Abkommen

Offener Himmel

Im israelischen Luftraum wird es demnächst eng. Foto: Thinkstock / Montage: Frank Albinus

Es ist beschlossene Sache: Israel tritt dem »Offenen Himmel« bei. Anfang der Woche ist die Vereinbarung mit der Europäischen Union im Kabinett mit 16 zu drei Ministerstimmen angenommen worden. Fluggäste aus dem In‐ und Ausland dürfen sich freuen. Denn mit »Open Skies« soll der Flugverkehr von und nach Israel gründlich reformiert werden. Das Abkommen verspricht nicht nur viele neue Ziele, sondern auch wesentlich günstigere Ticketpreise für Reisen ins Heilige Land.

Das Abkommen soll die Flugrouten zwischen 27 europäischen Staaten und Israel ausweiten. Bislang ist – zum Schutz der inländischen Fluggesellschaften – das Angebot von Reisezielen stark eingeschränkt. Auch darf nur eine begrenzte Anzahl von internationalen Anbietern auf dem israelischen Markt mitbieten. Viele »Billigflieger« sind bislang davon ausgeschlossen. Mit der neuen Regelung jedoch soll sich das ändern.

Arbeitsplätze Bereits der frühere Tourismusminister Stas Misezhnikov hatte sich für die Umsetzung von »Open Skies« starkgemacht, das im Jahr 2012 von der EU und Israel unterzeichnet worden war. Er war der Überzeugung, dass die Öffnung sich nur positiv auf Israels Tourismusbranche auswirken könne. Offenbar sieht es sein Nachfolger Uzi Landau ebenso: »Das Kabinett hat die richtige Entscheidung für die Bürger Israels, die heimische Wirtschaft und die Tourismusindustrie getroffen.«

Landau dankte dem Generaldirektor seines Ministeriums, Noaz Bar Nir, der »diesen Prozess mutig geleitet hat«. Der Minister glaubt, dass binnen kürzester Zeit ein stärkerer Touristenstrom ins Land fließen, die Einnahmen steigen und viele neue Jobs in der Branche entstehen werden. Die Föderation der israelischen Wirtschaftsunternehmen schätzte sogar die Zahlen. Bereits im ersten Jahr nach der Umsetzung sollen 250.000 europäische Besucher zusätzlich nach Israel reisen. In der Folge sollen 10.000 neue Arbeitsplätze entstehen, vor allem in der Peripherie.

Dort ist man dringend auf die Gäste aus dem Ausland angewiesen. Denn durch die zahlreichen Militäroperationen – zuletzt die »Wolkensäule« im Gazastreifen im vergangenen November – hatte vor allem der Süden des Landes unter einem extremen Rückgang an Touristen gelitten.

Preise Seit Jahren schon beklagen sich Israelis und ausländische Reisende über die horrenden Ticketpreise, vor allem in der Hochsaison, etwa an jüdischen Feiertagen oder in den Sommerferien. Viele haben es aus diesem Grund vermieden, israelische Linien für ihre Reisen zu buchen. »Ich fliege seit Jahren nicht mehr mit EL AL«, erklärt Erez Starck, Vielflieger, der in den USA und Israel lebt. »Weil ich genau weiß, sie verhindern mit ihrer Firmenpolitik, dass es hier vernünftige Preise wie in den Vereinigten Staaten oder Europa gibt. Diese Methoden aber schaden Israel und seinen Bewohnern. Wer lässt sich schon gern ausnehmen?« Starck ist verärgert und schlägt vor, dass EL AL und Co. ihren Service verbessern. »Vielleicht können sie ja dann mit den anderen mithalten.«

»Open Skies« soll innerhalb von fünf Jahren sukzessive umgesetzt werden, um den heimischen Fluggesellschaften Zeit zu geben, ihre Geschäftsstrategien an die geänderte Marktlage anzupassen. Nicht genug, meinten die jedoch und zogen in den Arbeitskampf. Den gesamten Montag über streikten EL AL, Arkia und Israir, die meisten ihrer Maschinen blieben am Boden. Lediglich drei Flüge erhielten das Okay für Start oder Landung. Tausende von Passagieren steckten in Israel oder internationalen Flughäfen auf der ganzen Welt fest.

Die größte Fluggesellschaft EL AL erklärte, dass »Open Skies« durch die neuen Anbieter eine verstärkte Konkurrenz darstelle. Der sei man aber nicht gewachsen, denn heimische Fluggesellschaften und deren europäische Konkurrenten hätten ungleiche Voraussetzungen, »da die israelischen Carrier immense Kosten durch die besonderen Sicherheitsvorkehrungen haben«. Die Airlines befürchten nun den Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen.

Wettbewerb Der für Dienstag angekündigte Solidaritätsstreik, der den gesamten Flughafen bei Tel Aviv hätte lahmlegen sollen, wurde indes am Abend zuvor abgewendet. Wie das Finanzministerium verkündete, hatte die Regierung eine Verständigung mit EL AL erreicht. Demzufolge wird der Staat zukünftig 97,5 Prozent ihrer Sicherheitskosten übernehmen. Die Regierung weigerte sich, eine komplette Abdeckung zu versprechen. Sie befürchte, heißt es aus Expertenkreisen, dass die EU Einspruch erheben würde, weil – entgegen den Bedingungen des Abkommens – dies ein klarer Wettbewerbsvorteil für EL AL wäre.

Bislang belief sich die staatliche Kostenübernahme auf 80 Prozent. »Die Angestellten der Luftgesellschaften haben verstanden, dass es sich bei ›Open Skies‹ um einen abgeschlossenen Deal handelt«, erklärte das Finanzministerium, »also stimmten sie zu.«

Auch Premierminister Benjamin Netanjahu hatte sich für das Abkommen ausgesprochen und machte »Open Skies« zu einer politischen Botschaft: »Das Ziel dieser Reform ist es, die Flugpreise zu senken und mehr Touristen anzulocken. Wir werden uns auch weiterhin darum bemühen, die Lebenshaltungskosten für die Israelis zu verringern.«

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