Tempelberg

Metalldetektoren bleiben

Sicherheitskontrolle am Tempelberg Foto: Flash 90

Nach vierstündigen Beratungen hat das Sicherheitskabinett kurz vor dem Schabbat beschlossen, dass die Metalldetektoren an den Eingängen zum Tempelberg nicht wieder abgebaut werden. In den Tagen und Nächten zuvor war es immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Donnerstagnacht waren dabei 22 Menschen verletzt worden.

Die Krise am Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt war am vergangenen Freitag durch einen Terroranschlag ausgelöst worden. Drei israelische Araber, die mit Schusswaffen auf das Gelände der heiligen Stätte gekommen waren, erschossen zwei Grenzpolizisten.

Anschließend hatte die Regierung den Tempelberg kurzzeitig geschlossen und die Sicherheitskontrollen aufgebaut. Nachdem Vertreter der islamischen Verwaltung der Stätte, Waqf, aufgerufen hatten, diese israelischen Regeln nicht zu akzeptieren, brachen die Unruhen aus.

Status Quo Premierminister Benjamin Netanjahu hatte wiederholt bestätigt, dass der Status quo am Tempelberg nicht angetastet werde. Dieser besagt, dass lediglich Muslime dort beten dürfen, es Vertretern anderer Religionen aber erlaubt ist, ihn zu besuchen. Netanjahu erklärte auch nach den Beratungen: »Israel ist dem Status quo auf dem Tempelberg und dem freien Zugang zu den heiligen Stätten verpflichtet. Das Kabinett hat die Polizei angewiesen, diesen freien Zugang zu gewähren, während sie gleichzeitig für die öffentliche Ordnung und Sicherheit sorgen soll.«

In einer Erklärung erläuterte die Polizei daraufhin, dass diese Entscheidung aufgrund der Entwicklungen in den vergangenen Tagen – darunter Ausschreitungen an den Eingängen zum Tempelberg sowie in verschiedenen Gegenden Ost‐Jerusalems – getroffen wurde.

Der Jerusalemer Polizeichef Yoram Halevy ordnete an, dass am Freitag lediglich Frauen und Männer über 50 Jahre die Altstadt betreten dürfen. Gleichsam instruierte er seine Beamten, »die Würde der Gläubigen zu bewahren, wenn sie durch die Tore gehen«.

sicherheitskräfte Der neu gewählte Vorsitzende der Arbeitspartei, Avi Gabbay, kritisierte, dass das Kabinett die Entscheidung über die Metalldetektoren den Sicherheitskräften überlassen hat. Er glaube dennoch, dass Polizei und Armee dieser Herausforderung gewachsen sind, sagte er am Morgen. Der Abgeordnete Omer Bar Lev (Zionistische Union) indes ist überzeugt, der Staat Israel sei in eine Falle der Terroristen getappt, um den Konflikt mit den Palästinensern in einen religiösen Konflikt zwischen Islam und Judentum umzuwandeln.

Armee und Inlandsgeheimdienst hatten zuvor ihre Zweifel geäußert, ob die Sicherheitsmaßnahmen am Eingang des Tempelberges so bestehen bleiben sollten. Bürgermeister Nir Barkat indes unterstützte das Ergebnis der Kabinettsberatungen.

Zum traditionellen Freitagsgebet kommen jede Woche Tausende Muslime auf den Tempelberg, auf dem sich die Al‐Aksa‐Moschee befindet. An diesem Freitag werden sogar Zehntausende erwartet, die von ihren geistigen Oberhäuptern aufgefordert wurden, zur heiligen Stätte zu ziehen. Sie sollen ihr Gebet allerdings in den Straßen verrichten.

hamas Die Hamas im Gazastreifen hat außerdem zu Protesten aufgerufen. Währenddessen hat die israelische Polizei ein Großaufgebot von mehreren Tausend Beamten in die Altstadt bestellt, die die Lage unter Kontrolle halten sollen.

Präsident Reuven Rivlin telefonierte am Donnerstagabend mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, nachdem dieser den Wunsch geäußert hatte, über die Eskalation zu sprechen.

Rivlin betonte, dass der Status quo unangetastet bleibe, und erklärte, der Terroranschlag habe alle Grenzen überschritten. Er erinnerte seinen Gesprächspartner auch daran, dass Israel Terrorattacken in der Türkei stets umgehend verurteilt habe und sagte, dass Israel dasselbe von Erdogan erwarte – mit dem Verständnis, dass Terror Terror ist, wo auch immer er geschieht: in Jerusalem, in Istanbul oder Paris.

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