Jerusalem

Proteste gegen die Armee

Tausende von Charedim protestierten am Dienstagabend gegen die Verhaftung von Jeschiwa-Studenten, die einem Aufruf zum Wehrdienst nicht Folge leisteten. Foto: Flash 90

Tausende von ultraorthodoxen Männern haben am Dienstagabend in Jerusalem gegen die Verhaftung von Jeschiwa‐Studenten demonstriert, die einen Aufruf der Armee zur Einberufung ignoriert hatten.

Das Problem schwelt schon lange in der israelischen Gesellschaft und führt immer wieder zu Massendemonstrationen. Eingeschriebene Religionsstudenten waren seit der Staatsgründung vom Militärdienst ausgenommen.

Oberster Gerichtshof Doch steigende Zahlen und Skandale wegen fingierter Statistiken der Jeschiwot sorgten dafür, dass der Streit um den Wehrdienst vor dem Obersten Gerichtshof landete. Dieses entschied, dass die Ausnahme für die Religiösen verfassungswidrig sei, weil sie dem Gleichheitsgrundsatz widerspreche.

2014 wurde die Reform des sogenannten Tal‐Gesetzes in der Knesset angenommen. Demzufolge müssen auch ultraorthodoxe Männer militärischen oder Zivildienst leisten. Folgen sie dem nicht, drohen drakonische Strafen, unter anderem Gefängnis. So lautet zumindest die Theorie. In der Praxis jedoch gab es durch den Druck der ultraorthodoxen Parteien zunächst eine Verlängerung der Ausnahmeregelung bis 2017, dann bis 2020 und jetzt sogar bis 2023.

Dennoch geschieht es immer wieder, dass Einzelne festgenommen werden, wenn sie alle Schreiben der Armee unbeantwortet lassen. Und dann kocht der Zorn der streng religiösen Gemeinde hoch. Am Dienstag sollen es mehr als 10.000 Männer gewesen sein, die nach dem Aufruf ihrer religiösen Oberhäupter ihrem Unmut Luft machten.

Straßensperren Obwohl die Demonstration nicht angemeldet und somit illegal war, entschloss sich die Polizei, sie nicht aufzulösen, sondern unter strikter Überwachung stattfinden zu lassen. In den vergangenen Wochen waren immer wieder kleinere Proteste ausgebrochen, die meist gewalttätig verliefen, mit brennenden Mülltonnen und Straßensperren.

Der Protest am Dienstagabend verlief weitgehend friedlich, die Wortwahl der Sprecher und auf Plakaten jedoch war wie gewöhnlich extrem: »Es ist besser, erschossen zu werden, als in die Armee zu gehen« oder »Die Einberufung ist ein Holocaust für die Welt der Tora« und Ähnliches war auf den Schildern zu lesen.

Der Protest war zum Großteil von der Gemeinde von Rabbiner Schmuel Auerbach initiiert worden. Der Rabbiner, der zur Gruppe der »Litaim« zählt und früher der charedischen »Degel Ha-Tora«-Partei angehörte, hatte seine Anhänger aufgefordert, jegliche Schreiben der Militärbehörden zu ignorieren.

Das Prozedere erfordert jedoch, dass der entsprechende junge Mann einmal persönlich im Armee‐Rekrutierungsbüro erscheint, um dort seine Befreiung vom Dienst zu erhalten. Die Armeeführung erklärte zu den Protesten: »Wir verurteilen jegliche Form von Militärdienstverweigerung.«

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