Kurzmeldungen

Mail aus Jerus@lem

Evakuiert, entlehnt und eingefroren

von Wladimir Struminski  08.02.2011 09:55 Uhr

Fußballstar Taleb Tawatha Foto: Flash 90

Evakuiert, entlehnt und eingefroren

von Wladimir Struminski  08.02.2011 09:55 Uhr

Evakuiert
Israel muss imstande sein, im Notfall 400.000 seiner Bürger zu evakuieren. Das wären immerhin gut fünf Prozent der Landesbevölkerung. Dies ist eine der Empfehlungen, die Experten der Regierung im Rahmen einer neuen Notstandsplanung ans Herz legen. Die Neuaufstellung des Katastrophenschutzes wurde nach dem verheerenden Waldbrand im Karmelgebirge in die Wege geleitet, umfasst aber nicht nur die Vorbereitung auf einen neuen Brand, sondern auch andere, noch schwerwiegendere Notfälle, wie ein Erdbeben oder einen massiven Raketenangriff von jenseits der Grenzen. Die unbefriedigende Lage der Heimatfront ist schon oft beklagt worden, doch hat es erst der Karmel‐Katastrophe bedurft, um die Entscheidungsträger wachzurütteln.

Exportiert
Als Israels Wirtschaft vor 50 Jahren ihre ersten Schritte auf dem Exportmarkt machte, witzelte ein Politiker, es würde dem Staat genügen, wenn jeder Chinese ein Paar israelische »Gatkes« (jiddisch für lange Unterhosen) kaufen würde. Inzwischen wird der alte Spruch auf ganz andere Weise wahr: Immer mehr chinesische Firmen interessieren sich für israelische Technologie. Die Zahl chinesischer Wirtschaftsdelegationen, die das kleine Israel besuchen, wird immer größer und übertrifft die Besucherzahlen aus fast allen anderen Ländern der Welt. Dabei geht es nicht nur um Elektronik, sondern auch um Umwelt und Landwirtschaft. Ob israelische Technologie zur Abwasserbehandlung und Bewässerung oder Sonnenenergie – China verfügt über riesige Landstriche mit intensiver Sonneneinstrahlung –, die Zahl der gemeinsamen Nenner ist groß. Ist das, um mit Humphrey Bogart zu sprechen, der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

Eingefroren
Frauen, die zwar Kinder wollen, aber noch keinen passenden Partner haben oder das Kinderkriegen aus Gründen der Karriere verschieben wollen, erschließt sich in Israel eine neue Alternative. Laut einer jüngsten Bestimmung des Gesundheitsministeriums dürfen Krankenhäuser interessierten Müttern in spe das Einfrieren von Eizellen für künftige Verwendung anbieten. Im Rahmen der Neuregelung dürfen bis zu 20 Eizellen pro Frau auf diese Weise gesichert werden. Die Dienstleistung ist grundsätzlich gebührenpflichtig. Allerdings wird sie bei Frauen, die an Problemen wie Erkrankung der Gebärmutter oder der Eierstöcke leiden oder das Risiko einer verfrühten Menopause aufweisen, vom Staat finanziert.

Eingespielt
Israels Fußballszene hat einen neuen Star, den Nachwuchsspieler von Maccabi Haifa, Taleb Tawatha. Nach mehreren brillanten Spielen für sein Team wurde der 18‐jährige Bewohner der Stadt Dschisr as‐Sarka zum Training bei der Nationalmannschaft eingeladen. Er ist aber nicht nur als Kicker hochinteressant, sondern stellt selbst in Israels vielfältiger menschlicher Landschaft eine Ausnahmeerscheinung dar. Als Araber, Beduine und wegen seiner sudanesischen Vorfahren schwarzhäutig, ist Tawatha in dreifachem Sinne Angehöriger einer Minderheit. Es wird schon ein besonderer Augenblick sein, in dem der Jungstar zum ersten Mal für Israel ins Stadion einläuft.

Errettet
Im vergangenen Jahr hatten 33 chilenische Bergleute wie durch ein Wunder 68 Tage in einer eingestürzten Grube überlebt und konnten aus dem Stollen ans Tageslicht gebracht werden. Ende Februar werden sie als Gäste des israelischen Fremdenverkehrsministeriums das Heilige Land besuchen und der Vorsehung für ihre Rettung danken – sozusagen vor Ort. Die von ihren Ehefrauen begleiteten Bergleute werden nicht nur die heiligen Stätten des Christentums besuchen, einschließlich der Geburtskirche im von der Palästinensischen Nationalbehörde regierten Bethlehem. Auf dem Besuchsprogramm steht auch ein Treffen mit Staatspräsident Schimon Peres. In seinem Einladungsschreiben hat Fremdenverkehrsminister Stas Miseschnikow den Mut und den Glauben der Geretteten als bewundernswert gelobt.

Ersetzt
In Israel ziehen die Benzinpreise kräftig an – und zwar nicht nur wegen höherer Rohölpreise, sondern auch, weil die Regierung die ohnehin saftige Treibstoffsteuer weiter angehoben hat. Die wohltätige ultraorthodoxe Organisation Chasdej Naomi hat einen originellen Weg gefunden, der Teuerung zu begegnen: Sie setzt neuerdings im Großraum Tel Aviv Pferdewagen ein, um das »Essen auf Rädern«, das sie an Hilfs‐ und Pflegebedürftige verteilt, ans Ziel zu bringen. Die Ersatzgefährte sind zwar langsam, doch lassen sie sich in einem bestimmten Radius durchaus einsetzen und sparen Kosten. Nicht minder wichtig: Sie sind ein werbewirksames Mittel, um gegen die als sozialfeindlich angeprangerten Benzinpreise zu protestieren.

Entlehnt
In der israelischen Armee ist es üblich, importierten Waffensystemen, die im Heiligen Land in Dienst gestellt werden, hebräische Namen zu geben. Manchmal passen diese, manchmal nicht. So etwa tragen die Hercules‐Transportflugzeuge der Luftwaffe wegen ihres wuchtigen Rumpfes die hebräische Bezeichnung »Karnaf« (Nashorn). Jetzt werden die zum Teil bereits vier Jahrzehnte alten Nashörner ausgemustert. An ihrer statt wurden moderne Hercules‐Flieger von Typ C‐130J geordert. Im Vorfeld der Auslieferung hat die Luftwaffe ihre Soldaten um hebräische Namen für die Maschinen gebeten. Wie die Tageszeitung Yedioth Ahronoth berichtete, wurden unter anderem »Thao« (Büffel) und Bison eingereicht. Als Favorit gilt indessen der der biblischen Erzählung entlehnte Name »Schimschon« (Samson). Ob das wohl ein guter Vorschlag ist, wenn man bedenkt wie es dem – Gott behüte – am Ende erging?

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