Jom Haazmaut

Masel tov, Israel!

Foto: Getty Images/istock

Behutsam erwacht Israel aus seiner selbst verordneten Corona-Erstarrung, um Jom Haazmaut, seinen 72. Geburtstag, leise zu feiern. Der Judenstaat hat guten Grund, auf seine selbst errungenen Leistungen mit Genugtuung zu blicken. Israel ist eine einmalige Erfolgsstory – selbst in der modernen leistungsorientierten Welt.

Die globale Pandemie bietet Anschauungsmaterial, warum Zion gelungen ist. Man darf sich nicht von der äußeren sabrahaften Stacheligkeit täuschen lassen: Israel ist ein zutiefst humanes Land. Nirgends wird so hingebungsvoll und so erfolgreich um jedes Menschenleben gekämpft – einerlei, ob jüdisch, arabisch, christlich, säkular, charedisch, alt oder jung.

prinzip Die Zahlen und Fakten bestätigen dies. In Zion waren, anders als mitunter in Europa, keine entlarvenden Erwägungen über eine vermeintlich »notwendige Durchseuchung« der Gesellschaft und »Kollateralschäden« zu vernehmen, die unter Alten und Kranken in Kauf zu nehmen seien. Es gilt vielmehr das talmudische Prinzip: »Wer ein Leben rettet, der rettet die ganze Welt.« Und das, während sich die politische Klasse um Macht und Ämter streitet wie die Kesselflicker.

Heute lebt erstmals die Mehrheit der Juden in Israel.

Israel ist: Judentum plus der Treibsatz antisemitischer Bedrohung. Wer sich über die Judenfeinde beklagt, der darf ihre furchtbar beschleunigende Wirkung nicht vergessen. Der austro-ungarische Intellektuelle Theodor Herzl (1860−1904) wollte mit der jüdischen Religion, ja, selbst mit der israelitischen Überlieferung wenig zu tun haben.

Die Antisemiten hatten ihn indessen bereits während seines Studiums wissen lassen, dass Juden bei ihnen unerwünscht sind – er persönlich werde geduldet. Das war kein k.u.k. Phänomen, wie Herzl am Rande des Dreyfus-Prozesses in Frankreich erfahren musste, als der Mob »Tod den Juden!« kreischte.

zionismus Herzl kreierte den politischen Zionismus und musste erleben, dass die Juden wieder nicht auf ihren Propheten hören wollten. Jahrzehnte später belehrten die Nazis die Hebräer, dass der Hass ihrer Feinde tödlich war. Nachdem mein Großvater als Reaktion auf die Nürnberger Selektionsgesetze im Herbst 1935 Hitler-Deutschland den Rücken gekehrt hatte, um nach Zion auszuwandern, schrieben ihm die jüdischen Nachbarn: »Isaak-Raphael, du warst voreilig. Der Nazi-Spuk wird rasch vergehen.« 1945 hatte von den 220 Deportierten des Ortes nur ein Einziger überlebt.

Israel wurde den Juden nicht geschenkt. Selbst nicht nach dem Völkermord der Nazis und ihrer willigen Helfer in ganz Europa. Die Zionisten mussten die Unabhängigkeit ihres Landes erkämpfen. Zwar stimmte die UN-Vollversammlung 1947 für die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat.

Allein, die arabischen Länder lehnten dies geschlossen ab und marschierten unmittelbar nach der Verkündung von Israels Unabhängigkeit durch David Ben Gurion am 14. Mai 1948 in Tel Aviv in das Gebiet des jüdischen Staates ein.

mandatsmacht Selbst die Länder, die in den Vereinten Nationen für die Teilung Palästinas und einen jüdischen Staat votiert hatten, rührten keinen Finger zugunsten des angegriffenen Israel, während die ehemalige Mandatsmacht Großbritannien die Invasion Zions durch Offiziere und Waffenlieferungen an die Armee Transjordaniens unterstützte. Israel musste einen furchtbaren Preis für seine Unabhängigkeit zahlen. Mehr als 6000 Soldaten fielen im Unabhängigkeitskrieg 1948/49, jeder 25. Mann unter 40 ließ sein Leben.

Die Israelis begnügten sich nicht damit, ihre Opfer am Jom Hasikaron, der dem Unabhängigkeitstag vorangeht, zu ehren – sie machten sich mit aller Tatkraft und Menschlichkeit daran, ihr Land aufzubauen und gleichzeitig zum Schutzhafen für die verfolgten Juden weltweit zu etab­lieren. Bei der Unabhängigkeit zählte Israel 650.000 Juden.

