Jerusalem

Netanjahu gewinnt die Wahlen

Siegessicher beendete Netanjahu den Wahltag. Foto: IMAGO/Xinhua

Benjamin Netanjahu ist zurück. Nach anderthalb Jahren in der Opposition hat er es offenbar geschafft, bald wieder an die Macht in Jerusalem zu gelangen. Mit Auszählung der meisten Stimmen ist das Ergebnis klar: Sein Likud wird aller Wahrscheinlichkeit nach mit 31 Mandaten die stärkste Kraft in der 25. Knesset.

MEHRHEIT Die nächste Regierung wird demzufolge voraussichtlich aus dem rechten Likud sowie religiösen und rechtsextremen Parteien bestehen und 65 Sitze auf sich vereinen. 14 Sitze gehen an den religiösen Zionismus, zwölf an die ultraorthodoxe Sefardenpartei Schas, acht erhält das charedische Vereinte Torajudentum. Damit ist Netanjahu die Mehrheit der 120 Sitze zählenden Knesset sicher. Sofern er diese Koalition wählt. Es wäre die rechtsgerichteste Regierung in der Geschichte des Landes.

Vor seinen Anhängern in Jerusalem sagte er nach den Wahlen: »Die Menschen haben sich in den letzten 18 Monaten verändert. Die Wähler wollten den Nationalstolz wiederherstellen und eine Regierung, die Macht, nicht Schwäche projiziert.«

»Wir werden den inneren Frieden in uns wiederherstellen und so handeln, dass wir die innere Zerrissenheit heilen.«

Likud-vorsitzender benjamin netanjahu

Er bezog sich dabei auf die Monate, in denen die breiteste Koalition aller Zeiten in Israel regierte, in der die Mitglieder von linken bis zu rechten Parteien und der islamistischen Raam reichten. Sie wurde anfangs von Naftali Bennett von der Rechtspartei Jüdisches Haus und später von Yair Lapid mit seiner liberalen Jesch Atid angeführt. Bennett hat sich zwischenzeitlich aus der Politik zurückgezogen.

Netanjahu, der wegen Korruption in drei Fällen angeklagt ist, versprach, den Zwiespalt im Land heilen zu wollen: »Wir werden die Rhetorik in öffentlichen Reden zurückschrauben. Wir werden den inneren Frieden in uns wiederherstellen und so handeln, dass wir die innere Zerrissenheit heilen«.

MITTELPUNKT Dann gratulierte er seinen »Partnern im nationalistischen Lager zu sehr beeindruckenden Leistungen«. Die jedoch stehen für alles andere als nationale Einheit. Einer von ihnen war bei diesen Wahlen klar im Mittelpunkt: Itamar Ben-Gvir, Vorsitzender der rechtsextremen Partei Otzma Jehudit. Seit Wochen hatten ihm die Prognosen mit seinem Bündnis Religiöser Zionismus 14 Mandate und mehr angezeigt.

Er wurde mit seiner extremistischen Gesinnung, die er mit Bezalel Smotrich von der Nationalen Union und der Anti-LGBTQ-Gruppe Noam teilt, drittstärkste Fraktion im Parlament. Am Tag nach der Wahl wollte er glauben machen, dass er »für alle Israelis arbeiten will, auch jene, die mich hassen«.

GEWINNER Auf der anderen Seite von Netanjahu steht der Mitte-Linksblock, der die derzeitige Regierung stellt. Stärkste Partei darin ist Lapids liberale Partei Jesch Atid mit 24 Sitzen. Auch sie ein großer Gewinner mit einer Steigerung von sieben Mandaten.

Am Abend sagte Lapid vor seinen Anhängern, als abzusehen war, dass er keinen regierungsfähigen Mitte-Linksblock bilden könnte, dass seine Partei dennoch eine Rekordleistung erzielt habe. »Eine Million Israelis haben gesagt, dass sie an die Zukunft und an die Kraft des Wandels glauben. Diese Million will eine Politik, die nicht auf Hass und Hetze basiert, sondern eine Regierung, die Freiheit und Gleichheit fördert.«

Noch-Premier Yair Lapid wies seine Mitarbeiter bereits an, die geordnete Machtübergabe vorzubereiten.

