Jerusalem

Kritik an neuer Siedlung

»Habt ihr zerstört? Dann baut jetzt - eine neue Siedlung für die aus Amona Geräumten«: Der Protest von Siedlern (Anfang März 2017) vor der Residenz des Ministerpräsidenten in Jerusalem war erfolgreich. Foto: Flash 90

Nach 20 Jahren wird zum ersten Mal eine neue jüdische Siedlung auf palästinensischem Gebiet gebaut. Darin sollen die Bewohner der illegalen Siedlung Amona untergebracht werden, die nach einem Gerichtsbescheid im vergangenen Monat abgerissen worden war, weil sie sich auf privatem palästinensischen Land befand. Das hat das Sicherheitskabinett in Jerusalem einstimmig beschlossen. Aus der Europäischen Union kam scharfe Kritik. Deutschland, England und Frankreich veröffentlichten am Freitagabend zeitlich koordinierte Reaktionen.

Die neue Siedlung im Westjordanland soll neben der bestehenden mit Namen Schilo gebaut werden. Gleichzeitig kündigte die Regierung eine Ausschreibung für 2.000 neue Hauseinheiten an und die Erklärung von 90 Hektar Gebiet in der Nähe der Siedlung Eli als öffentliches Land. Dadurch könnten die umliegenden Ansiedlungen in der Zukunft vergrößert werden. Deutschland, Frankreich und England verurteilten die Entscheidung aus Jerusalem.

Beschränkung Zur selben Zeit hatte Regierungschef Benjamin Netanjahu seinem Kabinett erklärt, dass er die Bautätigkeit in den bereits bestehenden Siedlungen im Westjordanland beschränken wolle. Das sei nicht mit der amerikanischen Regierung vereinbart, sondern »eine good-will-Aktion und unilaterale Entscheidung«, wird der Premier zitiert.

In einer Erklärung des deutschen Außenministeriums zu der neuen Siedlung hieß es, dass die Bautätigkeit zum ersten Mal nach 20 Jahren Deutschlands Vertrauen in Israels Wunsch nach einer Zweistaatenlösung durch Verhandlungen schwäche: »Die Bundesregierung erwartet, dass die israelische Regierung klarstellt, welche Position sie vertritt, um einen dauerhaften Frieden mit den Palästinensern zu erreichen.« Deutschland werde keine Änderungen der Grenzen von 1967 akzeptieren, die nicht von beiden Parteien akzeptiert sind.

Der britische Außenminister Boris Johnson sagte: »Diese Ankündigung ist gegen das internationale Recht und unterminiert die Aussicht auf zwei Staaten für zwei Völker.« Als starker Freund Israels stehe ich für Israel auf, wenn es ungerecht behandelt wird. Doch ich dränge es auch, derartige Schritte, die uns von dem gemeinsamen Ziel eines Friedens entfernen, nicht zu unternehmen.» Auch die Palästinenser und der Generalsekretär der Arabischen Liga verurteilten das Vorhaben Israels.

Westjordanland/Gaza

Umfrage: Unterstützung für Hamas in Gaza sinkt weiter

Eine palästinensische Studie zeigt wachsende Distanz zu der Terrororganisation und mehr Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung. Eine große Mehrheit lehnt die Entwaffnung vor einem israelischen Rückzug ab

von Sabine Brandes  15.10.2026

Bericht

Netanjahu soll Trump zu Iran-Angriff vor der Wahl gedrängt haben

Der israelische Premier hat angeblich den US-Präsidenten gebeten, den Krieg vor den Wahlen wieder aufzunehmen. In Washington sieht man dabei auch innenpolitisches Kalkül

von Sabine Brandes  15.10.2026

Israel

Vor Schicksalswahl: Eisenkot verspricht Ende der Hamas-Herrschaft in 18 Monaten

Ex-Generalstabschef Eisenkot wirft Benjamin Netanjahu vor, die Kriegsziele im Gazastreifen verfehlt zu haben. Sollte er Regierungschef werden, kündigt er einen klaren Zeitplan an

 15.10.2026

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Wirtschaft

Käsekrise

Was nach einem Lieferengpass im Supermarkt aussieht, steht für ein großes Problem. Weil ausländische Techniker Israel meiden, stehen immer häufiger Maschinen still

von Sabine Brandes  15.10.2026

Diplomatie

Kolumbien verlegt Botschaft nach Jerusalem

Unter dem linken Präsidenten Petro brach Kolumbien die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab. Nun schlägt die neue Regierung einen anderen Kurs ein

 15.10.2026

Luftfahrt

Wie sicher sind Israel-Flüge?

Nach dem vereitelten Anschlag an Bord einer flydubai-Maschine werden immer mehr gravierende Sicherheitslücken bekannt

von Sabine Brandes  14.10.2026

Meldungen

Studium, Korruption, Aquädukt

Kurznachrichten aus Israel

von Sabine Brandes  14.10.2026

Reaktionen

EU kritisiert Wahlaufschub in den Palästinensergebieten

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas vertagt die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bis in den Herbst 2027

 14.10.2026