In den folgenden Jahren nahm das Land knapp eineinhalb Millionen Menschen auf – die meisten von ihnen Überlebende des Holocaust sowie, was geflissentlich »vergessen« wird, mehr als 700.000 jüdische Flüchtlinge aus arabischen Staaten. Um diese Leistung zu würdigen, stelle man sich vor, Deutschland würde 150 Millionen Flüchtlinge empfangen ...

Das Land hat trotz der permanenten Bedrohungslage seine Demokratie und seine Rechtsstaatlichkeit als einzige Regionalmacht bewahrt.

Israel hat diese Integrationsleistungen vollbracht, während das Land wiederholt von feindlichen Armeen angegriffen wurde und dabei, etwa 1973 im Jom-Kippur-Krieg, an den Rand seiner Existenz geriet. Unterdessen hat sich Zion mit seinen mittlerweile neun Millionen Menschen zu einer führenden Wirtschaftsmacht entwickelt.

frieden Heute lebt erstmals die Mehrheit der Juden in Israel. Das Land hat trotz der permanenten Bedrohungslage seine Demokratie und seine Rechtsstaatlichkeit als einzige Regionalmacht bewahrt. Es gelang, Frieden mit fast allen arabischen Nachbarn zu schließen. Allein das marode Mullah-Regime in Teheran versucht, sich als Israel-Angreifer zu profilieren. Jerusalem wird auch diese Herausforderung meistern.

Israel begnügt sich nicht damit, die eigenen Erfolge weiter auszubauen und den gesellschaftlichen und politischen Zusammenhalt zu pflegen. Man streitet leidenschaftlich, das hat – nicht immer – gute Tradition. So wird Energie vergeudet und die Freiheit gefördert.
Mögen die Feinde Zions geifern, Israels Erfolgsgeschichte geht weiter.

Der Autor ist Politologe und Autor des Romans »Lauf, Ludwig, lauf! Eine Jugend zwischen Synagoge und Fußball«. Im Herbst erscheint die Fortsetzung »Ludwig und Hannah. Heimatlos in Tel Aviv«.

Nahost

Benjamin Netanjahu auf Gegenkurs

Israels Premier weist Donald Trumps Gaza-Plan zurück

von Sophie Albers Ben Chamo  14.08.2026

Israel

Die Stimme, der man traut: Oren Nahari ist tot

Mit nur 70 Jahren ist der beliebte Journalist Oren Nahari gestorben. Wenige Tage nach seiner letzten Radiosendung

 13.08.2026

Wien

Vermisste Israelinnen: Gerüchte sorgen für Aktiensturz

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter in Österreich haben Gerüchte in den sozialen Medien zu einem Kurssturz bei der israelischen Bank geführt, bei der eine der Frauen arbeitet

 13.08.2026

Nahost

Ex-Botschafter Seibert fordert »klare europäische Position« zu Israel

Bis vor kurzem war er das Gesicht deutscher Diplomatie in Israel: Steffen Seibert. In einem Interview äußert er sich zu Grenzen der Staatsräson, Siedlungen, dem Terror der Hamas und gegen Boykotte

 13.08.2026

Militär

Gefährlicher Schwarm

Experte Danny Orbach über neue Technologie in der Kriegsführung, Herausforderungen beim Zivilschutz und den Drohnenfund in Leipzig

von Sabine Brandes  13.08.2026

Nachrichten

Warnung, Netzwerke, Jahrzeit

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  13.08.2026

Washington D.C./Jerusalem

USA weisen Katz wegen Aussagen zu israelischer Präsenz im Südlibanon zurecht

Der israelische Verteidigungsminister hatte angekündigt, die Armee werde auf absehbare Zeit im Südlibanon bleiben

 13.08.2026

Jerusalem

Huckabee verurteilt Angriffe auf palästinensisch-amerikanische Familie im Westjordanland

»Die Handlungen derjenigen, die dies dem Haus dieser Familie antun, sind kriminell«, erklärt der US-Botschafter

 13.08.2026

Die iranische Atomanlage Fordo vor den amerikanischen Angriffen

Iranisches Atomprogramm

Fordo: Der Mossad war da

Yossi Cohen leitete den israelischen Auslandsgeheimdienst von 2015 bis 2021. Unter seiner Ära hätten israelische Spione die iranische Atomanlage Fordo mehrmals in Augenschein genommen

 12.08.2026