Medien

Neu auf Sendung

Redaktion des öffentlich-rechtlichen Senders Kan Foto: Flash 90

Kan, das ist hebräisch für »hier«. Dass sie jetzt hier ist, hat die neue öffentliche Sendeanstalt Israels schlagzeilenträchtig gezeigt. Jahrelang wurde die Reform verschoben, monatelang tobte eine verbale Schlammschlacht zwischen den Angestellten der alten Israeli Broadcasting Association (IBA), Finanzminister Mosche Kachlon und dem Regierungschef Benjamin Netanjahu, die darin gipfelte, dass Letzterer sogar mit Neuwahlen drohte.

Diese konnten abgewendet werden. Allem zum Trotz beschloss die Knesset in der vergangenen Woche, dass Kan senden soll. So startete die neue öffentlich-rechtliche Anstalt am Montag die Übertragung mit dem Radioprogramm.

Trauer Die Stimme des in Israel legendären Moderators Arie Golan kam wie immer über den Äther. »Guten Morgen, in diesem Moment macht sich die israelische Sendeanstalt auf ihren Weg«, sagte er zum Auftakt. Kritisch fügte er hinzu: »Unsere Freude darüber ist getrübt durch die Trauer, die wir darüber empfinden, dass Hunderte Kollegen der IBA ihren Job verloren haben.« Wie viele Angestellte genau arbeitslos geworden sind, ist noch nicht bekannt.

Punkt 17 Uhr begann der Fernsehkanal 11 mit seinem Programm. Um 20 Uhr gab es Nachrichten. Das war nicht selbstverständlich. Denn gerade über diesen Punkt schieden sich die Geister.

Netanjahu hatte ursprünglich vorgehabt, die Nachrichten komplett aus der Sendeanstalt zu entfernen. In einem Kompromiss einigte er sich mit Kachlon, dass die aktuelle Berichterstattung in einer separaten Organisation untergebracht wird. Es ist kein Geheimnis, dass viele davon ausgehen, Netanjahu wolle so die Medien besser kontrollieren und kritische Berichterstattung über sich selbst regulieren.

Mabat Le-Chadaschot Die alten IBA-Nachrichten Mabat Le-Chadaschot (Blick auf die Nachrichten) die alle Geschehnisse des Landes der vergangenen fünf Jahrzehnte begleitet hatten, waren am vergangenen Dienstag tränenreich zu Ende gegangen.

Die Mitarbeiter verabschiedeten sich von ihren Zuschauern live auf Sendung, weinten und sangen die israelische Nationalhymne Hatikwa.

Auch Staatspräsident Reuven Rivlin äußerte sich zu Kan: »Ein staatlicher Rundfunksender ist bedeutend, damit die Regierung sich äußern kann. Aber die Behörde gehört der Öffentlichkeit und ist für die Öffentlichkeit bestimmt.« Er sei nicht sicher, ob die Leitung von Kan sich dessen bewusst ist.

Urteil Sogar der Oberste Gerichtshof beschäftigt sich schon eine Weile mit der Sendeanstalt. Am Tag der ersten Übertragung verlängerten die Richter eine temporäre Verfügung, die Kan davon abhält, die Nachrichtenabteilung auszugliedern. Obwohl genau das die Knesset zuvor im Rahmen des Kompromisses zwischen Kachlon und Netanjahu beschlossen hatte.

Auf das Tagesgeschehen hatte dies am ersten Tag jedoch wenig Einfluss. Die Journalisten und Redakteure nahmen ihre Arbeit unter dem neuen Chefredakteur Baruch Schai auf. Lediglich die Benennung eines Leiters der Nachrichtensparte ist auf unbestimmte Zeit durch die Verfügung des Gerichtes verschoben.

ESC Das politische Tauziehen um die öffentlich-rechtliche Anstalt hallte sogar bis ins Ausland nach. Als der israelische Moderator Ofer Nachshon beim Eurovision Song Contest am Samstagabend eingeblendet wurde, um die Punktevergabe seiner Jury zu übermitteln, verkündete er: »Heute ist unsere letzte Nacht. In Kürze wird die IBA für immer geschlossen. In unserer aller Namen wollen wir Dankeschön sagen für die vielen magischen Momente und schönen Jahre.«

Andere Länder verstanden das als einen generellen Abschied Israels von der Eurovision. Wie britische Medien etwa, die berichteten, dass der Nahoststaat beim Wettbewerb nicht mehr antreten werde. Das jedoch soll nicht der Fall sein. Kan kündigte bereits an, die Übertragungsrechte für die Eurovision übernehmen zu wollen. Hierfür muss sich die Anstalt zuvor als Mitglied der Europäischen Sendevereinigung qualifizieren – und dazu gehören integrierte Nachrichten im Programm.

www.kan.org.il

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