Delta-Variante

Neue Virus-Angst

Gibt dem Virus keine Chance: Covid-19-Kontrolle am Ben-Gurion-Flughafen Ende Juni Foto: Flash 90

Der internationale Ben-Gurion-Flughafen ist die Achillesferse bei Israels Corona-Bekämpfung. Obwohl die Öffnung des Landes für geimpfte ausländische Touristen für den 1. Juli geplant war, sollen diese jetzt erst im August einreisen dürfen. Das beschloss das Corona-Kabinett der neuen Regierung in Jerusalem. Ein genaues Datum ist noch nicht bekannt.

Nachdem das Kabinett, das hauptsächlich aus Mitgliedern der Ressorts Gesundheit, Transport, Inneres und Bildung besteht, unter Premierminister Naftali Bennett wiedereingesetzt worden war, traf es am Wochenbeginn zusammen, um neue Beschränkungen wegen der Delta-Variante des Coronavirus zu beschließen. Bei der Ausreise und der Einreise nach Israel gibt es künftig verschärfte Regeln, um die Ausbreitung zu unterbinden.

Außerdem setzte die Regierung einen speziellen Corona-Beauftragten für den Flughafen ein. Ronny Numa, der sich im vergangenen Jahr um den komplexen Bereich Coronavirus innerhalb der ultraorthodoxen Gemeinschaft gekümmert hatte, ist nun extra abgestellt, um die Einreisevorgaben der Regierung zu überwachen.

QUARANTÄNE Neben der erneuten Pflicht, in sämtlichen Innenräumen Masken zu tragen, sprach sich das Kabinett jedoch zunächst gegen striktere Maßnahmen innerhalb des Landes aus. Stattdessen sollen vor allem die Quarantäne-Bestimmungen für aus dem Ausland Einreisende stärker überwacht werden. Es wird in Erwägung gezogen, das sogenannte Überwachungsarmband wiedereinzuführen, das Ankommende, die sich in Isolierung begeben müssen, während dieser Zeitspanne am Armgelenk tragen müssen. Auf diese Weise soll das Brechen der Quarantäne eingedämmt werden. Beschlossene Sache ist die Wiedereinführung jedoch noch nicht.

Die Zahl der Patienten mit schwerem Verlauf ging von 23 auf 21 zurück.

Bestätigt ist indes eine hohe Geldbuße für jene, die sich trotz des Verbots in Hochrisikogebiete begeben. Das sind derzeit Argentinien, Brasilien, Südafrika, Indien, Mexiko und Russland. Israelis ist eine Reise dorthin derzeit untersagt. Alle Personen, die aus diesen Ländern zurückkehren, müssen sich für volle 14 Tage in Quarantäne begeben und zudem eine Strafe von 5000 Schekel bezahlen, umgerechnet etwa 1250 Euro.

Dennoch gibt es tägliche Flüge von Israel nach Russland und zurück, obwohl das Land auf der Verbotsliste steht. Bislang hat es keinerlei Durchsetzung der Res­triktion gegeben. Erst am Dienstagmorgen holten die Behörden nach Angaben israelischer Medien acht Passagiere aus einem Flugzeug, die offenbar mit ausländischen Pässen versucht hatten, direkt nach Russland zu fliegen. Die Personen wurden von der Polizei verhört.

UMWEG Israelischen Staatsangehörigen ist es derzeit untersagt, in ein Land dieser Liste zu reisen, es sei denn, sie leben dort dauerhaft oder haben eine Ausnahmegenehmigung, zum Beispiel aus humanitären Gründen. Es wurde jedoch auch berichtet, dass Passagiere oft einen Umweg über ein Drittland nehmen, um in die entsprechenden Länder zu reisen oder aus ihnen nach Israel zurückzukehren. Kontrolliert wird das bislang von niemandem.

Als weitere Maßnahme für die Eindämmung der Verbreitung der Delta-Variante stehe ein dritter Corona-Test nach der Ankunft zur Debatte, heißt es aus Regierungskreisen. Derzeit müssen sich Reisende zweimal auf eigene Kosten testen lassen: 72 Stunden vor Abflug im Land der Abreise und einmal direkt nach der Ankunft auf dem Ben-Gurion-Flughafen. Bei beiden muss es sich um PCR-Tests handeln. Sogenannte Schnelltests werden von den israelischen Behörden nicht anerkannt.

Die Regierung veröffentlichte eine Ausschreibung für eine weitere Einrichtung am Flughafen, nachdem es vor einer Woche zur Überlastung der einzigen Teststation gekommen war. Es könnte zudem sein, dass in Kürze die Teststationen des Rettungsdienstes Magen David Adom in verschiedenen Teilen des Landes wiedereröffnet werden.

TESTSTATION In die Kritik geraten war die Entscheidung, Omega, die ursprüngliche Firma, die mit dem Testen am Flughafen beauftragt war, durch eine andere zu ersetzen. Das neue Unternehmen, Femi, verfügt über kein eigenes Labor am Flughafen, sondern muss die entnommenen Proben in teils weit entfernte Labore verschicken. Während bei Omega die Ergebnisse der Tests oft binnen acht Stunden verfügbar waren, dauert es bei Femi bis zu 36 Stunden.

Da Passagiere erst dann aufgefordert werden, in Quarantäne zu gehen, wenn sie ein positives Ergebnis ihres Corona-Tests erhalten haben, vergeht wertvolle Zeit, in denen sich die Infizierten frei bewegen und das Virus im Land weiter verbreiten können.

Am Dienstag wurden 283 neue Fälle des Coronavirus in Israel bestätigt, die Positivrate lag jedoch wie in den Tagen zuvor bei 0,4 Prozent.

Am Dienstag wurden 283 neue Fälle des Coronavirus in Israel bestätigt, die Positivrate lag jedoch wie in den Tagen zuvor bei 0,4 Prozent. Es gibt derzeit 1660 aktive Fälle, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Gleichzeitig ging die Anzahl jener, die mit einem schweren Verlauf von Covid-19 im Krankenhaus liegen, in den vergangenen zwei Tagen von 23 auf 21 zurück.

IMPFUNG Premierminister Bennett fordert derweil alle Zwölf- bis 15-Jährigen auf, sich impfen zu lassen. Bislang haben mehr als 30 Prozent in dieser Altersgruppe die erste Spritze erhalten, so der Direktor der Krankenversicherung Maccabi, Ido Hadari. »Wir gehen davon aus, dass wir bald 50 Prozent erreichen«, fügte er hinzu.

Bennett wandte sich direkt an die jungen Leute mit den Worten: »Ich weiß, wie sehr ihr diesen Sommer entspannen wollt – und ihr könnt es. Ich habe vier Kinder in diesem Alter.« Man wolle keine neuen Restriktionen einführen. Nicht bei Partys, nicht bei Ausflügen und Reisen, bei gar nichts. »Aber wenn ihr diese Restriktionen nicht wollt, redet mit euren Eltern und holt euch die Spritze. Ich zähle auf euch.«

Fazit der Sitzung des Corona-Kabinetts war, dass man auf zukünftige Varianten des Virus besser vorbereitet sein müsse. Das Motto, hieß es aus dem Büro des Ministerpräsidenten, sei der maximale Schutz der israelischen Bürger vor der Delta-Variante und gleichzeitig die minimale Unterbrechung der alltäglichen Routine. »Masken statt Restriktionen. Impfungen statt Lockdowns«, so die offizielle Stellungnahme. »Die Delta-Variante, weiß man, infiziert 50 Prozent mehr Menschen. Aber man weiß mittlerweile auch, dass das Vakzin wirkt.«

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