Sport

Rennen der Rekorde

25.000 Läufer aus aller Welt trafen sich in Israel. Foto: Flash 90

Ausschlafen war nicht drin. Ungefähr 25.000 Läufer haben sich am vergangenen Freitag um sechs Uhr dreißig in der Frühe im Charles-Clore-Park versammelt, um beim Tel-Aviv-Marathon über die Straßen der weißen Stadt zu flitzen. Und das, obwohl ihnen aufgrund der Zeitumstellung eine Stunde Motivationsschlaf geraubt worden war.

Der Kenianer Sammy Too hat mit einer neuen Rekordzeit von zwei Stunden, 15 Minuten und 15 Sekunden als Erster die 42 Kilometer lange Strecke bewältigt und die 10.000 US-Dollar Preisgeld eingestrichen. Inzwischen gilt der »Gillette-Marathon« als eines der größten Sportereignisse in Israel.

Für den diesjährigen Wettbewerb wurden insgesamt sieben Rennstrecken mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden festgelegt. Darunter waren auch eine 420 Meter lange Kinderroute für kleine Sportler und eine besondere Strecke für Menschen mit Behinderungen.

ehrenplatz »2012 wird uns als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem Tel Aviv einen Ehrenplatz bekommen hat, der für bekannte Marathon-Städte wie New York, London und Berlin reserviert schien«, schwärmte Oberbürgermeister Ron Huldai schon kurz bevor er das Startsignal für die Sportler gab.

Stolz fügte Huldai hinzu, dass sich in diesem Jahr Menschen aus mehr als 43 Ländern für die Veranstaltung angemeldet hatten. Darunter auch viele Deutsche, die als Einzelpersonen oder in Teams wie Lufthansa und TEVA-Ratiopharm gekommen waren.

»Wir sind mit zehn Leuten extra aus Ulm angereist«, erzählt Reinhard Levyn von der Ratiopharm-Gruppe. »Einige von uns sind bereits 2011 beim ersten Jerusalem-Marathon dabei gewesen. Ende 2010 hat uns TEVA im Zuge der Wirtschaftskrise übernommen. So konnten wir schon vor dem Jerusalem-Rennen mit einigen Läufern aus Israel Kontakt aufnehmen.

Wir wurden hier sehr herzlich empfangen, mit Werksbesichtigung und gemeinsamem Essen. Natürlich haben wir sie auch eingeladen, nächstes Mal bei uns in Ulm mitzulaufen, wo unser Team die größte Laufgruppe stellt«, sagt Levyn, der sich trotz der Bombenexplosion kurz vor dem Jerusalem-Marathon im vergangenen Jahr nicht von der diesjährigen Reise hat abschrecken lassen.

Auch Tilbert Kosmehl hatte trotz der aktuellen Spannungen mit dem Iran vor Antritt seines ersten Tel-Aviv-Laufs keine Angst vor Terroranschlägen: »Mir ist einmal bei dem Gedränge an der Startlinie der Gedanke durch den Kopf gegangen, dass unter den vielen Leuten auch irgendein Idiot dabei sein könnte. Aber als es dann losging, habe ich nicht mehr daran gedacht«, sagt der 33-jährige Berliner, der mit seinem Freund Tal Pery für eine Rundreise und den Tel Aviver Halbmarathon nach Israel gekommen ist.

Politisch Tal ist das Rennen in Jerusalem, das nur eine Woche zuvor stattgefunden hatte, zu politisch gewesen. »Die Veranstaltung wurde von der Stadtverwaltung organisiert, und man läuft dort nicht nur durch jüdische, sondern auch durch arabische Viertel.

Dort mitzumachen, wäre für mich ein politisches Zeichen gewesen«, erklärt der gebürtige Israeli, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt. Außerdem sei die Jerusalemer Strecke im Vergleich zu Berlin oder Tel Aviv viel zu unattraktiv: »Jerusalem ist sehr hügelig, und auf dem Weg liegen viel zu viele Steine. Es ist bekannt, dass da die Verletzungsgefahr erheblich höher ist.«

Doch auch in Tel Aviv mussten dieses Mal etwa 100 Läufer vom Magen David Adom behandelt werden. Noch mehr haben sich wahrscheinlich bereits während der Laufübungen verletzt: »Ich spiele schon seit meinem sechsten Lebensjahr Tennis und bin daran gewöhnt, stundenlange Turniere durchzuhalten«, versichert Mirjam Rosa Heuberger, die aufgrund einer Knieverletzung kurzfristig abspringen musste.

»Es ist eben doch eine ganz andere Belastung für den Körper. Es gibt keine Kurzsprints wie beim Tennis, und man kann auch keine Mini-Pausen einlegen.« Die Frankfurterin, die bereits seit zwei Jahren in Tel Aviv lebt, hat sich mit ihren beiden Freundinnen schon vor dreieinhalb Monaten für das Rennen registrieren lassen. »Aber am Ende sind bei uns leider alle ausgefallen.«

Rekord Solche Probleme kennt Wendelin Lauxen sicher nicht. Der Aschaffenburger ist auf seinem Weg ins Guinness-Buch der Rekorde auch kurz durch Tel Aviv gejoggt. In rund drei Wochen ist der 50-Jährige, der erst seit elf Jahren an Langstreckenläufen teilnimmt – »ohne eine Blase am Fuß« –, bereits 253 Kilometer auf fünf Kontinenten gelaufen.

»Nach so gefährlichen Marathons wie dem in Motutapu (Neuseeland) oder dem Antarktismarathon sind die paar Brücken und Anstiege entlang der Strandpromenade keine großen Hürden mehr«, lächelt der Mann, der sich selbst als »Hobby-Läufer« bezeichnet und innerhalb von 29 Tagen dreimal so viele Läufe wie ein Profiathlet in drei Jahren zu absolvieren gedenkt.

Für das Ziel motiviere ihn der Wunsch, schwerkranken Kindern wieder auf die Beine zu helfen: »Ich möchte sieben Marathons auf jedem Kontinent laufen, um mit meiner Spendenaktion Kindern lebenswichtige Operationen zu ermöglichen«, erläutert Lauxen, dessen Ausdauer noch bis zum 7. April für den Kapstadt-Marathon reichen muss. Danach hofft er, bei einer feierlichen Zeremonie in Frankfurt ins Guinness-Buch eingetragen zu werden.

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