Tel Aviv

Party, Party, Party

Sie ist wie die saftigste Orange. Prall gefüllt mit Leben schmiegt sich diese urbane Oase an die Mittelmeerstrände des Nahen Ostens. Den Vergleich braucht sie nicht zu scheuen. Nicht mit Berlin, nicht einmal mit dem Big Apple. Immer öfter macht sie als aufregende Party‐ und Modemetropole von sich reden. Bauhaus und Bohème, Business und Beach. Hedonistische Metropole im Norden, antikes Fischerdorf im Süden. Das und noch viel mehr ist Tel Aviv. Rund um die Uhr wogt hier die Lebenslust mit überschäumender Energie. Spätestens nach einer durchtanzten Nacht auf dem Frühlingshügel – wie ihr Name verheißt –, lässt sie einen nicht mehr los. National Geographic kürte sie zu einer der zehn besten Strandstädte aller Zeiten. Richtig so, finden wir, und nehmen Sie mit zu 48 Stunden in einem der aufregendsten Orte des Globus. Eine Reportage von Sabines Brandes (Text) und Stephan Pramme (Fotos).

1. Tag

8.00 Uhr Zum Strand sind es lediglich einige wenige Stufen. Machen Sie es wie die Einheimischen: Etwas Morgengymnastik im Sand, zum Abkühlen rein in die Fluten. Der perfekte Start in einen erlebnisreichen Tag.

9.00 Uhr Frühstück im Benedikt – Ben Yehuda 171 oder Rothschild 29 – muss sein. 24 Stunden bietet dieses stylische doch gemütliche Café alles rund um die erste Mahlzeit am Tag. Versuchen Sie Schakschuka, Eier in einer würzigen Tomatensauce.

10.00 Uhr Die kleine Bialik‐Straße ist eine der charmantesten der ganzen Stadt. Rechts vom Brunnen liegt das Haus des Nationaldichters Chaim Nachman Bialik, in das Sie schon allein wegen der Innengestaltung einen Blick werfen sollten. Das weiße Haus nebenan war früher die ehemalige Stadtverwaltung, wo der erste Bürgermeister der Stadt, Meir Dizengoff, schaltete und waltete. Heute beherbergt sie das Museum für die Geschichte von Tel Aviv, die anhand von persönlichen Fotos der Bewohner erzählt wird.

11.30 Uhr Besuchen Sie den Schuk Ha’Carmel, den kunterbunten Markt im Herzen der Stadt. Oben werden sie von Marktschreiern begrüßt, die lauthals ihre »garantiert kopierten« Jeans, T‐Shirts und Sonnenbrillen anbieten. Auf dem Weg nach unten findet sich allerlei Kitsch und Klimperkram. Ab der Mitte wird es kulinarisch, das Probieren ist ausdrücklich erwünscht. Parallel zum Schuk verläuft die nette Fußgängerzone Nachalat Benjamin mit vielen kleinen Geschäften.

Die eigentliche Attraktion ist der Handwerkermarkt jeden Dienstag und Freitag (bis circa 16 Uhr). Von Schmuck über Keramik bis zu Kinderspielzeug und ausgefallenen Accessoires wird alles Mögliche angeboten. Tolle Mitbringsel. Besonders schönen Schmuck hat Michal Shabtai (recht weit oben, linke Seite). Straßenmusikanten sorgen für die passende Untermalung.

Haben Sie Kaffeedurst, stillen Sie ihn doch im Loveat – Hausnummer 3. Hier ist alles organisch, die kabellose Internetverbindung kostenlos. Suchen Sie sich einen Platz im entzückenden Garten.

Wenn Sie gern wühlen, werden Sie sich im Schuk Bezalel wie zu Hause fühlen. Im Klamottenmarkt (Durchschnittspreis für ein Kleidungsstück etwa zwei Euro) gilt: Wer suchet, der findet sicher ein besonderes Schätzchen – Bezalel‐Straße.

14.00 Uhr Schon eine Institution ist das Restaurant Orna and Ella, Scheinkin 33, Tel. 03–6204753. Nicht ganz billig, aber lohnend. Die Küchlein aus Süßkartoffeln mit kühler Joghurtsauce dürfen Sie sich nicht entgehen lassen.

Jetzt sind Sie schon mittendrin im hippsten Geschehen der Stadt. Auf der Scheinkin geht es um Sehen und Gesehenwerden. Seit Jahren schon wird diese Straße nicht müde, sich selbst zu inszenieren. Boutiquen, Schuhläden und Cafés reihen sich aneinander. Dazwischen tummeln sich zumeist schöne junge Menschen.

Israelische Designer sind bekannt für ihre einfallsreichen Kreationen, Naama Bezalel – Scheinkin 40 – ist eine von ihnen. Ausgefallene Schuhe gibt es in der heimischen Kette Gazit, die gleich mit mehreren Läden vertreten ist. Nett für die Lieben daheim sind die Seifen aus dem Shop Sabon Schel Paam. Obligatorisch nach der Shoppingtour ist ein Hafouch (die israelische Variante des Cappuccino) im Sous Etz – Hausnummer 20.