Die zweitstärkste Kraft in diesem Block ist das Mitte-Rechtsbündnis der Nationalen Einheit von Verteidigungsminister Benny Gantz, Justizminister Gideon Saar und dem ehemaligen Stabschef Gadi Eizenkot. Es holte zwölf Mandate.  

EINTRITTSHÜRDE Vor allem die kleinen Parteien sind die Verlierer: Neben Meretz, die die 3.25-Eintrittshürde knapp verfehlte, verlor die Awoda unter Verkehrsministerin Merav Michaeli drei Mandate und sank auf vier. Auch Avigdor Lieberman rutschte mit seiner säkularen Israel-Beiteinu-Partei im Vergleich zum Vorjahr um zwei Sitze auf nur noch fünf. Die arabische Raam erhielt ebenfalls fünf, die überwiegend arabische Chadash-Ta’al vier Sitze in der Knesset.

Am Morgen nach dem Wahltag habe Noch-Ministerpräsident Yair Lapid seine Mitarbeiter bereits angewiesen, eine geordnete Machtübergabe vorzubereiten und die Arbeit wie gewohnt fortzusetzen, bis der Regierungswechsel vollzogen ist, schrieben israelische Medien. Der wird nach diesem Ergebnis sicher schneller geschehen als bei den vier Wahlen zuvor.

Grenzübergang Taba/Eilat zwischen Ägypten und Israel

Mysteriöser Fall

Drei Israelis in Ägypten verschollen

Die jungen beduinischen Männer seien zum Urlaub ins Nachbarland gereist und dort angeblich aus Gründen der »inneren Sicherheit« festgenommen worden

von Sabine Brandes  29.09.2026

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Die Chefs der Oppositionsparteien

Tel Aviv

Israels Opposition schließt Pakt

Eisenkot, Bennett, Lapid, Lieberman und Golan wollen während des Wahlkampfs auf gegenseitige Angriffe verzichten und planen eine »zionistische staatsmännische Regierung«

von Sabine Brandes  29.09.2026

Jerusalem

Gallant spricht über Details der Pager-Operation gegen Hisbollah

Offenbar schöpfte ein Mitglied der libanesischen Terrororganisation Verdacht. Israel sah sich zum Handeln gezwungen

 29.09.2026

Bloomington/Paris

Studie: Keine Grundlage für Apartheid- und Genozidvorwurf gegen Israel

Gunther Jikeli von der Indiana University Bloomington und Philippe Karpe vom französischen Forschungsinstitut CIRAD untersuchten immer wieder erhobene Vorwürfe gegen Israel

 29.09.2026

Jerusalem

Netanjahu reiste offenbar wegen Berichten über Hamas-Warnung nach Abu Dhabi

Hat der israelische Ministerpräsident den Präsidenten der VAE, Scheich Mohammed bin Sajid Al Nahjan, gebeten, Medienberichte zurückzuweisen, wonach dieser seinen Jerusalemer Gesprächspartner vor dem 7. Oktober warnte?

 29.09.2026

Terrorismus

»Wenn sie einen Raum betrat, ging die Sonne auf« - Zwei Mütter, ihre verlorenen Töchter und der 7. Oktober 2023

Ricarda Louks Tochter Shani und Sonja Bohl-Denckers Tochter Carolin wurden vor drei Jahren von der islamistischen Hamas ermordet. Ihre Mütter schildern, wie sie mit dem Verlust zurechtkommen - und was sie sich wünschen

von Nina Schmedding  29.09.2026

Niederlande

»Der 7. Oktober, das bin ich«: Student der Uni Maastricht will an Terrorangriff teilgenommen haben

Ein 22-jähriger Palästinenser, der in den Niederlanden studiert, erweckt in einem Instagram-Video den Eindruck, er habe an der Terrorattacke der Hamas auf Israel teilgenommen. Jetzt griff die Hochschule durch

 28.09.2026

Jerusalem/Den Haag

Israel entzieht Niederländern Diplomaten-Pass

Die Niederlande verbieten den Import von Waren aus Siedlungen im Westjordanland. Nun zieht Israel Konsequenzen

 28.09.2026