Nahost

Raketen auf den Norden

Israelische Soldaten am 9. Mai im Golan Foto: dpa

Rund 20 Raketen sind nach Angaben der israelischen Armee in der Nacht zum Donnerstag aus Syrien auf den Norden Israels abgefeuert worden. »Die Geschosse wurden von den iranischen Al‐Quds‐Kräften abgefeuert«, heißt es in einer offiziellen Erklärung.

Einige von ihnen seien vom Raketenabwehrsystem »Iron Dome« abgefangen worden, andere auf syrischem Gebiet gelandet. Es gab keine Verletzten. Es ist die erste direkte militärische Auseinandersetzung zwischen Israel und dem Iran und die erste größere Aktion der Armee in Syrien seit dem Jom‐Kippur‐Krieg von 1973.

Schutzräume Die Sirenen hatten in der Nacht in den Golanhöhen geschrillt und die Bewohner aus dem Schlaf gerissen. Der Regionalrat im Golan wies die Bevölkerung an, die Schutzräume aufzusuchen. Die Armee forderte die Bevölkerung auf, sich ständig zu informieren. Instruktionen, in den Schutzräumen zu bleiben, gab es indes nicht.

Der iranische Angriff folgte auf Berichte aus Syrien, wonach Israel am Dienstagabend eine Militärbasis in der Nähe von Damaskus beschossen hatte, in der iranische Stellungen untergebracht waren. Kampfjets aus Israel hätten das Feuer eröffnet, hieß es. Jerusalem bestätigte dies jedoch nicht.

Auf die Raketen der vergangenen Nacht gab es eine militärische Vergeltung seitens Israel, die auch offiziell kommentiert wurde. Die Armee erklärte: »Israelische Kampfjets haben in der Nacht Dutzende Ziele beschossen, die den iranischen Al‐Quds‐Einheiten auf syrischem Gebiet gehören« und listete die verschiedenen Stellungen des »weitreichenden Angriffs« auf.

Darunter befanden sich das logistische Hauptquatier der Al‐Quds‐Einheiten, iranische Geheimdienstanlagen, militärische Lagerhäuser und Militärbasen. Außerdem sei die Raketenabschussrampe zerstört worden, von der die Geschosse auf Israel gefeuert worden waren. Angaben zu Toten oder Verletzten gab es bislang nicht.

Régime »Die iranische Aggression ist ein weiterer Beweis für das Vorhaben des Teheraner Regimes in Syrien und die Gefahr, die dies für Israel und die regionale Stabilität darstellt«, so die Armee. Sie machte jedoch gleichzeitig deutlich, dass sie keine Eskalation der Lage suche.

Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte, dass die IDF nahezu alle iranischen militärischen Infrastrukturen im Nachbarland zerstört habe. Er warnte das Régime in Teheran, Anschläge auf israelisches Territorium durchzuführen: »Wenn ihr uns Regen gebt, bringen wir euch die Flut. Wir werden es dem Iran nicht erlauben, Syrien als Basis zu nutzen, um uns zu beschießen.«

Von einem Krieg aber wollte Lieberman nicht reden: »Es ist kein Sieg. Alles ist auf den Moment der Konfrontation zwischen uns und den iranischen Al‐Quds‐Einheiten in Syrien beschränkt. Jeder will diese Konfrontation limitieren und diese Art der Auseinandersetzung beibehalten.«

Sicherheitsminister Gilad Erdan fügte hinzu, dass »Israel nicht blufft«, und Yair Lapid von der Oppositionspartei Jesch Atid machte klar, dass »wir keine iranischen Angriffe auf unser souveränes Territorium akzeptieren werden«.

sElbstverteidigung Die USA und auch Russland betonten das Recht Israels auf Selbstverteidigung. Russland sei vor dem Angriff Israels informiert worden. Die Spannungen zwischen Jerusalem und Teheran dauern bereits seit Monaten an.

Zu Berichten über iranische Angriffe auf israelische Einheiten sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin: »Mit großer Sorge sehen wir Berichte über iranische Raketenangriffe auf israelische Armeeposten in der vergangenen Nacht. Diese Angriffe sind eine schwere Provokation, die wir auf das Schärfste verurteilen. Israel hat, das haben wir immer betont, ein Recht auf Selbstverteidigung.‎« Zugleich sei entscheidend, dass es »jetzt nicht zu einer weiteren Eskalation kommt. ‎Das bedeutet insbesondere auch, dass wir alles unternehmen müssen, damit es endlich zu einer nachhaltigen politischen Lösung des Syrien‐Konflikts kommt – um das Leiden der syrischen Bevölkerung zu beenden, aber auch, um die Stabilität in der gesamten Region nicht weiter zu gefährden.«

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