Tourismus

Kurztrips und Camping

Soll nicht leer bleiben: der Strand in Eilat Foto: Flash90

Die Ausländer bleiben weg – die Inländer kommen an. So wird der diesjährige Sommer in Israel beschrieben. Der Tourismus war eine der ersten Branchen, die durch den Ausbruch des Coronavirus extrem geschädigt wurden, und ist eine der letzten, die wieder gesunden werden. Noch immer sind die Grenzen für Nicht-Israelis hermetisch abgeriegelt. 2020 setzt das Land daher komplett auf lokalen Tourismus.

Im Jahr zuvor hatte Israel 4,55 Millionen Besucher aus aller Welt willkommen geheißen, der absolute Rekord in der Geschichte des Landes. Im Frühjahr dann fiel diese Zahl innerhalb kürzester Zeit praktisch auf Null.

»Den Kopf in den Sand stecken wir nur am Strand«, meint Nurit Levi und lacht. Die Freiberuflerin hatte ihr Einkommen durch die private Vermietung einer Einliegerwohnung ihres Hauses in Haifa jahrelang aufgestockt, meist kamen ausländische Gäste, die die Hafenstadt für einige Tage erkundeten. Dann kam Corona, und monatelang meldete sich nicht eine einzige Menschenseele bei ihr. »Doch seit einigen Tagen gibt es wieder eine Nachfrage«, freut sich Levi. Es kämen ausschließlich Einheimische, sagt sie, und die Zahlen seien »in keiner Weise so wie vorher – doch es ist ein Anfang«.

LOCKDOWN Weil Auslandsreisen nicht möglich sind, haben viele Israelis vor, ihr eigenes Land neu zu erkunden – vom bergigen Norden über die lebhaften Städte bis in die weite Wüste des Südens. Familie Neuman aus Kfar Saba war Anfang des Monats für vier Tage in Eilat. »Da waren wir ungefähr zehn Jahre nicht, weil wir immer ins Ausland geflogen sind. Es ist fantastisch zu erleben, dass man auch in Israel richtig Ferien machen kann. Es gibt viele Attraktionen und einen der schönsten Strände der Welt«, so Ran Neumann, Vater von zwei Kindern im Kindergartenalter. »Im August fahren wir wieder hin, es ist der perfekte Badeurlaub.« Dann fügt er schmunzelnd hinzu: »Wohin sollen wir auch sonst?«

»Die Besucher finden bei uns jetzt sogar noch schönere Strände vor«, verspricht Bürgermeister Meir Yitzhak Halevi den potenziellen Gästen. Die Küste der Stadt am Roten Meer wurde in der Zeit, in der alles geschlossen war, komplett saniert. Keine andere Stadt hatte derart unter dem Lockdown und der Schließung der Grenzen gelitten wie Eilat. In der Gemeinde am südlichen Zipfel des Landes leben rund 60.000 Menschen, von denen 80 Prozent im Tourismus beschäftigt sind, in Hotels, Restaurants, Geschäften, an Stränden und Attraktionen. Als alles zugesperrt war, schnellte die Zahl der Arbeitslosen auf 70 Prozent.

Mittlerweile jedoch sieht man in der Stadt, die sich mit 300 Sonnentagen im Jahr rühmt, zuversichtlich in die kommenden Monate. Seit der Wiedereröffnung sind bislang mehr als 150.000 einheimische Besucher angekommen. »Und bald haben alle Hotels ihre Pforten wieder auf«, so der Bürgermeister. Ebenso empfangen die Strände, Pools und Attraktionen, darunter das Delfin-Riff, wieder Besucher. Die Arbeitslosigkeit ist auf etwa 25 Prozent gesunken. Auch der Chef des Royal Beach Hotels, Chaim Cohen-Akad, ist optimistisch: »Wir sind bis nach den Hohen Feiertagen nahezu ausgebucht. Die Israelis freuen sich, nach Eilat zurückzukehren.«

Die Arbeitslosigkeit ist in Eilat inzwischen von 70 auf immerhin 25 Prozent gesunken.

Und nicht nur im Süden urlauben sie. Auch an der nördlichen Küste spüren die Betreiber einen Aufwind. Bislang gönnten sich die Menschen vor allem an Wochenenden eine Auszeit an den kilometerlangen Stränden, badeten, surften und entspannten am Strand, doch nach dem Beginn der Sommerferien für alle Schulen am 1. Juli sind viele Häuser auch während der Woche belegt.

STRANDHÜTTEN Wie die Strandanlage von Achziv, die jetzt mit »Glamping«, dem sogenannten »Glamour-Camping«, lockt. Während des Corona-Ausbruchs nutzten die Betreiber die Zeit, um ihre einfachen Strandhütten mit Namen »Chuschot« aufzupeppen und mit handgezimmerten Betten, Deckenventilatoren, neuen Kühlschränken sowie eigener Dusche zu versehen. Dafür muss man statt rund 200 Euro (in der vergangenen Saison) jetzt 320 Euro in der Vier-Personen-Hütte berappen.

Auch die Städte wollen Einheimische in ihre Hotels bringen. Die Verwaltung von Tel Aviv hat dafür gemeinsam mit der Hotelvereinigung der Stadt eine Kampagne gestartet. Israelische Touristen werden bei Übernachtung in einem der Hotels mit verschiedenen kostenlosen Städtetouren, Museumstickets sowie Fahrradverleih und Strandstühlen verwöhnt.

»Wegen der Corona-Pandemie und dem Stopp des internationalen Reisens steckt die Tourismusindustrie in einer extrem schwierigen Lage«, weiß Jimmy Zohar, Direktor der Tel Aviver Hotelvereinigung. »In den kommenden Monaten wird der einheimische Tourismus das Zentrum unseres Interesses sein. Wir erwarten, dass die Kombination von guten Preisen und verschiedenen Leistungen die Israelis dazu bringen wird, Kurztrips zu buchen. Wir arbeiten unermüdlich daran, den Bedarf weiter zu erhöhen.«

WARNUNG Während die meisten in der Branche den lokalen Tourismus mittlerweile wieder positiv sehen, rufen einige auch zur Vorsicht auf. Schabtai Shay, Vorsitzender der Hotelvereinigung Eilat, habe in seiner 20-jährigen Karriere in der Branche noch keine Krise erlebt, die für seine Stadt so allumfassend war, lässt er wissen. Jedes Jahr kommen um die 2,5 Millionen israelische Touristen in die Badehochburg am Roten Meer, die meisten von April bis Dezember. In den Wintermonaten gesellen sich mindestens 250.000 ausländische Besucher, meist aus Europa, hinzu.

»Tatsächlich sind die Voraussagen für diese Saison sehr gut«, sagt Shay, »doch die Lage ist extrem fragil.« Anders als andere Städte in Israel gab es in Eilat nur einige Dutzend Corona-Fälle, und keiner davon mit ernsthafter Erkrankung. »Doch wenn es hier einen Ausbruch des Virus geben sollte, könnte alles sofort wieder ruiniert sein.«

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