derzeit in verschiedenen Ländern in der ganzen Welt fest. Am Dienstagabend beschloss das Kabinett, den Flughafen mit sofortiger Wirkung für seine Bürger wieder zu öffnen.

Jerusalem hatte den Ben-Gurion-Flughafen am 25. Januar für ein- und ausgehende Flüge sperren lassen, um sich nach Angaben der Regierung vor den Varianten des Coronavirus aus dem Ausland zu schützen. Um Israel verlassen oder einreisen zu können, musste man über eine Ausnahmegenehmigung des entsprechenden Komitees verfügen.

RECHT Das Israelische Demokratieinstitut bezeichnete »die umfassenden Res­triktionen gegen israelische Bürger, die aus dem Ausland zurückkehren wollen, aus verfassungsrechtlicher Sicht« als »extrem problematisch und einmalig in der demokratischen Welt«.

Bislang durften entsprechend der Corona-Restriktionen lediglich Menschen nach Israel einreisen, die triftige Gründe hatten.

Der Druck auf die Regierung wuchs stetig. In einem Bericht des Fernsehkanals zwölf hatte es am Wochenende geheißen, dass angeblich gezielt Reisende mit israelischem Pass ins Land gelassen werden, die bei den kommenden Wahlen für die amtierende Regierung stimmen könnten. Ankommende erzählten, dass sie wenig dringende Anlässe wie »Ich wollte rechtzeitig zu Purim in Jerusalem sein« angegeben hatten und ihre Reise dennoch genehmigt wurde.

Bislang durften entsprechend der Corona-Restriktionen lediglich Menschen nach Israel einreisen, die triftige Gründe hatten. Dazu gehörten der Tod eines nahen Verwandten oder dringende Gerichtstermine. Wählen stand nicht auf der Liste. Verkehrsministerin Miri Regev (Likud) wies den Vorwurf zurück und bezeichnete die Medienberichte als »Fake News«.

flughafen Doch am Dienstagabend beschloss das Corona-Kabinett, den internationalen Flughafen vor den Wahlen für alle israelischen Staatsangehörigen zu öffnen. Bis zu 3000 Menschen sollen täglich ins Land gelassen werden. Rückkehrende Israelis müssen keinen Antrag beim Ausnahmekomitee stellen, Menschen ohne israelischen Pass jedoch nach wie vor.

Rückkehrer, die nicht geimpft sind, müssen sich in ihren eigenen vier Wänden oder einem sogenannten Corona-Hotel in Quarantäne begeben und bei Ankunft einen Corona-Test machen. Den Test müssen auch Geimpfte durchführen lassen, die Isolierung jedoch fällt für sie weg.

Währenddessen zeigt eine neue Studie, dass lediglich einer von 1500 zweifach Geimpften positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Von 1,82 Millionen immunisierten Israelis waren es bis Ende Februar lediglich 1248. Das entspricht etwa 0,07 Prozent. Dies, so das Gesundheitsministerium, gebe Grund zur Annahme, dass die Vakzine tatsächlich die Covid-Abteilungen der Krankenhäuser leeren werden.

Unter anderem aus diesem Grund beschloss das Corona-Kabinett am Montag, dass es ab 7. März die kommende Stufe der Erleichterungen einführen wird: Schüler der Klassen sieben bis zehn werden in Ortschaften mit geringer Infektionsrate – oder in denen mehr als 70 Prozent der über 50-Jährigen geimpft sind – wieder im Präsenzunterricht unterrichtet.

WAHL Darüber hinaus soll zur dritten Phase des »Exits aus dem Lockdown« gehören, dass kleine Restaurants sowie Cafés wieder Kunden empfangen dürfen. In größeren Lokalen soll es dann mit einer Vorab-Reservierung möglich sein, einen Tisch zu bestellen. In Hotels darf mit dem grünen Gesundheitspass eingecheckt werden, den vollständig Geimpfte von ihrer Krankenkasse erhalten.

Die Rate der positiven Corona-Tests war in den vergangenen Wochen stetig gesunken. Während sie sich während des nationalen Lockdowns lange um neun bewegte, liegt sie jetzt bei 4,9 Prozent. Ebenso geht die Zahl der ernsthaft erkrankten Patienten in den Krankenhäusern zurück. Derzeit werden landesweit noch 704 Covid-19-Kranke behandelt.

Die Rate der positiven Corona-Tests war in den vergangenen Wochen stetig gesunken.

Insgesamt sind 5790 Menschen an den Folgen der Atemwegserkrankung gestorben. Der R-Wert, der am Wochenbeginn bei 1 lag, ist mittlerweile auf 0,97 gesunken. R beschreibt die Anzahl, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt. Ist der Wert über eins, bedeutet es, dass die Anzahl täglicher Neuinfektionen steigt.

pessach Noch allerdings sei die Gefahr nicht gebannt. Einer der Top-Gesundheitsexperten, der Generaldirektor im Gesundheitsministerium, Chezy Levy, warnte die Bevölkerung, dass Pessach vielleicht doch nicht mit den Lieben begangen werden könnte. In Bezug auf die neuesten Öffnungen der Wirtschaft sagte er in einem Interview im Radio 103FM: »Wir gehen alle davon aus, dass diese jüngsten Lockerungen der Corona-Beschränkungen von den Wahlen beeinflusst wurden, die Ende des Monats stattfinden.«

Er sagte, sein Ministerium habe sich dagegen ausgesprochen, die Minister des Kabinetts jedoch hätten für die Öffnung gestimmt, aufgrund ihrer politischen Agenda. »Und damit ist ein vierter Lockdown noch nicht vom Tisch.«

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