Weltenbummler

Luca Pferdmenges ist der »German Travel Guy« mit gutem Geschmack

Eingehüllt in die Fahne von Palau kommt Reiseinfluencer Luca Pferdmenges nach seiner XXL-Reise am Flughafen Düsseldorf an. Foto: picture alliance/dpa

Er hat drei Millionen Follower bei Tiktok und eine Viertelmillion bei Instagram: Luca Pferdmenges (23) aus Mönchengladbach ist der »German Travel Guy«. Vor wenigen Tagen ist er aus dem Pazifikstaat Palau heimgekehrt und hat damit sein großes Ziel erreicht, wie er verkündet: »Ich habe alle 195 Länder der Welt bereist.« Zu einem Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde wird es wohl dennoch nicht kommen.

Als Jongleur und Halter diverser Weltrekorde im Jonglieren bereiste Luca schon als Jugendlicher seit 2017 die Welt, wie er sagt. Im Dezember 2020 hatte er nach eigenen Angaben bereits 76 Länder besucht, als ihm zu Beginn der Corona-Pandemie in Südafrika die Idee kam, angesichts wegbrechender Auftritte die letzten 119 Staaten auch noch zu erleben.

Nach viereinhalb Jahren und diversen Kurzvideos aus allen Ecken der Welt hat der blonde Lockenschopf, inzwischen zum Reise-Influencer avanciert, seinen fünften Pass in Gebrauch. Die anderen sind voll gestempelt. Das war nicht immer einfach. »Es gibt Regionen, da braucht man extrem viel Planungsaufwand, zum Beispiel in Ozeanien. Um da hinzukommen, muss man über Australien und die Fidschi-Inseln reisen.«

»Sehr lecker«

Bei seinem Lieblingsland ist er sich nicht ganz sicher, hat aber einen Favoriten: »Mexiko. Das Essen ist sehr lecker und die Menschen sind super freundlich. Man hat gute Partys und schöne Natur. Bhutan hat mir auch sehr gefallen: ein kleines Königreich im Himalaya - einfach, weil es so anders ist. Meine Lieblingsstadt ist Tel Aviv in Israel.«

Es gibt aber auch Länder, die muss er kein zweites Mal sehen: »Nauru, zum Beispiel. Das ist ein kleiner Inselstaat im Pazifik. Da gibt es keine Sehenswürdigkeiten. In einer halben Stunde hat man alles gesehen. Im Zentrum gibt es eine Phosphatmine. Das war’s.«

In Afghanistan sei er ein halbes Jahr vor der Machtergreifung der Taliban gewesen, als Schüsse in der Straße gefallen seien, in der er sich gerade aufgehalten habe. »Mir wurde gesagt: Sei einfach leise, dann passiert dir nichts.« Im afrikanischen Mali wurde es auch unangenehm, wie er sagt: »Da wurde ich verhaftet von einem Polizisten, weil ich im Kreisverkehr fotografiert hätte.« Der Polizist habe dann Geld gewollt. »Das zahlt man nicht gerne, aber es ist leider unvermeidbar. In Westafrika ist Korruption ein Riesenproblem.«

»Mir ging die Pumpe«

In Papua Neu-Guinea wollte er von seiner Unterkunft zum Flughafen laufen. »Da hat mich ein Polizei-Jeep abgefangen. Der Polizist hat mir gesagt, ich soll einsteigen, es sei sehr gefährlich dort. Das habe ich gemacht und zwei Minuten später wurde vor uns ein Auto ausgeraubt. Der Polizist hat in die Luft geschossen. Mir ging die Pumpe.«

Er sei aber nie direkt mit einer Waffe bedroht worden. »Das ist fast schon überraschend, wenn man sich anschaut, wo ich unterwegs war.« Sein Trick: »Keine teuren Klamotten, keine teure Tasche. Lieber ein ranziges Argentinien-Trikot.«

