Nahost

Neue Angriffe gegen Hamas um Khan Younis

Benjamin Netanjahu in der Knesset Foto: copyright (c) Flash90 2025

In der vergangenen Nacht flog die israelische Armee erneut Luftangriffe gegen die Hamas in Gaza. Aus dem bisher von der Terrororganisation geführten Küstenstreifen wurden Luftangriffe in der Gegend um Khan Younis gemeldet sowie südlich von Gaza-Stadt.

Die Hamas hält weiterhin 59 israelische Geiseln, von denen 35 tot sein sollen. In den vergangenen Wochen hatten sich die Terroristen geweigert, die Verschleppten freizulassen, die sich seit dem 7. Oktober 2023 in ihrer Gewalt befinden. Keinem der Vorschläge der Vermittler stimmten sie zu.

Ein Ende des von ihnen selbst begonnenen Krieges fordert die Hamas, die Israel erklärtermaßen vernichten will und weitere Massaker im Stil des 7. Oktobers mehrfach angekündigt hat.

»Dies ist erst der Anfang«

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte eine Intensivierung der Angriffe auf Stellungen der Hamas an. »Wir haben den Kampf wieder mit aller Macht aufgenommen«, sagte Netanjahu in einer Videoübertragung. »Von jetzt an werden Verhandlungen nur unter Feuer geführt.« Zu neuen Angriffen sagte Netanjahu: »Dies ist erst der Anfang.«

Der Ministerpräsident kündigte an, Israel werde weiter gegen die Hamas kämpfen, bis alle Kriegsziele erreicht seien, nämlich die Rückführung aller Geiseln, die Zerstörung der Hamas und die Gewährleistung, dass Gaza keine Bedrohung mehr für Israel darstellen könne.

Erstmals seit Beginn einer Waffenruhe vor rund zwei Monaten hatte die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Dienstag wieder Terror-Ziele im Gazastreifen bombardiert. Mit den neuen Angriffen ist die von internationalen Unterhändlern ausgehandelte Waffenruhe de facto am Ende.

Zur Flucht aufgerufen

Palästinensische Zivilisten im Norden und Süden des Gazastreifens, die während der Waffenruhe in ihre Wohngebiete zurückgekehrt waren, wurden von der Armee erneut zur Flucht aufgerufen – zu ihrer eigenen Sicherheit.

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Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar sagte, die Angriffe würden auch in den kommenden Tagen weitergehen. »Dies ist kein eintägiger Einsatz«, sagte Saar nach Angaben seines Büros bei einem Treffen mit Repräsentanten der israelisch-amerikanischen Organisation AIPAC.

Die Hamas habe zwei Vorschläge des US-Gesandten Steve Witkoff für eine Verlängerung der Waffenruhe abgelehnt, sagte Sa’ar. »Wir fanden uns in einer Sackgasse wieder - keine Geiseln wurden freigelassen und es gab keine militärischen Einsätze«, sagte der Außenminister demnach. »Diese Situation konnte nicht andauern.«

Baerbock und Guterres

International wurden die Luftangriffe verurteilt, darunter von Frankreich, der Türkei und der UN. China zeigte sich besorgt. Außenministerin Annalena Baerbock mahnte zur Verhältnismäßigkeit. »Fliehende Kinder, blutüberströmte Binnenvertriebene dürfen niemals Druckmittel für Verhandlungen sein«, sagte die Grünen-Politikerin.

UN-Generalsekretär António Guterres schrieb auf der Plattform X: »Ich bin empört über die israelischen Luftangriffe in Gaza. Ich rufe dringend dazu auf, die Waffenruhe zu achten, die ungehinderte humanitäre Hilfe wiederherzustellen und die verbleibenden Geiseln bedingungslos freizulassen«, schrieb er auf der Plattform X.

Derweil griff das US-Militär in der Nacht erneut Stellungen der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen an. Die Operationen gegen die Terrormiliz würden fortgesetzt, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Dazu wurden zwei Videos veröffentlicht, auf denen von einem Flugzeugträger startende Kampfflugzeuge sowie ein Raketenangriff zu sehen sind.

Weitere Einzelheiten zu den Angriffen nannte Centcom nicht. Die Miliz ist wie die Hamas in Gaza Verbündeter des Iran.

Proteste in Tel Aviv

Arabische Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, dass Stellungen in der Provinz Sadah im Norden des Landes angegriffen worden seien. Die Provinz gilt als eine Hochburg der Huthi. Die wiederum behaupteten in der Nacht, zum vierten Mal binnen 72 Stunden den Flugzeugträger USS Harry S. Truman angegriffen zu haben. Dies ließ sich nicht unabhängig überprüfen.

Zuvor hatten die Huthi erstmals seit dem Beginn der Waffenruhe zwischen der mit ihr verbündeten Hamas und Israel wieder eine Rakete auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee teilte mit, die Rakete sei abgefangen worden, bevor sie israelisches Gebiet erreicht habe.

In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv protestierten Zehntausende Menschen gegen eine Fortsetzung des Gaza-Krieges und für eine Freilassung der Hamas-Geiseln. Der Krieg bedeute ein »Todesurteil für die Geiseln«, stand auf einem langen Banner, das Demonstranten vor sich hielten.

Die Proteste in Tel Aviv richteten sich auch gegen die Entlassung des Inlandsgeheimdienstchefs, die Netanjahu am Sonntagabend angekündigt hatte. Als Grund nannte er einen »Mangel an Vertrauen« in den Schin-Bet-Chef Ronen Bar. Er wolle die Entscheidung diese Woche von der Regierung billigen lassen. ja/dpa

Kommentar

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