Corona-Krise

Masken, Drohnen und Straßensperren

Mit Maske: unterwegs auf dem Rothschild Boulevard in Tel Aviv Foto: copyright (c) Flash90 2020

Drohnen, Geheimdienstüberwachung, Ausgangssperren. Menschen dürfen nur noch mit Gesichtsschutz und Handschuhen vor die Tür. Nicht einmal in ihren utopischsten Fantasien hätten die meisten Israelis gedacht, dass dies einmal wahr werden würde. Und doch ist es heute Realität in Zeiten des Coronavirus in Israel.

Vorerkrankungen Am Sonntag sind 10.878 Fälle von Covid-19 bestätigt, innerhalb der vergangenen 24 Stunden wurden 135 neue gezählt. 103 Israelis sind an den Folgen der Atemwegserkrankung gestorben. Die meisten Opfer waren ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Im Westjordanland sind 255 Fälle bekannt, im Gazastreifen 13. Am Sonntag wurde gemeldet, dass ein älteres Paar (87 und 90 Jahre alt) genesen ist. Beide wurden zuvor in kritischem Zustand auf der Intentsivstation behandelt.

Seit Sonntag müssen Israelis eine Schutzmaske tragen, wenn sie ihr Haus verlassen. Was zuvor ledliglich Empfehlung war, ist nun Vorgabe. Nach wenigen Tagen Eingewöhnungszeit soll die Polizei die neue Regel durchsetzen, wenn es sein muss, mit Geldstrafen, erklärte die Regierung.

In der ultraorthodoxen Stadt Bnei Brak ist die Zahl der Infizierten zehnmal so hoch wie im benachbarten Tel Aviv.

Insgesamt 17 Gebiete in Jerusalem und anderen Teilen des Landes, in dem die Ansteckungsrate überdurchschnittlich hoch ist, sind seit dem Wochenbeginn vollständig abgeriegelt. Bei allen handelt es sich um Orte mit überwiegend ultraorthodoxer Bevölkerung. Die charedische Stadt Bnei Brak ist bereits seit einer Woche per Notstandsordnung abgesperrt. Dort ist die Zahl der Infizierten zehnmal so hoch wie im benachbarten Tel Aviv.

Absperrungen Die Bewohner dürfen die betreffenden Gegenden lediglich zum Arbeiten verlassen, bei medizinischen Notfällen, der Beerdigung von Angehörigen ersten Grades oder ähnlich dringenden Anliegen. Die Polizei richtete Hunderte von Straßensperren an den Ein- und Ausfahrten ein. Mehr als 1000 Polizisten und 200 Soldaten überwachen die Einhaltung der Vorgaben. Zudem werden Drohnen aus der Luft patrouillieren, gab die Stadtverwaltung in Jerusalem an.

Nachdem Premier Benjamin Netanjahu es abgelehnt hatte, Flüge aus dem Ausland generell zu streichen, müssen nun sämtliche Passagiere ankommender Maschinen umgehend in Quarantäne. Sie werden sofort am Flughafen in Hotels gebracht, wie während der Coronakrise als Isolierstationen dienen. Am Tag zuvor war ein Flugzeug aus New York angekommen, aus dem die Fluggäste ohne jeglichen Sicherheitsmaßnahmen ausgestiegen und anschließend an ihre Zielorte gefahren waren.

Derweil ist die Zahl der Tests auf Covid-19 zurückgegangen, weil immer noch für die Auswertung benötigte Chemikalien in den Laboren fehlen. Damit wird eine Exitstrategie kompliziert, denn es liegen derzeit nur wenig verlässliche Zahlen über Neuinfizierungen vor.

Plan Nach wie vor gibt es keinen bekannten Plan, wann sich das Leben für die Menschen in Israel wieder normalisieren wird oder in welchen Stufen eine Anpassung an die Zeit vor dem Corona-Ausbruch vollzogen werden soll. Viele kritisieren die Politik, die Maßnahmen, die gegen das Virus eingesetzt werden, nicht transparent zu machen. Die vage Ankündigung der Regierung, nach Pessach mit einigen Erleichterungen zu beginnen, scheint vom Tisch.