In zwei Länder sei er nur mit viel Mühe und langer Wartezeit gekommen: Sudan und Nordkorea. »Auf das Visum für Nordkorea habe ich über fünf Jahre lang gewartet. Sudan war auch sehr schwierig.« Nach jahrelanger Wartezeit habe er dann aber plötzlich innerhalb von wenigen Tagen beide Länder bereisen können: »In Nordkorea war ich am 20. Februar und am 1. März war ich schon im Sudan.«

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Teure Tour

Konnte er anfangs die Reisen durch Auftritte durch Jonglieren finanzieren und die Kosten durch »Couchsurfing« im Rahmen halten, wurde es besonders zum Schluss in den gefährlicheren Ländern teuer: »In Ländern wie Libyen kostet die Tour vor allem aus Sicherheitsgründen ein paar tausend Euro.«

Weswegen ihm drei Millionen Menschen folgen? »Die Leute wollen mich in Gefahr sehen. Deswegen gehen meine Videos viral. Weil ich eben die Länder bereise, in die sonst niemand fährt«, sagt Luca. Nun hat er seine Mission abgeschlossen. »Es ist ein überwältigendes Gefühl. Wenn ich irgendeine Person treffe auf der Welt, kann ich sagen: «Ich war schon in deinem Land.»«

Ein Türöffner bei seinen Reisen sei seine Heimatstadt Mönchengladbach gewesen. »Den Fußballverein kennt man. Egal, ob ich im Tschad war oder in einem Dorf in Mali.« Ein anderer sind seine Jongleur-Künste: »Da kommen Kinder auf mich zu und sagen: «Nochmal, nochmal.» So kommt man ins Gespräch.«

Zweimal bestohlen

Für seine Familie waren seine Reisen nicht immer einfach: »Vor allem für meine Mutter war das am Anfang schwierig.« Sie habe es dann mit schwarzem Humor bewältigt und ihm gesagt: »Wenn du irgendwo verreckst, hole ich dich nicht ab.«

Bestohlen wurde er zweimal: »In Buenos Aires wurde mir eine Halskette abgerissen und in Düsseldorf am Flughafen kurz vor der Abreise in mein letztes Land der Koffer gestohlen. Ich war auf der Toilette und die Kabine war zu klein. Als ich raus kam, war mein Koffer weg.«

Angst hatte er vor Malaria und Dengue-Fieber, schlief deswegen oft unter zwei Mückennetzen. Krank wurde er nur in Afghanistan: »Da lag ich wirklich eine Woche flach. Ich hatte mir so einen Teller Streetfood gekauft für elf Cent.«

Freundin aus Argentinien

Das Reisen hat seinen Blick auf Deutschland verändert: »Hier ist alles doch relativ billig und die Löhne sind vergleichsweise hoch. Man lernt auf Reisen, seine Privilegien zu schätzen. Die deutschen Supermärkte habe ich oft vermisst. Manchmal denke ich: «Über was beschweren wir uns eigentlich?»«

Im Guinness-Buch der Rekorde ist als jüngster Mensch, der alle 195 Länder bereist hat, die US-Amerikanerin Lexie Alford vermerkt, die dies bereits mit 21 Jahren geschafft haben soll. »Sie war aber nie in Syrien und Nordkorea, weil sie da als US-Amerikanerin nicht rein gekommen ist. Sie war nur in der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea.«, sagt Pferdmenges.

Trotzdem wird er ihr den Titel nicht abjagen können: »Ich werde keinen Rekord beantragen, weil ich die Voraussetzungen nicht erfüllen würde.« Die sehen vor, dass man zum Beleg einen GPS-Tracker mit sich führt. »Den hatte ich nicht dabei, weil ich in den ersten 70 Ländern noch gar nicht die Idee hatte, jedes Land der Welt zu bereisen.«

Seine Freundin lernte er in Buenos Aires kennen. Sie war zu seinem Erstaunen in Deutschland, als er aus Palau zurückkehrte. »Damit hat mich meine Familie überrascht.«

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