Israel

Mazzenduft liegt in der Luft

Wein, Mazzot: der Seder kann losgehen Foto: Flash90

Noch schnell werden am Montagmorgen die letzten Einkäufe getätigt, bevor die Geschäfte und Märkte von Naharija bis nach Eilat ihre Türen schließen. Menschen schleppen große Kartons mit Mazzen, Wein und schwere Taschen voller Köstlichkeiten nach Hause. Nach Sonnenuntergang beginnt in Israel die Pesschwoche mit dem Seder, den die meisten mit ihren Familien feiern. Das jüdische Volk erinnert dabei an den Auszug der Vorfahren aus der Sklaverei durch die Wüste.

Pessach ist voller Symbolkraft. Acht Tage lang ist jegliches Gebäck aus den Häusern verbannt. In den Läden sind die gesäuerten Waren, das sogenannte Chametz, unter Plastikplanen abgedeckt und dürfen nicht verkauft werden. Stattdessen isst man Mazzen, ungesäuertes Fladenbrot, meist in quadratischer Form. Von einigen als »Pappe« verpönt, so gibt es doch viele, die den dünnen Fladen mittlerweile wahre Gourmetqualitäten nachsagen.

Rezepte In Fernsehshows und im Internet gibt es seit Wochen Rezeptvorschläge mit Mazzen, vorgekocht und gebacken von den Top-Chefs des Landes. »Ich versuche, jeden Tag ein anderes Mazza-Rezept zu erfinden«, meint Margalit Cohen, Hausfrau aus Herzlija, »und meist schmeckt es allen. Das ist zwar eine ganz schöne Herausforderung, aber es macht mir Spaß, wenn der Duft der Mazzen durch das Haus wabert.«

Doch Hunderttausende Israelis nutzen die zweiwöchigen Pessachferien auch, um zu verreisen. Am Ben Gurion Flughafen herrscht seit Tagen hoher Andrang. Beliebte Reiseziele sind Italien, Berlin, Paris, doch auch Fernziele wie Thailand und die USA. Und auch ausländische Touristen stehen Schlage an den Passkontrollen, darunter viele Pilger, die das Osterfest im Heiligen Land verbringen wollen.

Tourismus Im Vergleich zum März 2016 kamen im vergangenen Frühlingsmonat 22 Prozent mehr Gäste an. Tourismusminister Yariv Levin freut sich: »Unsere Strategie geht auf, das bestätigt sich jeden Monat aufs Neue. Der Tourismus hat allein seit Jahresanfang vier Milliarden Schekel ins Land gebracht.«

Auch politisch ist Pause während der acht Tage. Das israelische Parlament, die Knesset, ist geschlossen. Kurz vor dem Urlaub hatte das Sicherheitskabinett noch beschlossen, die humanitäre Hilfe für die Opfer des Bürgerkrieges in Syrien aufzustocken.

Syrien Nach dem grauenvollen Angriff mit Chemiewaffen gegen Zivilisten in Idlib beschloss es, dabei verletzte Kinder aufzunehmen und sie in israelischen Krankenhäusern zu behandeln. Entsprechend des Vorschlages von Verkehrsminister Israel Katz sollen die syrischen Kinder mithilfe der Türkei nach Israel gebracht werden. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hat sich bislang jedoch dagegen ausgesprochen.

Am Sonntag besuchte Staatspräsident Reuven Rivlin israelische Soldaten an den Grenzen im Norden und wünschte ihnen »Chag Pessach Sameach«. Er sprach auch die Geschehnisse im östlichen Nachbarland an: »Was in Syrien geschieht, ist nicht mehr nur ein lokaler Konflikt. Wir befinden uns praktisch inmitten dieses Tornados. Es verlangt aus humanitärer Sicht unsere Aufmerksamkeit – und die der ganzen Welt.«

Missbrauch

Razzia gegen Kinderehen

Die Polizei ermittelt gegen eine strengreligiöse sektenähnliche Gruppe wegen illegaler Hochzeiten von Minderjährigen

von Sabine Brandes  03.09.2026

Jerusalem

Die Gewalt hat am Schabbat gesiegt

Wegen ultraorthodoxer Randalierer: Das Café Besimta der Bewegung »Juden für Jesus« öffnet samstags nicht mehr

von Sabine Brandes  03.09.2026

Gesellschaft

Rafael schlägt David

Die beliebtesten Kindernamen der Erstklässler in den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen von Jerusalem

von Sabine Brandes  03.09.2026

Debatte

Öffentlich-Rechtliche Medien: Macht euren Job, aber macht ihn besser!

Ein Appell von Esther Schapira

von Esther Schapira  03.09.2026

Jerusalem

Netanjahu sagt, Sicherheitschefs hätten ihn am 7. Oktober absichtlich nicht geweckt

Neu ist vor allem die Behauptung, die Sicherheitsführung habe ihn nicht lediglich aus einer Fehleinschätzung heraus nicht informiert, sondern sich bewusst dagegen entschieden

 03.09.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 03.09.2026

Umfrage

Umfrage: Netanjahu-Lager holt auf, beide Blöcke bei 53 Mandaten

Noch vor einer Woche hatte dieselbe Umfrage ein deutlich anderes Bild ergeben. Damals lag die Opposition mit 57 Sitzen vorn

 03.09.2026

Jerusalem

Katz: Israel ist bereit, die freiwillige Ausreise aus Gaza zu ermöglichen

Die Hintergründe

 03.09.2026

Tel Aviv

Nur jeder sechste Israeli fährt mit Bus oder Bahn zur Arbeit, andauernde Staus als Folge

Trotz Milliardeninvestitionen in den öffentlichen Nahverkehr wird dieser weniger genutzt als erhofft

 03.09.2026