Wahlen

Kommt »Bibi« zurück?

Israels Premier Benjamin Netanjahu Foto: dpa

Israel steht vor einer Schicksalswahl - und das schon zum fünften Mal binnen dreieinhalb Jahren. Zentrale Frage ist, ob dem rechtskonservativen Ex-Regierungschef Benjamin Netanjahu (»Bibi«) - an diesem Dienstag (1. November) mithilfe des rechtsextremen Lagers ein Comeback gelingt oder der liberale Ministerpräsident Jair Lapid sein Amt verteidigen kann. Dem dritten Kandidaten, Verteidigungsminister Benny Gantz, werden nur geringe Chancen eingeräumt. Die Wahl in dem Land mit nur 9,4 Millionen Einwohnern wird international mit großem Interesse verfolgt.

Es droht erneut ein politisches Patt

Den Umfragen zufolge dürfte Netanjahus Likud wieder stärkste Partei werden, gefolgt von Lapids Zukunftspartei, die in der politischen Mitte angesiedelt ist. Entscheidend ist jedoch, wer sich eine Mehrheit von mindestens 61 der 120 Abgeordneten im Parlament (Knesset) sichern kann. Wie bei allen Wahlen seit 2019 ist wieder mit einem sehr knappen Ausgang zu rechnen. Es könnte erneut zum Patt zwischen dem Netanjahu-Lager und seinen Gegnern kommen.

Als möglicher Königsmacher gilt diesmal die Religiös-Zionistische Partei von Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir. Das rechtsextreme Bündnis könnte nach den Umfragen zur drittstärksten Kraft aufsteigen.

Bündnis Netanjahus mit rechtsextremen Kandidaten?

Der wegen Korruption angeklagte Netanjahu hat vermutlich nur eine Chance auf eine Mehrheit, wenn er ein Bündnis mit Smotrich und Ben-Gvir eingeht. Andere Politiker aus dem Mitte-Rechts-Lager - die eigentlich »natürliche Partner« Netanjahus wären - hat der 73-Jährige über die Jahre verprellt.

Ausgerechnet der rechtsextreme Ben-Gvir, der immmer wieder als politischer Brandstifter auftrat, will nun Minister für Innere Sicherheit werden. Er wurde wegen rassistischer Hetze verurteilt und spricht sich für die Ausweisung von Arabern aus, »die gegen den Staat Israel sind«. Immer wieder wird ihm vorgeworfen, den Konflikt mit den Palästinensern anzuheizen. Bei Konfrontationen mit Arabern zückt der Rechtsanwalt auch gern mal die Pistole.

Sorge um Israels Demokratie

Ben-Gvir hätte als Minister großen Einfluss, meint Politik-Professor Jonathan Rynhold von der Bar-Ilan-Universität nahe Tel Aviv. »Es würde Israels Demokratie und den internationalen Beziehungen offensichtlich schaden.« Rynhold warnt auch vor einer »Explosion jüdisch-arabischer Beziehungen innerhalb Israels, wie es letztes Jahr während des Gaza-Kriegs geschehen ist«.

Ben-Gvirs politischer Partner Smotrich plant ein radikales Programm, das zu einer deutlichen Schwächung des Justizsystems führen würde. Er strebt die Streichung der Delikte Untreue und Betrug aus dem Gesetz an - was auch die Aufhebung des Verfahrens gegen Netanjahu bewirken könnte. Die Verfassungsrechtlerin Suzie Navot sagt: »Wenn man ein Vergehen aus dem Strafgesetz streicht, kann man es sozusagen ausradieren.« Für Israel würde dies eine »Legalisierung der Korruption« bedeuten, warnt sie. »Ich bin sehr besorgt. Denn die Geschichte zeigt, dass Demokratien nicht an einem Tag sterben. Sie werden langsam zerrieben, wie bei einer Erosion.«

Sollte Netanjahu die Mehrheit von mindestens 61 Abgeordneten verpassen, könnte Lapid versuchen, wieder eine Koalition zu schmieden, die ein breites politisches Spektrum umfasst. Die politische Zweckgemeinschaft von acht Parteien, die im Juni vergangenen Jahres an die Macht gekommen war, musste allerdings nach einem Jahr aufgeben. Naftali Bennett, der zunächst Ministerpräsident wurde, tritt bei dieser Wahl gar nicht mehr an.

Lapids Errungenschaften und Probleme

Sein Nachfolger Lapid wird von Gegnern als politisches Leichtgewicht dargestellt. Mit der Beilegung des Streits mit dem Libanon um eine Seegrenze ist ihm jedoch in seiner kurzen Amtszeit ein wichtiger Erfolg gelungen. Im vergangenen Monat bezog der 58-Jährige klar Position - und sprach sich vor den Vereinten Nationen für die Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaates aus. Dennoch hat sich der Konflikt mit den Palästinensern wieder gefährlich zugespitzt.

Libanon

Zerstörung von Grenzdörfern soll Bedrohung durch Terror beenden

Israels Verteidigungsminister Katz kündigt drastische Maßnahmen im Süden des nördlichen Nachbarlandes an. Von dort aus erfolgen seit Jahren Angriffe der Hisbollah

 31.03.2026

Israel

Übergriff, Löwen, Haushalt

Kurznachrichten

von Sabine Brandes  31.03.2026

Knesset-Beschluss

Reaktionen auf das Gesetz zur Todesstrafe

Rechte israelische Politiker feiern und die USA respektieren die Entscheidung. Scharfe Kritik kommt von Teilen der Opposition in Jerusalem und aus Europa

 31.03.2026

Israel

»Hoffentlich der letzte Krieg«

Der militärische Konflikt mit dem Iran dauert an. Wir haben nachgefragt, wie Israelis diese schwierige Zeit zu Pessach erleben

von Sabine Brandes  31.03.2026

Mascha Malburg

Jerusalem ist allen heilig

Regelmäßig knirscht es vor Ostern zwischen Christen und den israelischen Behörden. Unsere Redakteurin wünscht sich nach dem neuesten Vorfall an der Grabeskirche mehr gegenseitiges Verständnis

von Mascha Malburg  31.03.2026

Interview

»In Ägypten blieb mir der Mund offenstehen«

Der Tanach-Gelehrte Rabbiner Joshua Berman hat die erste Haggada aus Sicht des Alten Ägyptens verfasst. Im Interview spricht er über sein Werk und einen Besuch in dem Land, das die Juden einst verließen

von Sabine Brandes  31.03.2026

Jerusalem

Netanjahu zum Iran-Krieg: »Wir sind deutlich über die Hälfte hinaus«

Nach Angaben des Ministerpräsidenten richtet sich die aktuelle Phase der Operation vor allem auf den Umgang mit angereichertem Uran

 31.03.2026

Nahost

Vier Soldaten sterben im Süd-Libanon

Die Lage im Überblick

 31.03.2026

Jerusalem

Todesstrafe für Terroristen: Knesset stimmt zu

Teile der Opposition rechnen damit, dass Israels höchstes Gericht das Gesetz kippen wird

von Sara Lemel  30.03.2026