Westjordanland

Recht auf Annexion?

David Friedman, US-Botschafter in Israel Foto: Flash 90

Der amerikanische Botschafter in Israel, David Friedman, hat sich in Sachen Annexion des Westjordanlandes geäußert. In einem Interview mit der »New York Times« sagte er am Wochenende, dass »Israel unter gewissen Umständen das Recht hat, Teile des Palästinensergebietes – aber nicht alles – zu behalten«. Was diese Umstände sein könnten, ließ Friedman indes offen. Die palästinensische Führung und linksliberale Kräfte in Israel äußerten zum Teil scharfe Kritik.

Es war dabei unklar, um welche Gebiete es sich handeln könnte und ob eine eventuelle Übernahme im Zusammenhang mit dem Friedensplan stehen würde, der von Donald Trumps Verwaltung angekündigt ist. Teile des »Deal of the century« hätten auf einer Wirtschaftskonferenz in zwei Wochen in Bahrain vorgestellt werden sollen. Doch die Neuwahlen in Israel im September werden wahrscheinlich für eine Verzögerung sorgen.

Der Chefverhandler der Palästinenser, Saeb Erekat, twitterte nach Friedmans Aussagen: »Ihre Vision ist es, besetztes Gebiet zu annektieren. Das ist nach internationalem Recht ein Kriegsverbrechen.«

SOUVERÄNITÄT Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu jedoch hatte vor den vergangenen Wahlen im April bereits angekündigt, dass er sich bemühen werde, einige jüdische Siedlungen im palästinensischen Westjordanland zu annektieren oder dort »eine vollständige israelische Souveränität anzuwenden«. Im Armeeradio machte er damals deutlich, dass es möglich sei, Siedlungen innerhalb eines graduellen Prozesses einzugliedern. Er wolle dafür zuvor jedoch die amerikanische Zustimmung haben.

Friedman wollte sich nicht zu einer Einschätzung der Reaktionen auf die Angelegenheit aus dem Weißen Haus hinreißen lassen.

Friedman wollte sich nicht zu einer Einschätzung der Reaktionen auf die Angelegenheit aus dem Weißen Haus hinreißen lassen. »Wir haben wirklich keine Meinung, bis wir verstehen, wie viel, zu welchen Bedingungen, inwieweit es Sinn ergibt, warum es gut für Israel und die Region ist, und ob es nicht mehr Probleme schafft als es löst«, so der Gesandte. »All diese Dinge müssen wir verstehen, und ich will es nicht vorab beurteilen.« Er machte jedoch klar, dass die Palästinenserführung »derzeit das Problem« sei.

GOLANHÖHEN Das amerikanische Außenministerium veröffentlichte anschließend, dass die Position der REgierung sich nicht geändert habe. »Kein Plan für eine unilaterale Annexion jeglicher Teile des Westjordanlandes ist den USA von Israel vorgelegt worden. Es wird auch nicht diskutiert.« Netanjahu hatte jedoch zuvor erklärt, dass dieses Thema bereits seit einem halben Jahr mit den Amerikanern besprochen werde.

Vor einigen Wochen hatte Donald Trump als erster Präsident der USA Israels Souveränität über den israelischen Teil der Golanhöhen anerkannt. Jerusalem hatte diesen Landstrich in den 80er-Jahren annektiert und dort israelisches Recht eingesetzt. Das Westjordanland hatte Israel im Sechstagekrieg von 1967 erobert und besetzt. Bis heute hält es die Kontrolle in verschiedenen Stufen über das Gebiet.

Susanne Stephan

Kommentar

Eines demokratischen Staates unwürdig

Israelische Behörden gehen immer rigoroser gegen Medienschaffende vor, die Kritik an der Regierung äußern. Diese Verbote schwächen am Ende die Demokratie und damit den jüdischen Staat als Ganzes

von Susanne Stephan  19.10.2026

Westjordanland

Zehn extremistische Siedler nach Gewaltexzess festgenommen

Präsident Isaac Herzog entschuldigt sich bei Opfern. Zugleich fordert eine Menschenrechtsorganisation eine Hotline für Notfälle im Westjordanland

von Sabine Brandes  19.10.2026

Westjordanland

Israels Armee räumt illegale Außenposten im Westjordanland

Als lasch kritisierte Gerichtsurteile gegen radikale Siedler helfen eher Wiederholungstätern als den Sicherheitskräften

 19.10.2026

Belfast

Barack Obama wirft Israel Landraub vor

Der jüdische Staat sei »zu weit gegangen«, sagt der frühere US-Präsident. Die Reaktion der Palästinenser auf die »jüdische Kontrolle über das Gebiet« sei deshalb aus ihrer Sicht nachvollziehbar gewesen

 19.10.2026

Israel

Trump stellt sich vor der Wahl hinter Netanjahu

Neun Tage vor der Parlamentswahl spricht der US-Präsident dem israelischen Ministerpräsidenten seine »volle und uneingeschränkte Unterstützung« aus. Netanjahu bedankt sich prompt

 18.10.2026

Israel

Führung und Verantwortung

Benjamin Netanjahus ehemaliger Militärsekretär erhebt Vorwürfe gegen den Premier

von Sabine Brandes  18.10.2026

Nahost

Bericht: Siedler attackieren EU-Diplomaten im Westjordanland

Maskierte Männer umstellen ein Diplomatenfahrzeug bei der Olivenernte im Westjordanland. Auch eine US-Fotografin wird verletzt

 18.10.2026

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026