ESC

Phänomenales Einhorn auf Platz drei

Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Sie hat alles gegeben! Nach einer grandiosen Show beim Eurovision Song Contest liefen bei Noa Kirel noch auf der Bühne die Tränen. Doch mit der Aufregung war es da noch nicht vorbei. Erst nach nervenzermürbenden letzten Minuten der Abstimmung war klar: Israels Noa hat es mit ihrem »Unicorn« auf Platz drei geschafft. Gewinner des weltgrößten Gesangswettbewerbs ist Laureen aus Schweden mit ihrer Ballade »Tattoo«.

ABSTIMMUNG Ein Ergebnis, das den Voraussagen entsprach. Doch die Abstimmung des ESC ist zweigeteilt. Während die Länderjurys einzelne Punkte für die Darbietungen abgeben, kann die Abstimmung der Öffentlichkeit im Endeffekt alles wieder ändern.

Zwar erhielt Laureen von Anfang an die meisten Zwölfer-Stimmen der europäischen Länder und stand fest auf dem obersten Platz der Tabelle, doch Publikumsliebling war ein anderer. Schon vor der Bekanntgabe des Ergebnisses der Zuschauerstimmen tönte das Publikum in der Halle immer wieder »Cha Cha Cha«. Der Mix aus »Industrialmetal und Hyperpop« des Finnen Käärijä kam gut an und rauschte durch das höchste Publikumsergebnis an allen anderen vorbei auf den zweiten Platz mit insgesamt 526 Punkten.

Die Choreographie war eine der besten des Wettbewerbs und so wie die zungenbrecherische Zeile: »phänome – phänome – phänomenal«.

Doch Laureen konnte er auch damit nicht mehr überholen. Die Schwedin gewann mit 583 Punkten vor Käärijä, dem Kirel mit 362 Punkten folgte. Auf Platz vier hat es unerwartet Italien mit einer typischen Italo-Ballade von Marco Mengoni geschafft. Der Wettbewerb war in diesem Jahr in Liverpool ausgetragen worden. Im Jahr zuvor hatte das ukrainische Kalush-Orchestra gewonnen, doch wegen des Krieges in dem osteuropäischen Land übernahm Großbritannien die diesjährige Veranstaltung.

ENERGIE Kirel war schon vor der Show von den Wettenbüros als eine der obersten Zehn gehandelt worden. Dass das Ergebnis so gut ausfiel, überraschte dennoch und ist ganz der Energie und dem Können der jungen Künstlerin aus Hod Hascharon zu verdanken. Kirel, professionelle Sängerin und Tänzerin, legte eine atemlose Show hin. Die Choreographie war eindeutig eine der besten des Wettbewerbs und so wie die zungenbrecherische Zeile in ihrem Lied: »phänome – phänome – phänomenal«.

Die Bedenken, dass ein schlechtes Abschneiden ihrer internationalen Karriere eventuell schaden könnte, muss die 22-Jährige nun nicht mehr haben. Schon vor dem Finale zeichnete sich ab, dass sie mit ihrer Performance ganz auf einer Wellenlänge mit den ESC-Fans liegt. Auf der Videoplattform YouTube hatte sie mit mehr als 5.2 Millionen die meisten Views aller Eurovision-Songs bekommen.

EINHÖRNER Mit »Unicorn«, einem Dance-Popsong, der auch orientalische Elemente enthält, riss die Künstlerin bei der Live-Veranstaltung das Publikum förmlich von den Sitzen. Die Antwort auf ihre Frage »Wanna see me dance?« war eindeutig: Europa wollte Noa tanzen sehen – und Europa gefiel, was es sah! Nach dem Ergebnis bedankte sie sich bei den Unterstützern: »Ich habe keine Worte. Danke, danke, danke. Ich liebe euch, meine Einhörner.«

In der Pause trat auch die ehemalige Gewinnerin des ESC, Netta, auf. Die hatte es mit ihrem Lied »Toy« 2018 auf den ersten Platz geschafft. Hinter der Bühne verkürzten sich die beiden charismatischen Israelinnen die Zeit und sangen ein Spontan-Medley ihrer Hits.

Die Antwort auf ihre Frage »Wanna see me dance?« war eindeutig: Europa wollte Noa tanzen sehen.

In Israel hatte man sich vor dem ESC gesorgt, dass die politische Lage den Auftritt negativ beeinflussen könnte. Doch dem war ganz offenbar nicht so. Eine Stunde nach dem Beginn der Show hatten sich Israel und die Terrorgruppe Islamischer Dschihad nach fünf Tagen der Kämpfe auf einen Waffenstillstand geeinigt. Zwar flogen noch vereinzelt Raketen gen Israel, doch mittlerweile scheint es, als würde die Feuerpause halten.

Nach dem ESC-Ergebnis wandten sich auch israelische Politiker an die Künstlerin. Der Kultur- und Sportminister Miki Zohar twitterte: »Für uns hast du gewonnen«. Und auch Premierminister Benjamin Netanjahu gratulierte: »Voller Respekt für Noa Kirel. Du bist phänomenal – und für uns die Nummer eins.«

Nahost

Israel stellt sich auf Wiederaufnahme des Iran-Kriegs ein

Israel ist laut Netanjahu mit Blick auf die Region »auf jedes Szenario vorbereitet«. Ein Drohnenangriff auf ein Atomkraftwerk in den Emiraten schürt die Sorge vor einer neuen Eskalation

 17.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

Haaretz berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Wirtschaft

Energiezentrum in Nahost

Die Gasfelder im östlichen Mittelmeer könnten für mehr Stabilität in der Region sorgen – gäbe es keine kriegsbedingten Ausfälle

von Sabine Brandes  17.05.2026

Eurovision Song Contest

Flaggen, Glitzer und Herzchen für Noam

Tausende feiern das ESC-Finale am Strand von Tel Aviv – mit Tanz, Drag Queens, spontanen »Michelle«-Gesängen und Jubel über Israels zweiten Platz

von Sabine Brandes  17.05.2026

Zoo

Eine Elefantin als Ehrenbürgerin

Trauer und Neubeginn: Israels berühmtestes Wildtier ist im Alter von 65 Jahren gestorben. Ihr ehemaliges Zuhause, der »Ramat Gan Safari Park«, zieht bald nach Tel Aviv

von Sabine Brandes  17.05.2026

Nahost

Stille Wende im Krieg: Emirate und Saudi-Arabien griffen Iran an

Nach Irans Angriffen wiederholten die Golfstaaten das Mantra vom Recht auf Selbstverteidigung. Jetzt wird bekannt, dass zwei von ihnen auch zurückschlugen - und eine wichtige Schwelle überschritten

von Johannes Sadek, Weedah Hamzah  17.05.2026

Gazastreifen

Israel tötet Hamas-Militärchef

Iss al-Did al-Haddad gilt als letzter Drahtzieher der Massaker vom 7. Oktober

 17.05.2026

Meinung

Ein Mutmacher in trüben Zeiten

Die Abstimmung für Noam Bettan beim Eurovision Song Contest zeigt, dass sich die Bürger nicht so einfach von israelfeindlicher Propaganda beeinflussen lassen

von Daniel Killy  17.05.2026

Eurovision Song Contest

Als die Zuschauer abstimmten, rutschte Israel deutlich nach oben

Das Zuschauervoting mit einer Abstimmung für Israels Ansehen zu verwechseln, wäre ein Fehler. Aber es sagt etwas über ESC-Fans

von Martin Krauss  17.05.2026