Israels Armee

»Moralisches Versagen«

Checkpoint der israelischen Armee im Westjordanland Foto: Flash 90

Zwei israelische Militäroffiziere werden umgehend aus ihren Positionen entfernt und ein dritter offiziell wegen des Todes eines 80-jährigen Palästinensers mit US-Pass gerügt. Omar As’ad habe einen Herzinfarkt erlitten, nachdem er gefesselt, geknebelt und in einer eiskalten Nacht ausgesetzt worden war. Das teilte die israelische Armee (IDF) am Montagabend mit.

Die Strafen gegen die Kommandeure sind das Ergebnis einer internen Disziplinaruntersuchung. Eine weitere Untersuchung des Falls durch die Militärpolizei läuft derzeit. Darin geht es darum, ob Anklage gegen die beteiligten Soldaten erhoben wird. Die Ergebnisse wurden IDF-Stabschef Aviv Kohavi am Montag vorgelegt. Bei den Beschuldigten handelt es sich um eine Gruppe von Soldaten des Bataillons Netzah Yehuda. Diese Einheit wird ausschließlich im Westjordanland eingesetzt, bereits seit geraumer Zeit gibt es Vorwürfe von Brutalität gegen Palästinenser.

»Der Vorfall ist durch falsche Entscheidungen der Soldaten verursacht worden.«

Sonderermittlung der IDF

Die Untersuchung der IDF schloss, dass der Vorfall »gravierend und unglücklich« sei, der durch »moralisches Versagen und falsche Entscheidungen der Soldaten« verursacht worden sei.

WESTJORDANLAND Die Einheit hatte am 12. Januar einen Kontrollpunkt außerhalb des Dorfes Jiljilya im zentralen Westjordanland aufgebaut, hielt Autos an und überprüfte die Ausweisdokumente der Personen. Unter ihnen war auch As’ad. Nach Angaben der Soldaten habe er sich geweigert, sich auf Aufforderung auszuweisen. Also hätten sie seine Hände mit Kabelbindern gefesselt, ihn geknebelt und in den Hof eines nahegelegenen verlassenen Gebäudes geführt.

Drei weitere Palästinenser wurden an denselben Ort gebracht. Als die Soldaten etwa eine halbe Stunde später beschlossen, die Kontrolle zu beenden, ließen sie die vier Palästinenser gehen, heißt es in dem Bericht. Zu diesem Zeitpunkt habe der ältere Mann weitgehend nicht mehr reagiert. Die Soldaten ließen ihn trotzdem zurück, »ohne die Anzeichen von Stress oder andere verdächtige Anzeichen bezüglich seiner Gesundheit zu bemerken«, sagten sie aus. Angeblich seien die Soldaten davon ausgegangen, dass er schlief, und versuchten nicht, ihn zu wecken.

TATORT Die Ergebnisse der Militäruntersuchung stimmten weitgehend mit den Behauptungen der drei anderen Palästinenser überein, die am Tatort waren. Sie sagten, die Soldaten hätten gesehen, dass As’ad nicht bei vollem Bewusstsein war, und ihn trotzdem zurückgelassen.

As’ad, ein amerikanischer Staatsbürger, der viele Jahre in den USA gelebt hatte, starb nach Angaben von palästinensischen Medizinern noch am Ort des Geschehens. Eine von der Palästinensischen Autonomiebehörde durchgeführte Autopsie habe ergeben, dass er an einem stressbedingten Herzinfarkt gestorben sei.

Debatte

»Sie war mehr als froh, als alles zu Ende war«: Berlinale-Kreise: Tuttle überfordert und resigniert

Wie geht es nach Debatten um die Berlinale weiter? Eine Krisensitzung bringt nach Angaben des Kulturstaatsministers keine Entscheidung - zumindest vorerst

 26.02.2026

Politik

US-Konsulate erstmals in jüdischen Siedlungen

Die Angebote stehen im Kontext wachsender Spannungen und anhaltender Gewalt im Westjordanland

von Sabine Brandes  26.02.2026

Diplomatie

Israel und Indien vereinbaren »besondere strategische Partnerschaft«

Bislang galt für Israel: »Besondere strategische Partnerschaften« bestehen nur mit Deutschland und den USA. Jetzt wird auch die Zusammenarbeit mit Indien so eingestuft. Das hat Vorteile für beide

 26.02.2026

Verstrickungen

Geschäfte mit einem Mörderregime

Wie ein iranischer Banker ein europäisches Immobilienimperium aufbaute – inklusive Hilton-Hotels in Deutschland

von Philip Plickert  26.02.2026

Aliya

»Ich habe gewonnen«: Auschwitz-Überlebende (96) wandert nach Israel aus

Charlotte Roth will mehr Zeit mit ihrer Familie bringen, die zum größten Teil aus den USA nach Israel eingewandert ist

 26.02.2026

Jerusalem

Todesstrafe-Gesetz soll »abgeschwächt« werden

Klauseln könnten gegen internationales Recht verstoßen und werden von Experten als potenziell verfassungswidrig eingestuft

von Sabine Brandes  26.02.2026

Porträt

Kein Neuland

Mit dem Diplomaten und ehemaligen FDP-Bundestagsabgeordneten Alexander Graf Lambsdorff soll ein Israel-Kenner der nächste Botschafter in Tel Aviv werden. Was ist von ihm zu erwarten?

von Joshua Schultheis  26.02.2026

Sport

Tel Aviv rüstet sich für Marathon: Umfangreiche Straßensperrungen angekündigt

Der erste Startschuss fällt schon um 5:30 Uhr

 26.02.2026

»Pay for Slay«

Terror-Renten: Autonomiebehörde zahlte mehr als 130 Mio. Euro

Dem israelischen Sicherheitskabinett zufolge wurden sogar Gehälter von Lehrern gekürzt, um die Zahlungen aufrechtzuerhalten

 26.02.2026