Haben Sie einen Durchhänger, gibt es nichts Besseres als einen Vitaminschock. Zu haben in Saftform an verschiedenen Ständen auf der Scheinkin und an der Dizengoff/Ecke Ben Gurion. Mixen Sie sich Ihren Drink aus den Bergen frischer Zutaten selbst. Besonders empfohlen: Mango, Orange und Dattel mit einem Hauch Zitronengras.

16.00 Uhr Am östlichen Ende trifft die Scheinkin auf den Rothschild Boulevard. Biegen Sie rechts ab und laufen Sie zwischen schattigen Birkenfeigen. Tel Aviv wird auch die weiße Stadt genannt. Grund ist der Bauhaus‐Stil, den die jüdischen europäischen Architekten nach der Machtergreifung der Nazis in den 30er‐Jahren mit ins Land brachten, darunter Zeev Rechter und Richard Kauffmann. Nirgends auf der Welt gibt es mehr Bauhaus‐Bauten als hier, mehr als 4.000. 2003 erklärte die Unesco Tel Aviv zum Weltkulturerbe. In den letzten Jahren hat man glücklicherweise ihren Wert wieder erkannt, immer mehr Bauten werden originalgetreu restauriert. Schauen Sie sich um, an der Rothschild‐ und Dizengoff‐Straße reiht sich fast eins ans andere. Samstags um 11 Uhr veranstaltet die Tourismusvereinigung Tel Aviv‐Jaffo kostenlose Bauhaus‐Spaziergänge – Tel. 03–5166188, www.visit-tlv.com.

Schokoladenliebhaber werden sich nach den Leckereien des glatzköpfigen Mannes Max Brenner – Hausnummer 45 – alle zehn Finger abschlecken.

Am südlichen Ende der Rothschild steht der erste Kiosk der Stadt. Ein bezaubernder kleiner Pavillon, in dem heute vorzüglicher Espresso angeboten wird.

18.30 Uhr Essen ist in Israel eine der wichtigsten Beschäftigungen. Tel Aviv ist da keine Ausnahme. In jedem noch so kleinen Café gibt es eine ausladende Speisekarte, hervorragende Restaurants aller Geschmacksrichtungen finden sich an jeder Ecke. Suchen Sie aus: Eine regelrechte Gourmetmeile ist die Achad Ha’am-Straße. Statten Sie Jonathan Roschfeld, dem Shootingstar der israelischen Kochszene, in seinem spanischen Restaurant Tapas Ahad Ha’am – Hausnummer 27, Tel. 03–5666966 – einen Besuch ab.

In der Nummer 6 kommen Fleischliebhaber auf ihre Kosten. Man munkelt, dass im NG die besten Steaks der Stadt gebrutzelt werden – Tel. 03–5167888. Eine andere hervorragende Adresse ist das Manta Ray an der südlichen Strandpromenade – Tel. 03–5174773. Genießen Sie die Spezialität des Hauses, den Vorspeisenteller zwölf Mezze, mit Blick aufs rauschende Meer.

Wer die traditionelle osteuropäische Küche der Juden kennenlernen möchte, tut es am besten im Keton – Dizengoff 145, Tel. 03–5233679. Seit 1945 schon wabert hier der Duft köstlichster Suppe mit Mazzeknödeln durch die Luft.

21.00 Uhr Israelische Filme räumen in letzter Zeit auf sämtlichen Festivals ab. Für Cineasten wird das hervorragende Programm der Cinematheque ein Genuss sein – Sprinzak 2, Tel. 03–6060800.

23.30 Uhr Nichts wie rein ins Nachtleben. Wenn in anderen Metropolen die Bürgersteige hochgeklappt werden, geht es hier erst richtig los. Die Bars und Clubs füllen sich kaum vor Mitternacht – dann aber richtig. Wollen Sie wissen, was abgeht, erkundigen Sie sich vorher im Third Ear – Tel. 03–6215200 –, einem ausladenden Musikladen gegenüber vom Dizengoff‐Einkaufszentrum auf der King‐George‐Straße (übrigens gibt es dort auch eine herausragende Auswahl an israelischer Musik).

Auf der Lilienblum‐Straße ist eine Bar cooler als die andere. Gehen Sie einfach nach Ihrem Gusto. Nanuchka – Hausnummer 28 – ist oben georgisches Restaurant, unten wird wild getanzt, gern auch auf der Theke. Das Schesek, Nummer 17, gehört schon zu den Klassikern, jeden Tag legt ein anderer DJ auf.

