Koalitionsverhandlungen

»Regierung für den Frieden«

Yair Lapids »Jesch Atid« ist als zweitstärkste Partei aus den Wahlen hervorgegangen. Foto: Flash 90

Die Koalitionsverhandlungen haben begonnen. Zum Wochenbeginn hatte Staatspräsident Schimon Peres den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt. Wie erwartet an den alten und neuen Premierminister Benjamin Netanjahu vom Likud. Jetzt gilt es, die Parteien an einen Tisch zu bringen und eine Regierung zu bilden, die »so breit ist wie möglich«, wie Netanjahu im Anschluss versprochen hat.

Yair Lapid, dessen »Jesch Atid« als zweitstärkste Partei aus den Wahlen hervorgegangen ist, legte bereits eine Liste mit Forderungen vor. Das sind unter anderem die Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit den Palästinensern, eine Reform des Militärdienstes, eine Reduzierung der Ministerposten, was Zeitungsberichten zufolge Einsparungen von Dutzenden Millionen Euro jährlich ins Staatssäckel bringen könnte. Vor allem die ministerialen Jobs ohne besonderen Aufgabenbereich, von denen es im Netanjahu-Kabinett zahlreiche gibt, sind dem Knesset-Neuling ein Dorn im Auge.

Chefsessel Außerdem will Lapid das Außenministerium – wohl für sich selbst –, sowie das Bildungs-, Justiz- und Bauministerium für seine Fraktion herausschlagen. Besonders diplomatisch gibt sich der ehemalige Journalist dabei nicht. Sollten die Wünsche nicht erfüllt werden und seine Partei in die Opposition gehen müssen, habe er vor, innerhalb von 18 Monaten Neuwahlen herbeizuführen und dann Netanjahus Posten zu übernehmen, berichtete das Armeeradio am Montag.

Äußerungen, die beim Premier offenbar auf großen Unmut stoßen. »Wer will schon mit jemandem in einer Regierung sitzen, der ganz offenkundig auf den Chefsessel schielt?«, hieß es daraufhin aus Likudkreisen. Zumal Lapid offensichtlich auf jeden Fall das »Jüdische Haus« dabeihaben will. Gemeinsam mit dessen Vorsitzendem Naftali Bennett will er offenbar die strengreligiösen Parteien wie Schas aus der Regierung ausschließen. Denn es ist klar, dass die Ultraorthodoxen niemals der Rekrutierung ihrer Jeschiwa-Studenten für die Armee zustimmen würden.

Gespräche Dieser Tage geben sich die Parteien im Kfar Maccabia die Klinken in die Hand. Nicht alle werden bei den Gesprächen zufriedengestellt und in die Regierung aufgenommen werden. Es gibt es zwei mögliche Szenarien für die 19. Knesset: eine Koalition zwischen Likud/Israel Beiteinu und Jesch Atid, dem Jüdischen Haus sowie eventuell Zipi Livnis Hatnua und Kadima, die sich vor allem der Gleichbehandlung beim Armeedienst widmen könnte.

Die andere Option, die eher Gespräche mit den Palästinensern möglich machen würde, ließe die nationalreligiöse Partei Jüdisches Haus außen vor. Netanjahu wird sich entscheiden müssen. Der Auftrag, den ihm Peres gegeben hat, lautet in jedem Fall: »Bilde eine Regierung, die sich dem Frieden verschreibt!«

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Politik

Netanjahu-Vertrauter rechnet mit Likud ab

Der langjährige Likud-Politiker Zachi Hanegbi will am 27. Oktober erstmals seit fast 50 Jahren nicht für den Likud stimmen. In einem Zeitungsbeitrag nannte der 69-Jährige die Gründe

von Sabine Brandes  22.10.2026

Israel

Eizenkot: »Werde in keine Regierung mit Netanjahu eintreten«

Der Herausforderer des Regierungschefs hat ausgeschlossen, mit ihm eine Koalition einzugehen, und kritisiert den Premier für dessen Versagen vor dem 7. Oktober

von Sabine Brandes  22.10.2026

Wahlen

»Ein Geschenk an Israels Feinde«

Yair Lapid wirft Israels Premier Netanjahu vor, mit Provokationen gegenüber dem Iran aus Wahlkampfkalkül die Sicherheit des Landes aufs Spiel zu setzen

von Sabine Brandes  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Nahost

Israelische Kampfjets fliegen bis an iranische Grenze – Sorge vor Eskalation vor der Wahl

Was passierte im Luftraum über Syrien und dem Irak und warum?

 22.10.2026

Jerusalem

Netanjahu: »Alle Feinde Israels wollen, dass ich verliere«

Der israelische Ministerpräsident wirft Iran und verbündeten Gruppen vor, die bevorstehende Wahl beeinflussen zu wollen

 22.10.2026

Gaza/Jerusalem

Hamas droht mit neuem Angriff nach dem Muster des 7. Oktober

Die palästinensische Terrororganisation hat Israel über einen UN-Vermittler mit einem weiteren Massaker gedroht haben. Die Warnung bezieht sich auf mögliche Anschläge in Israel und im Ausland

 22.10.2026

Israel

Knessetwahl: Soldaten können bereits abstimmen

In weniger als einer Woche wählt Israel ein neues Parlament. Bereits jetzt dürfen Soldaten die Wahlkabinen betreten - diese werden ihnen bis in den Libanon und nach Syrien gebracht

 21.10.2026