Der Generaldirektor im Gesundheitsministerium, Itamar Grotto, erklärt dazu, dass die Experten im Ministerium es als zu früh ansehen. »Ich denke, wir müssen zunächst einen ausgearbeiteten Plan für die Öffentlichkeit haben, den sie versteht. Das wird den Menschen und der Wirtschaft die notwendige Sicherheit geben.«

»Wir werden die neue Welt mit unseren Händen bauen. Wir sind Israelis, wir geben nicht auf.«

Interimsbildungsminister Rafi Peretz sagte am Sonntag, er verlange, dass die Sommerferien in den Schulen von zwei Monaten auf einen verkürzt werden. Demnach sollen Schüler lediglich im August freibekommen, im Juli aber Unterricht haben, um die verpassten Stunden aufzuholen.

Jesch Atid und Telem veröffentlichten am Sonntag gemeinsam ein Video für die Pessachwoche, »das den Menschen Zuversicht geben soll«, wie die Parteien sagen. Darin heißt es unter anderem: »Wir werden es überstehen. Corona wird uns nicht besiegen. Das haben schon ganz andere versucht und sind gescheitert. Wir stehen zusammen. Wir werden die Wirtschaft wieder aufbauen und die Menschen wieder zur Arbeit bringen. Wir werden die neue Welt mit unseren Händen bauen. Wir sind Israelis, wir geben nicht auf«.

Gaza

Armee: Ranghoher IS-Terrorist im Gazastreifen getötet

Die israelische Armee meldet die Tötung eines führenden IS-Vertreters im Gazastreifen. Er und seine Terrormiliz sollen sich aktiv an Kämpfen gegen israelische Truppen beteiligt haben

 29.08.2025

Gaza

Leichen von Ilan Weiss und weiterer Geisel geborgen

Die sterblichen Überreste des Verteidigers vom Kibbuz Be’eri sind nach einer riskanten Operation wieder in Israel

 29.08.2025

Armee

Skandal um den General

Der für das Westjordanland zuständige Avi Bluth wird beschuldigt, Kollektivstrafen anzukündigen. Die Armee und Regierungsvertreter verteidigen ihn

von Sabine Brandes  29.08.2025

Nachrichten

Milch, Bündnis, Angriff

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  29.08.2025

Markus Lanz

Wolkige Rhetorik und rhetorische Volten

In der ZDF-Sendung bemühte sich Kanzleramtsminister Thorsten Frei, den Rüstungsexportstopp seiner Regierung zu erklären, während taz-Journalistin Ulrike Herrmann gar einen »Regimewechsel« in Israel forderte

von Michael Thaidigsmann  29.08.2025

Nahost

Schlag gegen Huthi-Führung in Sanaa

Aufgrund der andauernden Raketenangriffe auf Israel attackiert die Luftwaffe ein mutmaßliches Terrorzentrum im Jemen. Unter den Opfern soll auch der Premierminister der Huthi sein

 29.08.2025

Gazakrieg

Palästinenser trainieren in Ägypten für den »Tag danach«

Rund 10.000 Mann sollen für den in Gaza als Sicherheitskräfte eingesetzt werden, sobald der Krieg zu Ende ist

von Sabine Brandes  28.08.2025

Nahost

Israel kündigt zwei neue Hilfszentren im Gazastreifen an

Die Bauarbeiten laufen bereits. Zwei neue Verteilstellen für Hilfsgüter werden eingerichtet. Betreiber soll die amerikanische GHF-Stiftung werden

 28.08.2025

Geiseln

Geiselvater: »Ich habe nichts mehr zu verlieren«

Der Vater des jungen von der Hamas verschleppten Deutsch-Israelis Rom Braslavski äußert sich zunehmend verzweifelt

von Sabine Brandes  28.08.2025