Regierung

Netanjahu entlässt Arie Deri von Ministerämtern

Schas-Vorsitzender Deri mit Premier Netanjahu Foto: Flash90

Premier Benjamin Netanjahu hat seinen Minister Arie Deri am Sonntag noch für dessen »neuen staatlich finanzierten Gesundheitskorb« gelobt - und danach von seinen Ämtern entlassen. Deris Amtszeit in dieser Koalition dauerte damit lediglich 26 Tage.

Am Mittwoch zuvor hatte der Oberste Gerichtshof verfügt, dass der Vorsitzenden der ultraorthodoxen Shas-Partei nicht im Kabinett dienen darf, nachdem er im vergangenen Jahr wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden war.

Deri hätte eigentlich schon an der Kabinettssitzung zum Wochenbeginn nicht mehr teilnehmen dürfen. Zwar verfügte der Regierungschef über eine »angemessene Frist«, um die Anordnung des Gerichts zu erfüllen, ein genaues Datum wurde aber nicht angegeben. Rechtsexperten gehen jedoch davon aus, dass diese Frist nicht länger als zwei oder drei Tage nach dem Urteil beträgt.

»Dass Deri zwei der wichtigsten Ministerien der Regierung leitet, schadet dem Image und Ruf des Rechtssystems des Landes.«

Präsidentin oberster gerichtshof esther hayut

Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara hatte Netanjahu am Donnerstag in einem Schreiben aufgefordert, Deri zu ersetzen. Allerdings hatte auch sie keinen Zeitrahmen festgelegt.

RESSORTS Zehn von elf Richtern sprachen sich gegen Deris Ernennung aus und stellten fest, dass sie »äußerst unangemessen« sei. Netanjahu hatte Deri in seiner Koalition gleich zwei Ressorts übertragen: Gesundheit und Innen. Der Gerichtshof fordert jetzt die Entlassung von diesen Ämtern.

Netanjahu habe kein Recht, die »Häufung schwerer Korruptionsdelikte« zu ignorieren, argumentierte die Gerichtspräsidentin Esther Hayut. »Dass Deri zwei der wichtigsten Ministerien der Regierung leitet, schadet dem Image und dem Ruf des Rechtssystems des Landes und widerspricht den Grundsätzen der Justiz des ethischen Verhaltens und der Legalität.«

Deri selbst hatte unmittelbar nach Urteilsverkündung klargemacht, dass er die Entscheidung nicht akzeptieren werde. »Wenn sie die Tür hinter uns schließen, kommen wir durch das Fenster herein. Wenn sie das Fenster schließen, brechen wir durch die Decke ein«, so sein Kommentar.

RECHTSSTAATLICHKEIT Die Bewegung für eine Qualitätsregierung, eine der Organisationen, die sich an das Gericht gewandt hatte, besteht darauf, dass Netanjahu den Chef der Shas-Partei »sofort feuert, um die Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung zu respektieren«.

Das Urteil des Gerichts bereitet Netanjahu ein großes Problem, da Deri und seine Shas-Partei ein grundlegender Teil der Koalition sind. Angeblich besteht Deri darauf, dass er trotz des Urteils in bedeutender Weise Teil der Regierungskoalition bleibt. Der oder die Nachfolger für das Innen- und Gesundheitsministerium wurden noch nicht bekanntgegeben.

Ein Vertrauter Deris, Barak Seri, sagte nach der Entlassung im Armeeradio Galgalatz, dass Deri Vorsitzender seiner Schas-Partei bliebe und definitiv weiterhin eine »einflussreiche Position in der Regierung« behalte. Er werde wohl zu einer Art »grauen Eminenz«.

Oppositionsvorsitzender Yair Lapid twitterte nach der Entlassung Deris: »Was wir sehen, ist ein Zirkus, keine Regierung. Netanjahu ist schwach, aber er muss einen Gesundheits- und Innenminister ernennen. Je früher, desto besser. Das Volk Israels darf nicht den Preis für die Inkompetenz dieser Regierung zahlen«.


Westjordanland

Schin-Bet-Chef streitet mit Rechtsradikalen

David Zini fordert von Ministerin Orit Strock eine klare Verurteilung jüdischer Siedlergewalt – und droht mit der Rückkehr zur Verwaltungshaft

von Sabine Brandes  06.10.2026

Jahrestag

Israel warnt vor Angriffen auf Juden am 7. Oktober

Am 7. Oktober jährt sich das Massaker von Hamas-Terroristen in Israel. Bei dem Überfall 2023 wurden rund 1.200 Menschen getötet. Israel warnt nun Israelis im Ausland und Juden weltweit vor Angriffen

 06.10.2026

Gedenken

»Berlin steht fest an Israels Seite«

Regierender Bürgermeister Kai Wegner besucht zum Jahrestag des 7. Oktobers den Geiselplatz in Tel Aviv und erhält die Medaille der Stadt

von Sabine Brandes  06.10.2026

Grausamer Plan

Der Professor, der Massenmörder werden wollte

Der Akademiker plante, Hunderte Araber zu töten und viele Unterstützer zu gewinnen. Die Bar-Ilan-Universität zeigt sich »zutiefst entsetzt«

von Sabine Brandes  06.10.2026

Gaza

Hamas: Sinwars »rechte Hand« überlebt israelischen Angriff

Bei einem israelischen Luftangriff in dem Palästinensergebiet sollen am Wochenende mehrere Menschen getötet worden sein. Israel zielte auf den ranghöchsten Hamas-Führer in dem Küstenstreifen ab – doch der hat wohl überlebt

 06.10.2026

Be’eri

»Ich musste ihre Geschichte erzählen«

Dafna Gerstner hat die Hamas-Massaker überlebt und wagt einen vorsichtigen Blick in die Zukunft

von Geneviève Hesse  06.10.2026

Geiseln

Überlebt

505 Tage war Omer Shem Tov in der Gewalt der Hamas in Gaza. Seine Schilderungen zeigen, wie leicht es sich all jene machen, die bei der Bewertung des Krieges die perfide Taktik der Terroristen ausblenden

von Sabine Brandes  06.10.2026

Interview

»Wir haben Angst, dass Shani und Carolin vergessen werden«

Sonja Bohl-Dencker und Ricarda Louk leben seit dem 7. Oktober mit einer unvorstellbaren Wunde – dem Tod ihrer Töchter, die von Hamas-Terroristen ermordet wurden

von Sophie Albers Ben Chamo  06.10.2026

7. Oktober

»Ich hatte keine Ahnung, wie sehr wir gehasst wurden«

Unsere Autorin ist an der Grenze zu Gaza aufgewachsen und lebt heute in Berlin. Hier beschreibt sie, wie das Hamas-Massaker ihr Leben verändert hat – und was es mit ihr macht, dass sie und ihr Land plötzlich weltweit als genozidal verleumdet werden

von Adi Kaslasy-Way  06.10.2026