Israel

Mutter und Tochter in Lod von Kriminellen brutal ermordet

Am Tatort in Lod Foto: Flash90

Bürgermeister Yair Revivo ist entsetzt. Und frustriert. Und wütend:»Gäbe es so viele Morde in einem Jahr in der jüdischen Gesellschaft, das gesamte Land würde zu einem Stillstand kommen«, sagt er. Doch die Opfer der ausufernden Gewalt, die zusehends kaltblütiger wird, sind meist arabische Israelis. Die Morde geschehen am helllichten Tag überall, sogar mitten im Zentrum des Landes, wie jetzt in der Stadt Lod mit einer »gemischten« jüdischen und arabischen Bevölkerung.

ANGRIFF Hier wurden am Montagabend eine Mutter und eine ihrer 14-jährigen Zwillingstöchter in der Innenstadt brutal ermordet. Das überlebende Zwillingsmädchen wurde bei dem Angriff schwer verletzt und ist mittlerweile »an einen sicheren Ort verlegt worden, wo es behandelt wird«, gaben die Behörden an. Die 34-jährige Mutter wurde als Manar Hajaj identifiziert. Sie ist die Ehefrau von Issam, einem bekannten Kriminellen aus der Stadt, der vor Strafverfolgung aus Israel geflohen ist.

»In diesem Land tobt weiterhin eine verrückte Welle der Gewalt, insbesondere in der arabischen Gemeinschaft, aber das Land wacht nicht auf«, sagte Revivo am Tatort. »Dies ist eine Verletzung der Sicherheit aller Einwohner des Landes – Juden und Araber gleichermaßen – und was mein Blut zum Kochen bringt, ist, dass diese abscheulichen Mörder keine Hemmungen haben. Es geht nicht um Gangster, die Gangster töten, sondern um Menschen, die hilflos sind. Es ist einfach schrecklich«, beklagte ein sichtlich schockierter Bürgermeister.

Kriminelle hielten den Krankenwagen an, bedrohten das Rettungspersonal mit Waffen und kidnappten den Verletzten.

Die Morde fanden inmitten von Lod in der Nähe einer Polizeistation statt. Die Frau lud mit ihren Töchtern gerade Einkäufe aus dem Auto, als die Mörder aus dem Hinterhalt kamen und die beiden aus nächster Nähe erschossen. Eine Tochter konnte entkommen und wurde ins Bein geschossen. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie überlebte, weil eine Waffe der Attentäter klemmte.

Am Tag darauf äußerte sich auch Premierminister Yair Lapid zum Thema. Er sprach mit Revivo, dem Minister für öffentliche Sicherheit, Omer Barlev, und dem Generalinspekteur der israelischen Polizei, Yaakov Shabtai. Lapid versprach, in der kommenden Woche einen erweiterten Bildungsplan für Lod zur Genehmigung durch das Kabinett vorzulegen, »um eine optimale Bewältigung der vielen Herausforderungen in der Stadt zu ermöglichen«. Diskutiert wurde zudem eine größere Anwesenheit der Polizei, damit Racheakte verhindert werden können.

SCHIESSEREI Nur einen Tag zuvor war bei einer Schießerei in der arabischen Stadt Taybe ein 40-jähriger Mann leicht verletzt worden war. Doch nachdem er im Krankenwagen abtransportiert wurde, hielten Kriminelle das Fahrzeug an, bedrohten das Rettungspersonal mit Waffen und kidnappten den Verletzten. Die Polizei sucht noch immer nach den Tätern. Auch vom Opfer fehlt jede Spur.

Dieser Vorfall ereignete sich weniger als 24 Stunden nach der Erschießung von Nadal Ighbaria in Um-al-Fachem. Der Journalist, der über die kriminellen Vorfälle in seiner Gemeinde berichtete, hatte mehrfach Morddrohungen erhalten und fürchtete um sein Leben. Am Sonntag wurden die Drohungen grausame Wahrheit. Auf dem Rückweg vom Gebet ermordeten ihn Unbekannte mit mehreren Schüssen.

»Die Verbrechensbekämpfung in der arabischen Gemeinde ist komplex und wird eine sehr lange Zeit entschlossener Polizeiaktivitäten brauchen.«

Sicherheitsminister omer barlev

Die Redaktion der Lokalzeitung, für die er arbeitete, veröffentlichte eine Traueranzeige mit den Worten: »Ruhe in Frieden, Nadal. Die Wahrheit wird niemals sterben«. Sein Vater sagte im Anschluss, dass sein Sohn mehrfach bei der Polizei gewesen sei. »Aber was passierte, war leider vorauszusehen«, fügte er hinzu.

Nach Angaben der Abraham-Initiative, einer Gruppe, die sich gegen Gewalt in der arabischen Gemeinde einsetzt, wurden in diesem Jahr in Israel bisher mindestens 77 Araber bei Gewaltverbrechen getötet, davon 73 Staatsangehörige. Elf der Opfer waren Frauen, 66 wurden bei Schießereien getötet. Lediglich zwölf der Taten wurden aufgeklärt und die Täter zur Verantwortung gezogen.

KORREKTUREN Der Minister für öffentliche Sicherheit, Omer Barlev, verwies in einer Erklärung auf die Untätigkeit der vergangenen Regierung und sagte, dass »Jahre der Vernachlässigung dringende Korrekturen erfordern«. Er gestand jedoch auch, dass die Verbrechensbekämpfung in der arabischen Gemeinde »komplex ist und eine sehr lange Zeit aggressiver und entschlossener Polizei- und Vollzugsaktivitäten braucht«.

Darüber hinaus, meint Barlev, müssten große Investitionen in Bildung, Wohlfahrt und Beschäftigung getätigt werden. »Außerdem muss die kulturelle Wahrnehmung verändert werden. Damit Gewalt in der arabischen Gesellschaft nicht nur vereitelt, sondern ein für alle Mal beendet wird.«

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