Kurzmeldungen

Mail aus Jerusalem

Eingekleidet: Benjamin Netanjahu Foto: Flash 90

Weisung
Neue Kleiderordnung für Israels Minister – egalitärer, aber nicht unbedingt billiger als bisher. Ab 2011 darf jeder Minister 4.018 Schekel (etwas über 800 Euro) aus dem Staatshaushalt für Bekleidung in Anspruch nehmen. Das ist viermal so viel wie bisher, doch entfällt im Gegenzug die bisher bestehende Möglichkeit, den Etat bei Sonderbedarf zu überschreiten. Schlechte Nachrichten gibt es für die Ehefrauen des Außen‐ und des Verteidigungsministers. Sie bekommen, so die neue Weisung, keinen eigenen – bisher offiziell durch ihre Repräsentationsaufgaben begründeten – Kleidungs‐Haushalt mehr, sondern müssen mit dem ihren Männern zugestandenen Geld auskommen. Nicht betroffen sind dagegen der Ministerpräsident und seine Gemahlin: Für das erste Ehepaar des Kabinetts bleibt es bei der bisherigen Bewilligung von 46.000 Schekel (knapp 10.000 Euro) pro Jahr.

wirtschaft
Der Nahosttiger feiert ein Comeback: Nach Berechnungen des Zentralamtes für Statistik ist Israels Bruttoinlandsprodukt 2010 um 4,5 Prozent und damit doppelt so schnell wie der Durchschnitt aller Industrieländer gestiegen. Für das neue Jahr wird für den jüdischen Staat ein Wirtschaftswachstum um rund vier Prozent prognostiziert. Damit expandiert die Wirtschaft zwar nicht ganz so schnell wie während des letzten – vor anderthalb Jahren durch die weltweite Krise ausgebremsten – Booms, doch sieht sich Israel nun in der Rolle des internationalen Musterknaben bestätigt. Wenn keine geopolitischen Störungen dazwischenkommen, gilt ein kräftiges Wachstum auch für die kommenden Jahre als sicher.

Wärme
Im winterlichen Deutschland kann man es sich dieser Tage vielleicht nicht so recht vorstellen, doch war 2010 das wärmste in Israel jemals gemessene Jahr. Wie der meteorologische Dienst mitteilte, betrugen die Temperaturen zwei bis drei Grad mehr als der Langzeitdurchschnitt – nach Begriffen der Wetterwissenschaft ein gewaltiger Sprung nach oben. So lagen die jahresdurchschnittlichen Wärmegrade in Jerusalem bei 20,3 Grad Celsius, während der Mehrjahresdurchschnitt nur 17,5 Grad beträgt. Die bei Tel Aviv gelegene Wetterstation Beit Dagan vermeldete 22,1 Grad gegenüber dem bisherigen Durchschnitt von 19,4 Grad. Leider war 2010 auch besonders trocken und gehörte zu den niederschlagsärmsten jeweils verzeichneten Jahren – eine Regenknappheit, die in diesem Winter noch unterboten zu werden droht.

Weggefährte
Nur einer von sieben nichtorthodoxen Israelis ist fest entschlossen, seinem Ehepartner beziehungsweise der Partnerin für immer die Treue zu halten. Wie zwei Umfragen übereinstimmend an den Tag legten – die erste wurde wiederholt, um das überraschende Resultat zu verifizieren –, haben 85 Prozent der seit mindestens fünf Jahren verheirateten Partner in der Vergangenheit Ehebruch begangen, sind gerade dabei oder schließen es für die Zukunft nicht aus. Allerdings würde nur jede/r zweite EhebrecherIn den Seitensprung gegenüber dem/der Angetrauten eingestehen. Indessen führt selbst eine aufgeflogene Nebenliebschaft, wie Scheidungsanwälte berichten, in den meisten Fällen nicht zur Auflösung der Ehe: nicht unbedingt, weil die Gehörnten so großzügig sind, sondern weil sie die Sprengung des Familienrahmens aus Rücksichtnahme auf die Kinder oder aus Angst vor den Scheidungskosten scheuen.

Waffen
Hat der prähistorische Mensch Handgranaten benutzt? Das nicht, doch wurde im archäologischen Unterseepark vor der Küste Caesareas ein aus britischer Mandatszeit stammendes Waffenversteck entdeckt. Der bisher von Sand bedeckte Fundort wurde durch einen Sturm und den dadurch unterhalb der Wasseroberfläche ausgelösten Wirbel freigelegt. Neben 20 Handgranaten enthielt die Waffenkammer auch Schusswaffen. Die israelische Marine hat die möglicherweise von jüdischen Unabhängigkeitskämpfern aus der Zeit britischer Herrschaft für künftigen Gebrauch versteckten Waffen geborgen und die Granaten entschärft. Gleichzeitig brachte der Sturm auch üblichere und unschädlichere Artefakte wie Anker aus verschiedenen Perioden und Tonscherben ans Tageslicht.

Wachsamkeit
In den ultraorthodoxen Wohnvierteln Jerusalems gibt es in letzter Zeit neue Kaschrut‐Aufseher für Frauenkleider. Das »Komitee für die Reinheit des Lagers« entsendet Inspektoren, die Damenbekleidungsläden kontrollieren. Bekanntlich ist nach der Halacha das Tragen von Kleidern mit einem Gemisch aus Wolle und Leinen verboten. Allerdings müssen Frauenkleider, um das Koscherzertifikat der Jerusalemer Aufpasser zu erlangen, auch züchtig sein – will heißen, sie dürfen weder zu eng anliegend noch zu kurz oder grell sein. Die Prüfungsergebnisse werden von der Abteilung publik gemacht. Deshalb haben viele, wenngleich nicht alle Geschäfte in den betroffenen Stadtteilen, den Kontrollen zugestimmt.

Weigerung
Vor zwei Jahren haben Hilit und Uri Gindi, zwei Mittdreißiger aus Tel Aviv, den Bund fürs Leben geschlossen. Während der Trauungszeremonie wurde Hilit vom Rabbiner um die Bescheinigung einer Mikwe gebeten, dass sie vor dem Gang unter den Traubaldachin im Ritualbad untergetaucht sei. Als sie unverblümt erklärte, den alten Brauch nicht befolgt zu haben, begannen die Probleme. Nach der Trauung setzte der Rabbiner den für die Ausstellung von Heiratsurkunden zuständigen Religionsrat der Stadt von dem Versäumnis der Braut in Kenntnis. Daraufhin weigerten sich die Beamten, dem Paar das gewünschte Dokument auszustellen. Erst jetzt – und zwar nach der Intervention einer gemeinnützigen Organisation für Familienrechte – ließ sich das Religionsamt erweichen und stellte die Urkunde aus.

Tel Aviv

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