Kurzmeldungen

Mail aus Jerusalem

Filmreif: Eine spektakuläre Aktion der Tel Aviver Polizei erinnert an die »Police Academy« Foto: promo

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In den 80er‐Jahren feierten Kinofilme der Serie »Police Academy« weltweit Lacherfolge, zeigten sie doch mit schrägem Humor, wie die Polizei nicht arbeiten darf. Jetzt haben zwei junge Tel Aviver Polizistinnen vorgeführt, dass die Wirklichkeit noch schräger als die Filmvorlage sein kann. Nachdem ein bewaffneter Bankraub gemeldet worden war, beschlossen die beiden, den zu
Fuß flüchtenden Täter auf eigene Faust zu fassen. Zu diesem Zweck drangen sie in ein Zweiradgeschäft ein, konfiszierten einen Tretroller mit Hilfsmotor – Spitzengeschwindigkeit 12 Stundenkilometer – und machten sich auf den Weg. Auf die Frage belustigter Passanten, wie sie den gefährlichen Räuber denn überwältigen wollten, zeigten sie in Ermangelung von Dienstpistolen eine Pfefferspraydose vor. In die Verlegenheit kamen sie aber zum Glück nicht, blieb doch der tollkühnen Suchaktion der Erfolg versagt.

sektor

Die Wirtschaft des arabischen Sektors in Israel ist zu wenig mit dem Rest des Landes verbunden. Auch erwirtschaften die arabischen Bewohner lediglich acht Prozent des israelischen Bruttoinlandsprodukts, obwohl sie ein Fünftel der Bevölkerung stellen. Das sind keine feindseligen Anschuldigungen aus dem unfreundlichen Ausland, sondern amtliche Angaben des israelischen Ministerpräsidentenamtes. Jetzt hat die Regierung ein Programm zum Abbau der tiefen sozioökonomischen Kluft zwischen Arabern und Juden beschlossen. Danach werden Investitionen, Existenzgründungen und Arbeitsplatzbeschaffung im arabischen Sektor besonders gefördert – vorerst in zwölf großen arabischen Ortschaften, darunter Nazareth und Umm al‐Fahem, zu einem späteren Zeitpunkt, so jedenfalls der gute Vorsatz, auch anderswo.

Streit
Ganz als hätte Benjamin Netanjahu nicht jetzt schon genug Sorgen, droht seiner Regierung eine halachische Koalitionskrise. Beim Bau des neuen, gegen Raketenangriffe geschützten Notaufnahmegebäudes am Barsilai‐Krankenhaus in Aschkelon wurden antike Gräber entdeckt. Auf Forderung ultraorthodoxer Kreise, für die eine Verlegung der Gräber, geschweige denn deren Überbauung, nicht infrage kommt, beschloss die Regierung eine Verlegung des Gebäudes an eine andere Stelle, und zwar zu einem Kostenpunkt von umgerechnet 30 Millionen Euro. Das wiederum löste nicht nur Proteste, auch aus Medizinerkreisen, sondern auch die Frage aus, ob der Beschluss, der nach Überzeugung der Kritiker Menschenleben gefährdet, überhaupt rechtens ist. Jetzt soll ein interministerieller Ausschuss das Dilemma klären.

Stolz
Es gibt Länder, in denen die Nationalhymne als obsolet gilt. Nicht in Israel. Wie eine Studie an den Tag brachte, identifizieren sich neun von zehn jüdischen Israelis beim Abspielen der Hatikwa mit ihrem Nationallied, das dem jüdischen Volk Freiheit in seinem eigenen Land verheißt. Acht von zehn Befragten gaben an, die Hymne erfülle sie mit Stolz. Die positiven Emotionen sind nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleich stark ausgeprägt. Allerdings berichteten immerhin 70 Prozent der Neueinwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, die Hatikwa löse bei ihnen nationale Identifizierung aus.

Sonne
Bis vor vier Jahren war die im Negev gelegene Ahorn‐Farm der Familie Scharon der inoffizielle Regierungssitz des Staates Israel, an dem der damalige Premier Ariel Scharon die wirklich wichtigen Gesprächspartner empfing und strategische Entscheidungen traf. Auch durch ihre preisgekrönten Zuchtbullen wurde die Farm bekannt. Jetzt schreitet der berühmteste Agrarbetrieb des Landes einer lichten Zukunft entgegen: Scharons rührige Söhne Omri und Gilad wollen den von der Sonne verwöhnten Landsitz zu einem Standort fotovoltaischer Stromerzeugungsanlagen machen. Mit einer Fläche von fünf Quadratkilometern ist das Familienanwesen groß genug, um zu einem der größten Fotovoltaik‐Betriebe des Landes zu werden.

See
Über Wasser wird in Israel viel gesprochen. Allerdings hält sich das tatsächliche Wissen der Bürger über diese so wichtige Materie in Grenzen. So halten acht von zehn Israelis Wasser für überteuert, doch machen sich nur drei von zehn die Mühe, sich ihre Wasserrechnung anzusehen. Lediglich zwei von zehn Verbrauchern ist bewusst, dass der größte Anteil des häuslichen Wasserverbrauchs auf die Toilettenspülung entfällt. Ähnliche Unwissenheit herrscht über die Herkunft des Wassers: Während 60 Prozent der Bürger glauben, der überwiegende Teil des landesweit verbrauchten Wassers komme aus dem Kinneret, liefert der See in Wirklichkeit nur ein Fünftel der Wassermenge: Zwei Drittel stammen aus Grundwasserreservoirs, während 15 Prozent von Entsalzungsanlagen bereitgestellt werden.

Schecks
Elf Jahre lang weigerte sich ein geschiedener Israeli, die seiner ehemaligen Ehefrau Unterhaltszahlungen zu überweisen. Dann aber erfuhr diese, dass der Ex‐Gatte wieder heiraten will. Geistesgegenwärtig erwirkte sie beim Amtsgericht in Netanya die Beschlagnahme der Schecks, die Hochzeitsgäste in Israel für gewöhnlich als Geschenk mitzubringen pflegen. Von Protesten des Zahlungsverweigerers ließ sich das Gericht nicht beeindrucken. Um nicht bei seiner eigenen Hochzeit auch noch verhaftet zu werden, fügte sich der Bräutigam und übergab dem Anwalt der ersten Gattin nach Abschluss der Zeremonie Schecks im Wert von 125.000 Schekel – rund 24.000 Euro. So hatte sich die an dem Streit nicht beteiligte neue Braut ihren Hochzeitstag wohl nicht vorgestellt.

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