Im Club Radio EPGB, Shadal 7, ist die Musik rockig und laut, das Publikum angenehm gemischt. Im Bukowski an der Frischman/Ecke Dizengoff trifft man ausschließlich Einheimische. Besitzer Oren stellt sich auch gern selbst hinters Mikro und gibt hebräische Hits zum Besten.
2. Tag

9.00 Uhr Raus aus den Federn! Es gibt jede Menge zu sehen. Beginnen Sie den Tag mit ein wenig Entspannung bei den schönen Künsten. Das sehenswerte Tel Aviv Museum of Art, gegründet 1932, zeigt in seiner Dauerausstellung die beste israelische Kunst von den 20ern bis heute, europäische Werke vom 16. bis 20. Jahrhundert sowie ständig wechselnde Shows einheimischer Künstler. Schaul‐Hamelech‐Straße 27.

11.00 Uhr Kehren Sie mit knurrendem Magen am besten ins Dallal ein, Shabazi 10. Diese Brasserie mit duftender eigener Bäckerei lässt das Wasser schon beim Eintreten im Munde zusammenlaufen. Originelle Speisen und viel Gebäck. In Neve Zedek ist zudem das Suzanne Dallal Center angesiedelt, das Zuhause des hervorragenden Tanzensembles Batscheva, Tel. 03–5160505.

Nach und nach werden die alten Häuser in dieser Gegend veredelt und für horrende Preise an die Meistbietenden verschachert. Dennoch versprüht der Stadtteil noch immer jede Menge Charme und lädt zum Bummeln ein.

13.30 Uhr Von hier ist es nicht mehr weit in den wirklich alten Teil von Tel Aviv – Jaffa – in dem noch nahöstliches Flair zu spüren ist. Spazieren Sie einfach am Strand immer gen Süden. Ursprünglich ein arabisches Fischerdorf, ist es heute an einigen Ecken fast schon genauso hip wie seine nördliche große Schwester. Gehen Sie im Hafen an Bord eines der Ausflugsboote. Für rund vier Euro schippern Sie eine halbe Stunde entlang der Skyline der weißen Stadt –eindrucksvoll!

14.00 Uhr Abu Hassan ist kein Lokal, sondern eine »Chavaia«, wie die Einheimischen sagen, eine »Erfahrung, die man unbedingt machen muss«. Anstehen ist die Norm, dafür gibt es jede Menge Humus und noch mehr Geschrei und Gedränge. Fragen Sie nicht, wie es schmeckt – tauchen Sie Ihr Pitabrot einfach hinein! Die arabische Humussia ist für viele die beste des Landes – Shivtei Israel 14, bis 15 Uhr.

Das neue Lokal Container im Hafen vereint Kulinarisches und Kultur. Auf den Teller kommt all das, was gerade in den Fluten ins Netz gegangen ist, an den Wänden hängen Werke junger israelischer Künstler – Warehouse 2, Tel. 03–6836321.

15.00 Uhr Auf keinen Fall verpassen dürfen Sie den Flohmarkt, hebräisch Schuk Hapischpeschim, der sich durch die engen Gässchen Jaffas mäandert. Nach Herzenslust stöbern und staunen, Handeln ist natürlich Ehrensache.

Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt: Mitten im Markt haben sich einige nette Cafés und Saftstände angesiedelt. In der Nähe des Uhrenturmes an der Hauptstraße finden Sie die Bäckerei Aboulafia. Seit Jahrzehnten backt die mittlerweile im ganzen Land bekannte arabische Familie allerlei Köstliches rund ums Brot.

17.30 Uhr Verlieren Sie sich in den Gassen der Altstadt. In den windschiefen Häuschen haben sich die verschiedensten Künstler angesiedelt. Ihre Galerien und Shops sind bis in den späten Abend geöffnet. Die Straßen tragen Tierkreiszeichen – suchen Sie das Ihre!

20 Uhr In der National Opera gibt es ein abwechslungsreiches Programm. Fast täglich finden Konzerte, von Klassik bis Pop, statt – Schaul Hamelech 19, Tel. 03–6927777.

22 Uhr Neuester Trend in Israel sind die überdimensionalen Ausgehmeilen. An einem Fleck findet sich dort alles, was das Herz begehrt: Restaurants, Cafés, Bars, Shops und Klubs. Die größte ist der sogenannte Namal, der Hafen von Tel Aviv.

Für einen schnellen Snack legt man einen Stopp im Aroma ein – Hangar 8. In dem Selbstbedienungcafé gibt es gute Salate und dick belegte Sandwiches. Edler speist man im Benny Hadajag – Hangar 8. Vorzügliche Fischspeisen werden hier zu moderaten Preisen mit passendem Blick aufs Nass serviert. Eine weitere dieser chicen Vergnügungsgegenden ist die neue Tachana in der Nähe von Jaffa.

24 Uhr Zum Abschluss tauchen Sie unbedingt noch einmal tief ins Nachtleben ein und genießen Sie die pulsierende Atmosphäre bis zum Morgengrauen. Schließlich ist Tel Aviv die Stadt, die niemals schläft. Das können Sie auch woanders!

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