Kurzmeldungen

Mail aus Jerusalem

Allein schlafen ist langweilig Foto: fotolia

Schlaf
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei (1. Buch Moses 2,18). Deshalb, so der biblische Schöpfungsbericht, gab Gott Adam eine Frau. Allerdings gilt der Grundsatz noch in einem anderen, wörtlichen Sinne. Wie der führende Schriftgelehrte der litauischen Ultraorthodoxie, Rabbiner Josef Schalom Eljaschiw, jetzt klargestellt hat, darf ein Mensch nicht allein im Haus schlafen, weil er sich damit bösen Geistern aussetzt. Das gelte nicht nur bei Nacht, sondern auch am Tage, selbst wenn der Betroffene nur ein kleines Nickerchen hält. Falls der Alleinverbleib im Haus unumgänglich ist, sollte der Schläfer eine Mesusa am Türpfosten des Schlafzimmers anbringen, die Tür offen lassen oder eine Kerze anzünden. Allerdings seien dies Behelfsmaßnahmen, die das grundsätzliche Verbot des Alleinschlafens nicht aufhöben.

scheine
Ein Sieg der Poesie und des schönen Geschlechts. Ein vom Finanzministerium eingesetzter Expertenausschuss hat empfohlen, auf den geplanten neuen Schekel‐Banknoten nicht nur Männerköpfe, sondern auch zwei Frauen abzubilden: die Pionierin hebräischer Dichtung Rachel Bluwstein (1890–1931), besser bekannt als »Rachel die Dichterin«, sowie die Lyrikerin und Kinderbuchautorin Leah Goldberg (1911–1970). Die Frauenquote hat freilich eine Vorgeschichte: Im ersten Entwurf der neuen Scheine war nicht eine einzige Frau vorgesehen. Erst nach einem Sturm der Empörung wies Finanzminister Juwal Steinitz, im zivilen Beruf Dozent der Philosophie, das Beratergremium an, für eine angemessene Vertretung der Damenwelt zu sorgen und – nicht minder interessant – auf die Verewigung von Politikern zu verzichten. Die Genehmigung der Empfehlungen durch die Regierung und die Bank von Israel gilt nunmehr als sicher.

Schiefer
Dass Israel nach den Offshore‐Funden der letzten zwei Jahre über genug Erdgas für mehrere Jahrzehnte verfügt, ist zwar schön, aber nicht genug. Um die Energie‐ und Treibstoffversorgung des Landes auf eine solide Grundlage zu stellen, will die Regierung auch die Nutzung der gewaltigen Ölschiefervorkommen in der inneren Ebene (südlich von Tel Aviv und westlich von Jerusalem) und im Negev vorantreiben. Das hat das Infrastrukturministerium erklärt. Wenn sich das Erdöl auf dem Weltmarkt weiter verteuert und in absehbarer Zukunft auch verknappt, kann sich Israel, so die Planung, dank der Ölschiefer auch auf diesem Gebiet unabhängig machen. Selbst Ölexporte wären denkbar. Umwelt‐ und landschaftspolitische Bedenken zerstreut das Ministerium mit dem Hinweis auf modernste Technologie. So etwa sollen die Ölschiefer nicht abgebaut, sondern unterirdisch erhitzt werden. Dadurch tritt das Öl bereits in der Lagerstätte aus und wird durch einfache Bohrungen gefördert.

Schule
»Diese Schule ist der reinste Zoo« – das Gefühl kennt jeder Pädagoge. In Jerusalem wird der umgekehrte Weg eingeschlagen: Der Zoo erfüllt die Aufgaben einer Schule. Im Rahmen einer neuen Bildungsinitiative können Schüler der Abiturklassen ein Intensivlernprogramm im Biblischen Tiergarten der Hauptstadt absolvieren, sich mit der Lebensweise verschiedener Tiere und anderen Fragen – etwa Schutz bedrohter Tierarten – vertraut machen. Das Programm umfasst 20 Zoobesuche mit praktischer Beobachtungsarbeit und Vorträgen. Anschließend können die Schüler auf dem von ihnen gewählten Fachgebiet eine Abiturprüfung ablegen, die Erstellung eines Forschungsberichts inklusive. Ziel des Programms ist es, das Bewusstsein junger Menschen für Natur und Umwelt zu schärfen.

Schnelligkeit
Drei junge Männer aus Akko haben nicht nur einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung begangen, sondern diesen auch noch selbst dokumentiert. Die drei waren bei Nacht mit einem Pkw von Tel Aviv nach Haifa unterwegs. Von seinen beiden Freunden angefeuert, raste der Fahrer mit 260 Stundenkilometern durch die Dunkelheit. Das hielten seine Mitreisenden auf einem Handy‐Video fest – eine Aufnahme des Tachometers inklusive – und stellten den Filmausschnitt auf ihre Facebook‐Seite. Als das Video im Internet die Runde machte, fiel es auch der Polizei auf, die die drei Raser wegen der Geschwindigkeitsüberschreitung beziehungsweise wegen Anstiftung vor Gericht gestellt hat. Jetzt müssen die Richter entscheiden, ob die Aufnahme als Beweis für die gefährliche Missetat zugelassen wird.
Schwindel
Demütigender geht’s kaum noch. Als einem jungen Israeli ein Reklameheft für Callgirls in die Hände fiel, blätterte er darin und wollte seinen Augen nicht trauen. Obwohl die Gesichter der Dienstleisterinnen unkenntlich gemacht wurden, meinte er, auf einem der Bilder seine eigene Ehefrau zu erkennen. Bis dahin hatte der Gemahl angenommen, seine Frau sei in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Um sicherzugehen, dass er sich nicht geirrt hatte, rief der Geschockte die Vermittlungszentrale an und machte einen Termin mit der Sex‐Betreuerin aus. Als diese die Tür ihrer »Dienstwohnung« öffnete, waren alle Zweifel ausgeräumt: Die Prostituierte war keine andere als die angebliche Werbefachfrau. Bei dem anschließenden Streit, so die Gattin, sei ihr Mann handgreiflich geworden. Das streitet der Beschuldigte unter dem Hinweis ab, besonders glaubwürdig sei seine Frau, wie man gesehen habe, nicht.

Schock
Die Gerechtigkeit ließ einige Monate auf sich warten: Im Januar hatte ein Brautpaar aus Tel Aviv einen Schock erlitten. Während die beiden Eheleute einige Stunden vor der Hochzeit für Erinnerungsfotos posierten, brach ein Dieb in ihren Wagen ein und stahl nicht nur die Kreditkarten und die Laptops, sondern auch das Brautkleid, die Ketuba (Ehevertrag) und den Ehering. Zwar wurde für alles rechtzeitig Ersatz beschafft, doch blieb bei den Frischvermählten ein bitterer Nachgeschmack. Jetzt teilte ihnen die Polizei mit, der Dieb, der sich beim Einschlagen der Fensterscheibe verletzt und so eine »Blutprobe« hinterlassen habe, sei dingfest gemacht und mithilfe einer DNA‐Untersuchung überführt worden. Geschieht ihm recht.

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