Psychologie

Realität nach der Reality

Teilnehmer der Realityshow »Big Brother« Foto: Flash 90

Wie fast überall in der Welt suchen auch in Israel junge Leute vermeintlichen Ruhm in mehr oder minder erfolgreichen Reality-Shows wie »Big Brother« oder »The Voice«. Die meisten von ihnen sind dem Gedächtnis der Zuschauer schon beim Ab- spann entschwunden.

Doch nicht alle Teilnehmer stecken das plötzliche An und Aus des Rampenlichtes einfach weg. In einer speziellen Gruppen-Psychotherapie in Tel Aviv können Reality-TV-Geschundene nun lernen, mit dem Leben nach den Kameras zurechtzukommen.

DEPRESSION Bislang sitzen fünf ehemalige Teilnehmer zweimal die Woche zusammen und sprechen über ihre Probleme, nachdem die Fans ihre Autogramme in den Papierkorb entsorgen. Gruppenleiter und Psychologe Etan Tamir erklärt, worum es geht: Oft komme es zu einer Depression, wenn der Erfolg verblasst. »Reality-Show-Teilnehmer sind extremen Geschehnissen ausgesetzt. Sie erzielen mit ihren Auftritten riesige Einschaltquoten. Das Hochgefühl, das dabei entsteht, ist nur schwer zu erklären. Ebenso die verletzten Gefühle am Tag danach.«

Viele würden bald erkennen, dass ihr Ruhm nicht lange anhält und sie in ihr normales Leben zurückkehren müssen. »Für die Shows haben die meist sehr jungen Menschen ihr Innerstes enthüllt, und nun sind sämtliche Träume zerschmettert, manchmal denken sie, das ganze Leben ist vorbei.«

klage In Israel ereigneten sich bereits einige Tragödien im Zusammenhang mit den Shows, die das Land überschwemmen. Vor fünf Jahren brachte sich ein ehemaliger Teilnehmer der Sendung »Project Y« um, vor vier Monaten beging Gilad Persinsky von »Schalosch« Selbstmord. Zudem verklagte jüngst der einstige »Big Brother«, Sahar Scheinfain, die Macher der Sendung auf Schadenersatz. Sein Vorwurf: Die Containerbewohner wurden unter Psychodrogen gesetzt, damit sie extremer reagieren und die Quoten in die Höhe treiben.

Der mittlerweile wieder in der Versenkung verschwundene Scheinfain erklärte damals im Anschluss an den Dreh: »Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte das Publikum nicht gesehen, was es gesehen hat«, klagt der ehemalige Teilnehmer an. »Nicht ich war zu sehen, sondern nur eine deprimierte Marionette.«

Medien

Geglaubt und geteilt

»Antisemitismus«, definierte Adorno, sei »das Gerücht über Juden«. Was ist dann dessen Verbreitung? Die ARD muss sich einer längst fälligen Debatte stellen

von Esther Schapira  11.08.2026

Social Media

Shirin David, Bill Kaulitz und die Wassermelonen-Jünger

Bei der Rapperin reicht ein »Free Palestine« für die Verbündeten, bei dem Sänger ein »Tel Aviv! Love!« für die Gegner. Ein Kommentar

von Pola Sarah Nathusius  11.08.2026

Nahost

Israels Armee zerstört Haus im Westjordanland

Hintergrund ist eine tödliche Auseinandersetzung mit Siedlern und Soldaten im vergangenen Monat

 11.08.2026

Jerusalem

Netanjahu setzt umstrittenen Unternehmer auf Likud-Liste

Der neue Kandidat hatte US-Präsident Trump unlängst als »ein moralisch korrumpiertes Stück Scheiße« bezeichnet, revidierte seine Meinung jedoch nun. Derweil deutet sich im Likud ein Streit über Listenplätze an

 11.08.2026

Nahost

Israel erwartet Täuschung durch zwei arabische Staaten

Medienberichten zufolge soll der jüdische Staat mit scheinbaren diplomatischen Annäherungen in Sicherheit gewogen und dann angegriffen werden

 11.08.2026

Nordrhein-Westfalen

Medienminister übt scharfe Kritik an Georg Restle und dem WDR

Nathaniel Liminiski (CDU): »Israel und das Judentum sind kein Freiwild für jeden Vorwurf, auch nicht für Journalisten«

 11.08.2026 Aktualisiert

Archäologie

Die Fingerabdrücke von Qumran

Wie Wissenschaftler mithilfe von Künstlicher Intelligenz den Schriftrollen vom Toten Meer ihre letzten Geheimnisse entlocken wollen

von Sabine Brandes  11.08.2026

Diplomatie

Kolumbien erkennt Israels Souveränität über den Golan an

Die neue Regierung in Bogotá will auch die kolumbianische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. Unterdessen hat Israel Soforthilfe für die Opfer des schweren Erdbebens in Kolumbien zugesagt

 10.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026